Neues Konzept beim Werkstatt-Café „Alle lieben Fahrrad“ Fahrrad-Afterwork, Werkstatt und Shop

Fabian Armbruster und Simon Zirn: Die zwei der drei Alf-Boys laden ein, das neue Konzept des Fahrradcafés zu entdecken. Foto: Julia Mähl

Seit Kurzem ist er fertig, der Umbau im Fahrrad-Café Alf am Stöckach. Was der für Neuerungen mit sich bringt, wie sich das Konzept verändert hat und warum das Alf nun richtig an Fahrt aufnimmt, lest ihr hier.

Vor ziemlich genau zwei Jahren berichteten wir hier bei Stadtkind zum ersten Mal über das Alf – kurz für „Alle lieben Fahrrad“. Damals bestand das Fahrradcafé aus einer kleinen Werkstatt, dem Café- und Außenbereich. Was sich seitdem getan hat? Eine ganze Menge. Denn schon seit einiger Zeit ist für die drei Gründer klar: Wir wollen wachsen! „Wir hatten unseren hinteren Bereich an eine Schlosserei untervermietet. Das hat etwa ein Drittel unserer Fläche ausgemacht“, erzählt einer der drei Geschäftspartner, Fabian Armbruster. Als sich immer weiter herauskristallisierte, dass die Fläche zu eng für beide war, einigten sie sich darauf, den Schlosser bei der Suche nach etwas Neuem zu unterstützen, um sich selbst auf eigener Fläche zu vergrößern. Also zog die Schlosserei schließlich nach Bad Cannstatt und die drei Jungs vom Alf hatte endlich, was sie sich schon lange wünschten: Platz!

 

Räder shoppen – auf entspannt!

„Unsere Werkstatt-Kapazitäten haben sich jetzt von zwei Arbeitsplätzen auf fünf erweitert“, erzählt Fabian stolz. Statt wie zuvor im vorderen Bereich, arbeitet man jetzt im hinteren Raum, der einst zur Schlosserei gehörte, an den Rädern. „Außerdem konnten wir noch ein Büro integrieren, das jetzt als Arbeitsplatz und Raum für Verkaufsgespräche oder Leasing-Beratung dient.“

Auch wenn es als reine Werkstatt begann, wollen Fabian und seine Freunde den Fahrradverkauf weiter vorantreiben. Sein Geschäftspartner Simon Zirn erklärt: „Wir waren am Anfang sehr auf Customized-Bikes ausgelegt – wenn jemand etwas Spezielles wollte, haben wir das Fahrrad zusammengestellt und aufgebaut. Doch jetzt haben wir auch eine Handvoll Fahrräder da, die wir auch aktiv im Verkaufsgespräch anbieten können.“ Hierfür kann man sich einfach einen Slot auf der Webseite buchen, kommt je nach Bedarf für eine halbe Stunde bis Stunde vorbei und trinkt in entspannter Atomsphäre gemeinsam einen Kaffee. Bloß keinen Stress also. Der Fokus, so Simon, liegt im Alf auf Rennrädern, Gravelbikes und leichten E-Bikes. Und gerade die sind es, die vielen Menschen, im Hinblick auf die kessel-förmige und damit eher rad-unfreundliche Lage Stuttgarts, einen Zugang zum Radfahren ermöglichen.

„Wir wollen die Nischen besetzen“

Dass sich jeder ein E-Bike für durchschnittlich 3.000 Euro leisten kann, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Ein Grund für die Alf-Boys, sich nun mit einem weiteren Thema zu beschäftigen: Leasing. „Viele Arbeitgeber fühlen sich immer mehr verantwortlich, Mobilität zu schaffen“, sagt Simon, der auch ursprünglich aus dem E-Commerce- und Leasing-Bereich kommt. „Wir sind Ansprechpartner für Firmen, die zum Beispiel noch keinen Leasing-Anbieter haben. Wir beraten und gehen mit ihnen durch den Prozess, von der Auswahl über die Implementierung bis hin zum laufenden Service der Räder.“

