Warum der Ludwigsburger Kreisbrandmeister die Tagestour in den nördlichsten Zipfel von Rheinland-Pfalz auf sich nimmt und dabei offenbar eine Menge Freude empfindet? Dorroch begutachtete in Derschen die vier nagelneuen Abrollbehälter „Löschwasser“, die eine Spezialfirma im Auftrag des Landkreises Ludwigsburg baut. Alle vier Container zusammengenommen können „so viel Wasser fassen wie 20 Löschfahrzeuge“, sagt er: 40 000 Liter. Die Container kommen künftig zum Einsatz, wenn es an einem Aussiedlerhof brennt, an der Autobahn oder anderen Orten, an denen der nächste Hydrant weit weg ist. Je nach Ausstattung kosten die Container 70 000 Euro (Löschwasser) und 480 000 Euro (Rüst/Bauunfall).
Material für atomare Unfälle und Hochwasser
Jeweils ein Container kommt nach Ludwigsburg, Remseck, Bietigheim-Bissingen und Vaihingen. An jedem dieser vier Standorte hat der Kreis in den vergangenen Jahren mit den Feuerwehren vor Ort mehrere Container untergebracht. Sie beherbergen Spezialausrüstung, Technik und Ressourcen für verschiedene Sondersituationen und Einsatzarten. Es ist Ausrüstung, die im Zweifel dringend benötigt wird oder gar Leben retten kann, die aus Geld- und Platzgründen aber nicht jede Feuerwehr für sich vorhalten kann. Deswegen koordiniert der Kreis, gibt Geld, beauftragt die sogenannten Abrollbehälter. Die Wehrleute vor Ort bilden sich entsprechend fort, hieven bei Bedarf die Container auf die flexiblen „Wechselladerfahrzeuge“ und rücken damit aus, auch über die Grenzen ihrer Städte hinweg.
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Da gibt es beispielsweise einen Container mit Strahlenschutz und Atemschutzausrüstung sowie einen mit Einsatzleittechnik in Ludwigsburg. In Bietigheim-Bissingen steht unter anderem der Abrollbehälter „Großschadenslage“ mit Diesel-Aggregat, Zelten, Decken und so fort, um bis zu 100 Menschen warm und trocken zu halten. In Vaihingen gibt es etwa einen Gefahrgut-Abrollbehälter, Hochwasserschutzcontainer stehen in Bietigheim-Bissingen und Remseck bereit.
Konzept entstand vor zehn Jahren
In der Neckarstadt gibt es außerdem beispielsweise Container mit Sonderlöschmitteln und Hygienematerialien. Um die Abrollbehälter zu lagern, baut Remseck gerade im Auftrag des Kreises und bezahlt von diesem eine große neue Lagerhalle. „Unsere Feuerwehren haben immer mehr Herausforderungen zu meistern“, sagt der Remsecker Oberbürgermeister Dirk Schönberger.
Das Konzept – vier Standorte, strategisch verteilte Ausrüstung – entstand vor etwa zehn Jahren, Dorroch begleitete es von Anfang an. Die Abrollbehälter sind so gesehen auch seine Babys. „Wir schaffen hier Möglichkeiten, Gefahrenlagen aller Art im Landkreis zu bewältigen“, sagt er. „Das greift ineinander.“ Dorroch ist sich sicher: „Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt, gut investiert.“ Neben den Abrollbehältern für die verschiedenen Einsätze sind noch Container mit Ausrüstung untergebracht, die ebenfalls flexibel per Wechsellader transportiert werden können.
Besser ausgerüstet? Das geht kaum
Ein Sonderfall ist außerdem Kornwestheim: Auch hier steht – seit 2018 – ein mächtiger Feuerwehrcontainer, der Abrollbehälter „Notfallstation“. Er enthält in Metallkisten und auf seinen Rollwagen Ausstattung, die etwa bei einem atomaren Störfall zum Einsatz käme: Messtechnik, Desinfektionsmittel, aber auch Windeln und Feldbetten. Allerdings gehört dieser Container nicht dem Kreis, sondern wird vom Land bereitgestellt, wie der Kornwestheimer Feuerwehrkommandant Matthias Häußler sagt. Zum Einsatz kam der Container noch nicht – zum Glück.
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„Als Corona losging, haben wir aber Schutzausrüstung, einige Masken etwa, entnommen“, berichtet Häußler. Ende des Jahres kommen noch zwei Abrollbehälter „Rüst/Bauunfall“ dazu, nach Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg. Sie enthalten Ausrüstung für technische Hilfeleistungen, beinhalten also das, was sonst auf Rüstwagen zu finden ist. „Dann sind wir erst mal komplett, was die Abrollbehälter angeht“, sagt Dorroch und lacht. „Dann fällt mir, zumindest vorerst, nichts mehr ein.“