Neues Institut für Integrationsfragen Über die Kehrwoche hinaus

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Yassir Eric (links) ist der Leiter des neu gegründeten Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen. Es ist eine Einrichtung der Akademie für Weltmission in Korntal. Eric selbst sei als Migrant und ehemaliger Moslem die ideale Besetzung für die Stelle, so Traugott Hopp, Rektor der Akademie.

Yassir Eric (links) ist der Leiter des Foto: factum/Bach
Yassir Eric (links) ist der Leiter des Foto: factum/Bach

Korntal-Münchingen - Yassir Eric kennt sich aus, wenn es um Integration geht. Der evangelische Theologe weiß auch Bescheid, wenn es um den Islam geht. Beide Themen sind eng mit seiner Lebensgeschichte verwoben. Seit 1999 lebt der 41-Jährige in Deutschland, geboren und aufgewachsen ist er im heutigen Nordsudan. Dort ist Eric Anfang der 90er-Jahre vom Islam zum evangelischen Christentum konvertiert.

Nun hat Yassir Eric eine Stelle als Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI) angetreten. Das Institut ist eine neue Einrichtung der Akademie für Weltmission (AWM) aus Korntal. „Es wird in Deutschland immer viel über Migranten geredet“, stellt Traugott Hopp, der Rektor der AWM, fest. Das zeige, dass die Berührungsängste auch heute noch groß seien. Er wünsche sich jedoch, dass viel mehr mit Migranten gesprochen wird. Unter anderem deswegen entschied sich die Akademie für Eric. Durch seine Lebensgeschichte habe er profunden Einblick in eine andere Kultur und eine andere Religion. Und: mehr als viele wisse er um die Bedeutung von Toleranz und Glaubensfreiheit. „Ich bin persönlich betroffen. Die Freiheit, die wir in Deutschland genießen, hatte ich im Nordsudan nicht. Diese Freiheit motiviert mich jeden Tag aufs Neue“, sagt Eric.

Eric ist der Akademie bereits aus Studententagen bekannt

Ein weiterer Grund für seine Berufung: Der evangelische Theologe ist ein Absolvent der Akademie. Er hat sowohl an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg Religionspädagogik als auch Missiologie an der Columbia International University in den USA und an der AWM in Korntal studiert.

Seine Aufgaben sind umfassend. Yassir Eric ist Leiter und zunächst einziger Mitarbeiter des Instituts. Weil sich dieses auf Spendenbasis finanziert, habe die AWM die Strukturen für den Anfang klein halten wollen, so Traugott Hopp. Eric wird europaweit Projekte, die mit Migranten arbeiten, vernetzen. Dazu war er bereits mehrfach in Österreich und der Schweiz unterwegs. Er wird sich zudem um das Bildungsprogramm des neuen Instituts kümmern. Ein Ziel des EIMI ist es, Menschen, die mit Migranten zu tun haben, zum Integrationsbegleiter weiterzubilden. Auch geforscht werden soll in Korntal. „Wir wollen künftig Symposien zu den Themen Migration und Islam abhalten“, sagt Rektor Hopp.

„Integration ist das Projekt meines Lebens“

Für Yassir Eric sind diese Themen nicht nur eine Aufgabe. „Hier in Deutschland bin ich ein Migrant. Integration ist das Projekt meines Lebens“, sagt er. „Er habe Deutschland als eine „sehr offene“ Gesellschaft kennengelernt. „Es gibt für mich deswegen keinen Grund, sich als Migrant ein Ghetto aufzubauen.“ Doch er sieht die Lösung auch nicht in der Assimilation. „Ich kann ein bissle Schwäbisch schwätza“, sagt Eric. „Aber ich werde nie ein richtiger Schwabe werden.“ Das sei auch nicht sein Ziel. Er halte wenig davon, sich als Migrant komplett seinem Umfeld anzupassen und seine Wurzeln zu verleugnen. „Hier in Korntal macht man samstags die Kehrwoche. Also greife auch ich dann zum Besen“, sagt er. Aber seinen drei Kindern, die er zusammen mit seiner deutschen Frau hat, vermittelt er auch die Kultur seines Heimatlandes.

Sein angestrebtes Ziel: es soll eines Tages nicht mehr nötig sein, zwischen Deutschen und Migranten zu unterscheiden – und seine Aufgabe, die er bis vor Kurzem inne hatte, nicht mehr erforderlich sein. Yassir Eric hat als Diakon in christlich-arabischen Migrantengemeinden in Baden-Württemberg gearbeitet. „Schön wäre es, wenn wir eines Tages einfach alle in einem Gottesdienst sitzen können und die Gemeinden nicht mehr getrennt sind.“




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