Neues Gebäude für das Freilichtmuseum Beuren Ein Puzzle mit mehreren tausend Teilen

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Das neue Erlebnis-und Genusszentrum des Freilichtmuseums Beuren nimmt Formen an. Im September des kommenden Jahres wird es eröffnet.

Die Ausmaße  des 27,60 Meter langen und 10,60 Meter breiten Gartensaal sind schon deutlich zu sehen.  Im September soll das  Erlebnis- und Genusszentrum fertig sein. Foto: Horst Rudel 5 Bilder
Die Ausmaße des 27,60 Meter langen und 10,60 Meter breiten Gartensaal sind schon deutlich zu sehen. Im September soll das Erlebnis- und Genusszentrum fertig sein. Foto: Horst Rudel

Beuren - Auf die Frage, ob er sich zu Weihnachten denn ein 1000-Teile-Puzzle von Ravensburger wünscht, kann Jochen Christ nur müde lächeln. Der Vorarbeiter der Firma Jako, eines auf den Umzug und Wiederaufbau alter Häuser spezialisierten Unternehmens aus Rot an der Rot (Landkreis Biberach), ist in Beuren derzeit damit beschäftigt, ein Puzzle von deutlich größerem Ausmaß zusammenzusetzen. Aus 19 Wandteilen, 19 Deckenteilen, rund 700 weiteren Kleinteilen und mehreren tausend Stücke zerlegten Dielen- und Parkettbodens bauen Christ und seine Mannen ein rund 100 Jahre altes Haus an neuem Platz wieder auf.

Wenn das dreidimensionale Puzzle fertig ist, wird es das neue Genuss- und Erlebniszentrum des regionalen Freilichtmuseums des Landkreises Esslingen in Beuren beherbergen. In seinem vorigen Leben hat das Gebäude als Garten- und Tanzsaal für die Geislinger Traditionsgaststätte Wilhelmshöhe gedient. Nach Jahren des Leerstandes ist es im Frühjahr in akribisch nummerierte Einzelteile zerlegt und in den geschützten Räumen des Renovierungsspezialisten neu aufbereitet worden.

In Beuren wächst zusammen, was zusammen gehört

Seit Beginn der Woche wächst auf dem neuen Fundament in den Beurener Herbstwiesen wieder zusammen, was zusammengehört. „Die besondere Herausforderung ist, dass wir nicht nur ein altes Gebäude umziehen, sondern es gleichzeitig mit einer ganz neuen Nutzung versehen“, sagt Carl-Heinz Mosch. Bei dem Architekten, dessen Schreibtisch im Hochbauamt des Landratsamt Esslingen, Abteilung Sonderbau, steht, laufen alle Fäden für das Projekt zusammen. Neben den klassischen Aufgaben eines Projektleiters, über den Zeitplan zu wachen (Mosch: „Wir sind gut in der Zeit“), die Qualität der Arbeiten zu kontrollieren („Sehr zufrieden“) und auf die Einhaltung der Kosten zu dringen („Bisher halten wir den Kostenrahmen ein“) zu wachen, ist Mosch dafür zuständig, dass es an der Schnittstelle zwischen dem Bauherren, dem Landratsamt Esslingen, und dem künftigen Nutzer, dem Freilichtmuseum Beuren, rund läuft.

Seit Dienstagmorgen ist der Wiederaufbau noch besser in der Zeit. Statt, wie vorgesehen, um 11 Uhr, waren die Schwertransporter mit den großen Deckenteilen schon um 7 Uhr auf das Museumsgelände eingebogen. Um den schweren, bis zu 20 Meter langen Gespannen das Manövrieren auf den schmalen Museumswege zu ermöglichen, musste unter anderem eine Wendeplatte gebaut und zusätzlich befestigt werden. „Uns ist entgegen gekommen, dass der Boden leicht angefroren war“, sagt Mosch. Jetzt ist der Architekt zuversichtlich, dass das Dach bis Freitag auf dem Gebäude sitzt und den Innenraum vor Schnee und Regen schützt.

Ideale Verbindung zwischen Drinnen und Draußen

Dort, mitten in dem Saal, in dem früher Konfirmationen und Hochzeiten gefeiert wurden oder Trauergesellschaften zusammensaßen, wird künftig eine multifunktionale, von einem Glaskäfig umgebene Schauküche stehen. Die Küche ist das Herzstück eines neuen Erlebnis- und Genusszentrums, das vom Aussterben bedrohten Getreide- und Obstsorten in den Mittelpunkt rückt. Deren Präsentation rundet das Angebot im Saal ab, während im Foyer eine Ausstellung die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes im Speziellen und den Stellenwert der Gaststätten im ländlichen Raum im Allgemeinen darstellt.

„Wir stellen eine Verbindung her zwischen der Nutzung der Sorten drinnen und den Obstwiesen, Gärten und Äckern draußen“, weist die Museumschefin Steffi Cornelius auf eine der Stärken der Beurener Museumskonzeption hin. Diese Stärke wird sich ihren Worten zufolge auch im museumspädagogischen Angebot widerspiegeln, das dieser Tagen festgezurrt wird.

Projekt kostet rund zwei Millionen Euro

In dem Erlebnis- und Genusszentrum soll die unverwechselbare Geschichte ausgewählter regionaler Produkte in authentischer Umgebung erlebbar gemacht, die Bedeutung der biologischen Vielfalt auf dem Acker, im Garten und der Streuobstwiese vermittelt und die Besonderheiten der von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft im Herzen Württembergs vorgestellt werden.
Als Gebäudehülle für das Zentrum dient der 400 Quadratmeter große Gartensaal der Gaststätte Wilhelmshöhe aus Geislingen (Kreis Göppingen), der derzeit auf dem Museumsgelände in Beuren aufgebaut wird und im September nächsten Jahres eingeweiht werden soll. Insgesamt steckt das vom Landkreis Esslingen getragene Freilichtmuseum rund zwei Millionen Euro in das Projekt, das zudem vom Förderverein des Museums und von der Köngener Ehmann-Stiftung finanziell unterstützt wird.