So, jetzt haben wir viel über Verkauf, Leasing und Co. gesprochen – aber ursprünglich war das Alf doch mal vor allem eins: eine Werkstatt. „Ja, und das soll auch so bleiben“, sagt Fabian bestimmt. „Der Verkauf ist wichtig für die Sichtbarkeit und die Kundenbindung. Aber wir wollen unser Geschäft grundsätzlich anders aufziehen als der klassische, inhabergeführt Rad-Laden, den es schon seit Jahrzehnten gibt.“ In der Rad-Branche müsse man im Herbst bestellen, was man im Frühjahr dahaben wolle. Und wenn dann Kundinnen und Kunden vorbeikämen, müsse man verkaufen, was man eben da hat – ob das genau zu ihnen passt oder nicht, stehe auf einem anderen Blatt, so Fabian. „Das ist nicht unser Ansatz. Wir wollen die Nischen besetzen, zum Beispiel mit den Roadbikes, den leichten E-Bikes, den Falträdern.“ Sein Kollege Simon ergänzt: „Wir sind nicht auf die großen Stückzahlen aus. Das machen andere. Wir wollen Mobilität geschickt vorantreiben, fußend auf einem Geschäftsmodell, das von der Werkstatt kommt, sich damit trägt und unseren Laden nicht abhängig vom Verkauf macht.“ Verstanden! Übrigens: Wer sich einen Termin in der Werkstatt buchen möchte, kann das nun auch über das Online-Buchungstool auf der Webseite machen.

Willkommen zum Afterwork

Auch im Gastronomie-Bereich hat sich beim Alf einiges getan. Seit Kurzem besitzen die Jungs nämlich eine offizielle Ausschankgenehmigung, dürfen dadurch zum einen Alkohol ausschenken und zum anderen mehr verkaufen als nur Kuchen und Brezeln. Tatsächlich können sich Fabian, Simon und ihr dritter Partner, Michael Kehle, nun endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllen: „Wir werden hier ab jetzt ein Afterwork anbieten. Dort ist jeder ab 14:30 Uhr willkommen, um den Abend bei Drinks, Snacks und Musik ausklingen zu lassen. Und samstags ist dann das Café ab 10 Uhr geöffnet und empfängt Radfahrer:innen und Frühschwärmer bis 14 Uhr.“ Endlich kann der oder die Radler:in also auch das Radler trinken und für alle, die nach einer anstrengenden Tour hier ankommen, gibt’s – vermutlich – Pizza oder Pinsa. Ganz sicher ist man sich über das gastronomische Angebot noch nicht aber: „Es ist Sicherheit etwas, das aus dem Ofen kommt. Mit guten Zutaten und Kohlenhydraten, damit jemand, der hier seine Radtour beendet, seine Proteine und Nährwerte bekommt“, erklärt Fabian.

Feiern im Alf

Sollte der Café-Betrieb weiter anlaufen, werden auch die Öffnungszeiten erweitert, so lautet die Versprechung. Aktuell öffnet das Alf für alle, die im schönen Hinterhof oder dem Innenraum sitzen wollen, nur freitags und samstags.

Dass das Café am Samstag dann schon um 14 Uhr schließt, hat aber einen guten Grund: Denn hier können, in relaxter Atmosphäre, Hochzeiten, Geburtstage und Co. gefeiert werden. „Das machen wir seit dem ersten Tag, dass wir am Samstag bis in die Nacht hinein die Fläche zur Verfügung stellen und man hier feiern kann mit bis zu 80 Leuten. Dann räumen wir auch den ganzen vorderen Bereich frei und alle Räder kommen nach hinten in die Werkstatt. Wir bestuhlen das dann so wie der Feiernde das haben möchte“, so Fabian. Dazu finden auch immer wieder spezielle, offene Events statt: Töpfer-Kurse, Workshops, Vorträge und alle zwei Wochen ein Freelancer-Stammtisch. Und als wäre das nicht genug, träumen die Gründer noch von einem festen Treffpunkt für Fahrradausfahrten. Ganz ehrlich: Unwahrscheinlich ist es nicht!

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