Neues EDV-System Finanzämter strapazieren Geduld der Steuerzahler

Von dpa/lsw 

Steuerzahler im Land müssen mit längeren Wartezeiten bei der Steuererklärung rechnen.

Karlsruhe - Steuerzahler im Südwesten müssen mit längeren Wartezeiten bei ihrer Steuererklärung rechnen. Wegen einer kompletten Umstellung der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in allen 65 Finanzämtern des Landes kann es zu Verzögerungen von bis zu mehreren Wochen kommen, teilte die Oberfinanzdirektion Karlsruhe auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

 

Hintergrund ist, dass die Steuer-Datenverarbeitung aller Bundesländer vereinheitlicht werden soll. „Ziel ist die Bündelung der EDV-Ressourcen und die stärkere Koordination der EDV-Entwicklung, um eine effektive und effiziente EDV-Unterstützung auch in Zukunft sicherstellen zu können“, erklärte Michael Häuser, Sprecher der Oberfinanzdirektion. Bei der zwei Wochen dauernden Umstellung Anfang Mai sei das gesamte System mit fast allen Programmen erneuert worden, erläuterte er.

Datenverarbeitung soll vereinheitlicht werden

Auch die Benutzeroberfläche für die Mitarbeiter der Finanzämter habe sich verändert. Basis für die Neuerung sind Programme, die in Bayern und elf weiteren Ländern bereits im Einsatz sind. Im Südwesten wurden nach Angabe der Behörde 18 Millionen Steuerkonten, rund 35 Millionen Einkommenssteuer-Festsetzungen und rund 320 Millionen Archivelemente technisch übertragen.

Während der Umstellung habe sich ein Rückstand bei der Bearbeitung der Steuererklärungen gebildet, machte Häuser klar. Die Mitarbeiter hätten auch erst Routine im Umgang mit dem neuen System bekommen müssen. Zudem seien anfangs technische Fehler aufgetreten. „Mittlerweile sind die EDV-technischen Kinderkrankheiten der Anlaufphase weitgehend behoben.“

Wie viele Steuerzahler von den Anlaufschwierigkeiten betroffen sind, sei nicht bekannt, sagte Häuser. Sicher seien es aber nicht alle rund 1,4 Millionen Arbeitnehmerveranlagungen (Zahl aus 2010), weil die Finanzämter vor der Umstellung verstärkt die bereits vorliegenden Fälle abgearbeitet hätten. Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe hoffe auf Verständnis und bitte „um etwas Geduld.“