Neues Esslinger Landratsamt Befreiungsschlag ist nötig

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Am Neubau des Landratsamts in Esslingen führt kein Weg vorbei, meint unser Experte Thomas Schorradt.

Esslingen - Er steht noch auf festem Boden und es regnet nicht rein: Viel mehr positive Aspekte hatten die Gutachter schon vor knapp zehn Jahren nicht gefunden, als sie den Altbau des Esslinger Landratsamtes genauer unter die Lupe genommen hatten. Die Mängelliste, die sie ihrer „Studie zur energetischen Sanierung und organisatorischen Ertüchtigung“ über den Zustand der 1978 gebauten Verwaltungszentrale beigefügt haben, füllte dagegen Bände. So war in den Altbau der vierhundertfache Energieverbrauch im Vergleich zu dem damals gerade in Betrieb genommenem Neubau gemessen worden. Kurz zuvor hatte ein Rohrbruch das Dienstzimmer des Landrats Heinz Eininger unter Wasser gesetzt.

 

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Schon damals war von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag die Rede, um das Gebäude für einen weiteren Lebenszyklus von 40 Jahren zu ertüchtigen. Schon damals war von der Vorbildfunktion der öffentlichen Verwaltung auch für private Bauherren die Rede gewesen. Den Anspruch, Vorbild sein zu wollen, löst der Landkreis nun ein – nicht mit einer in der Anfangszeit noch favorisierten Grundsanierung im Bestand, sondern mit einem Neubau. In den Esslinger Pulverwiesen wird ein Landratsamt entstehen, das höchsten Ansprüchen an Funktionalität, Technik und Umweltverträglichkeit gerecht werden soll.

Das „Rathaus für den Landkreis“ ist kein Prestigeobjekt. Es ist angesichts der steigenden Ansprüche, die an eine moderne Verwaltung gestellt werden, eine Notwendigkeit. Die wenigen Kritiker, die dem Bestandsgebäude nachtrauern, sollten sich vor Augen halten, dass auch eine von ihnen vehement geforderte Sanierung von dem Betoncharme des Hauses wenig übrig gelassen hätte.

Kein Zeichen von Geschichtsvergessenheit

Dass ein gerade einmal 43 Jahre altes Gebäude schon wieder dem Erdboden gleich gemacht wird, zeugt weder von Geschichtsvergessenheit, noch von administrativer Großmannssucht. Allerhöchstens ist es ein weiteres Beispiel dafür, wie tief die wenig nachhaltige Baukultur der 1970er Jahre in die Sackgasse geführt hat. Der Landkreis kann mit dem maroden Landratsamt, der ebenfalls dem Abriss geweihten ehemaligen Albert-Schäffle-Schule auf dem Nürtinger Säer und dem mit einem Aufwand von rund 50 Millionen Euro sanierten Rohräckerschulzentrum auf dem Esslinger Zollberg ein mehrstimmiges Lied davon singen.

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