Die Kultlocation 1. Stock hat Tradition in Stuttgart. Vor allem unter Student:innen ist der Spot eine der alternativen Anlaufstellen im Stuttgarter Nachtleben. In den vergangenen vier Jahren hat sich hier einiges getan: Seit Dezember erstrahlt die einst abgerockte Kneipe in WG-Zimmer-Größe in neuem Licht. Weiße Wände, weißer Epoxidharzboden, Stühle, Tische und Barhocker.
Der Ort wird seit Februar 2019 von Saeed Kakavand und Anna Ross geleitet. Für beide ein absolutes Herzensprojekt, das sie neben ihren Hauptjobs in einer Agentur betreiben.
Der Hauptfokus lag zu Beginn vor allem auf Musik-Veranstaltungen. Im ersten Jahr wurde viel ausprobiert, getestet, angepasst und weiterentwickelt. Saeed erinnert sich zurück: "Es hat sich angefühlt wie eine offene Baustelle. Das war auch das Spannende daran." 2020 brachte dann die Coronapandemie das Stuttgarter Nachtleben zum Erliegen und zwang Bars wie den 1. Stock in die Zwangspause.
Nachdem Newcomer Edwin Rosen im Herbst 2021 ein exklusives Konzert spielte, meldete sich die Location am 7. Mai 2022 offiziell mit der Hip-Hop-Veranstaltung Bakkadit zurück. "Irgendwie hat sich das wie ein Neuanfang angefühlt. So nach zwei Jahren war einfach alles anders. Wie ein Restart", so Saeed. Es folgten weitere Konzerte und Abende mit DJs. Die Stuttgarter:innen tanzten, wie sie es hier schon immer gewohnt waren - bis es plötzlich Probleme mit der Konzession gab.
"Es fehlt in Stuttgart an alternativen Räumen"
"Wir mussten uns überlegen, wie der Betrieb weitergeführt werden kann, sodass es sich auch mit unseren Kapazitäten vereinbaren lässt", erzählt Anna. Sie ergänzt: "Für uns war klar, dass wir auf jeden Fall verhindern wollen, dass der 1. Stock in der Stadt wegfällt." Immerhin fehle es Stuttgart an alternativen Räumen. Saeed nickt zustimmend: "Ja, wie will man junge Menschen dann noch davon überzeugen, nicht nach Berlin zu ziehen, wenn hier alles schließt?" Im Zuge dessen haben nicht nur die Räumlichkeiten ein Makeover bekommen, auch die Getränkekarte wurde überarbeitet, mit bezahlbaren Drinks, "die zum Verweilen einladen" - alle auf Sektbasis.
Ein Raum für junge Subkultur aus allen Sparten
Neben dem Barbetrieb will man sich nun vor allem auf die verschiedenen Subkulturen im Kessel und die Menschen dahinter konzentrieren. Die Vision: Jungen Menschen, die auf irgendeine Art und Weise kreatives Talent haben, eine Plattform bieten - und das mit möglichst niedrigen Zugangsbarrieren und Risiken. Ein Ort, an dem junge Künstler:innen das Gefühl haben, reinzupassen. Geplant sind verschiedene neue Formate und Veranstaltungsreihen: ein regelmäßiger Pop-up-Flohmarkt, Ausstellungen in der berühmten 1. Stock-Dusche, Workshops und Co. Denn der 1. Stock habe sich schon immer am besten angefühlt, wenn er mit Leben gefüllt war, so Saeed.
1. Stock, Steinstr. 13, Stuttgart-Mitte, Do ab 19, Fr+Sa ab 20 Uhr