Neues Kinderbuch von Kirsten Boie Junge Detektive in Lebensgefahr
Zehn Jahre nach ihrem ersten Fall lässt Kirsten Boie die Detektive Valentin und Mesut wieder ermitteln. In „Gangster müssen clever sein“ bekommen sie weibliche Verstärkung.
Zehn Jahre nach ihrem ersten Fall lässt Kirsten Boie die Detektive Valentin und Mesut wieder ermitteln. In „Gangster müssen clever sein“ bekommen sie weibliche Verstärkung.
Fans von Detektivgeschichten werden sich über Kirsten Boies neuen Krimi freuen. Zehn Jahre, nachdem die Kinderbuchautorin mit ihrem Friedhofskrimi „Der Junge, der Gedanken lesen konnte“ ein neues Genre erfand, legt sie nun eine Fortsetzung vor. Damals machte sie ihre junge Leserschaft über eine spannende Story rund um eine Serie von Juwelenrauben einfühlsam mit dem Thema Tod und Trauer vertraut. „Gangster müssen clever sein“ heißt das neue Buch, wieder sind Valentin und sein Freund Mesut in die Aufklärung eines Verbrechens verwickelt. Um den Einbruch in eine Milliardärsvilla geht es, aber auch um eine schwierige Problematik, die bei Kirsten Boie gewohnt leicht rüberkommt. Ungleichheit ist dieses Mal das Thema, die Spaltung unserer Gesellschaft in immer mehr Ärmere und immer vermögendere Reiche klingt an. „Ein Krimi mit echter Milliardärstochter“ macht bereits der Untertitel neugierig.
Weil inzwischen auch junge Detektivteams divers besetzt sein wollen, bringt Kirsten Boie neben Valentin eine weibliche Erzählerin ins Spiel – sie ist ebenfalls eine alte Bekannte, und zwar aus Boies Buch „Entführung mit Jagdleopard“: Jamie-Lee heißt sie, mit einem fast erwachsenen Problem-Bruder und einer Ex-Trinkerin als Mutter hat sie neue Themen im Gepäck. Auch ihre Freundin Fee kennen Boie-Fans bereits; die Tochter aus reichem Haus war vor der boshaften Stiefmutter ausgebüxt und bei Jamie-Lee untergetaucht.
Kirsten Boie führt die unabhängig voneinander entstandenen Bücher und ihre Helden nun zusammen: Valentin, Mesut und Jamie-Lee leben im selben sozialen Umfeld mit hohen Häusern, kleinen Wohnungen, kaputten Aufzügen. Im Kontrast dazu steht die Villa von Fees Eltern; ein Einbruch muss aufgeklärt werden. „Lass uns loslegen! Da braucht die Polizei doch garantiert wieder Hilfe!“, will Mesut sein und Valentins Ermittlergeschick aufs Neue testen.
War der einstige Schlagerstar Baron Rockety Smith tatsächlich der Täter? Wie konnten Mauer und Alarmanlage der Milliardärsvilla überwunden werden? Warum stand die Terrassentür offen? Valentin, Mesut, Jamie-Lee und Fee tun sich zur Detektivbande zusammen, beziehen im Schrebergarten einer ahnungslosen Rentnerin ihr Büro, um die Unschuld des ziemlich eingebildeten, aber auch ziemlich schusseligen Schlagerstars zu beweisen.
Weil Kirsten Boie mit jedem Kapitel die Perspektive zwischen Valentin und Jamie-Lee wechselt, gibt es zwar ein paar Längen, doch die Geschichte nimmt immer mehr an Fahrt auf. Gegen Ende ist die Spannung kaum noch auszuhalten, als die jungen Detektive in die Hände der wahren Täter geraten und ihr Leben plötzlich in Gefahr ist. Die Cleverness, mit der das Team in die Fußstapfen von Sherlock Holmes tritt, Indiz um Indiz prüft und damit offener ermittelt als die festgelegte Polizei, ist beste Werbung für einen unvoreingenommenen Blick auf andere.
Wichtig war Kirsten Boie, Kinder mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen. „Wir sehen ja seit Jahrzehnten, wie die soziale Schere bei uns immer weiter auseinandergeht, statt sich zu schließen. Das hat ganz sicher auch damit zu tun, dass wir alle in unseren Blasen leben“, sagt die Autorin und blickt auch in diesem Krimi in den Alltag weniger privilegierter Familien. Besonders glücklich darf sich schätzen, wer noch keines der drei Bücher kennt: Der kann nun vom Friedhofskrimi über die Entführungsstory bis zum jüngsten Buch drei spannende Abenteuer entdecken.
Kirsten Boie. Gangster müssen clever sein. Oetinger-Verlag, 352 Seiten, 15 Euro. Ab 10 Jahren