Auch Jahrzehnte nach der Einheit sind noch immer Unterschiede zwischen Ost und West spürbar. Nun zeigt eine Erhebung, dass auch in den Chefetagen der Bundesbehörden weniger Ostdeutsche sitzen. Ändert sich daran etwas?

Ostdeutsche haben auch in Bundesbehörden und in Bundesgerichten nur selten in den Chefetagen das Sagen. Obwohl rund 20 Prozent der Bevölkerung gebürtige Ostdeutsche sind, liegt ihr Anteil in Führungspositionen der oberen und obersten Bundesbehörden nur bei 13,9 Prozent. Nimmt man als Geburtsorte nur die fünf ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin, sind es sogar nur 7,4 Prozent. Dies geht aus einer Erhebung des Ostbeauftragten Carsten Schneider hervor, über die das Bundeskabinett am Mittwoch berät.

„Mehr als 32 Jahre nach der Einheit sind Ostdeutsche in den Führungspositionen unseres Landes deutlich unterrepräsentiert - eine nach wie vor ungelöste Aufgabe“, sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Bundesregierung macht das zum Thema.“ Nicht nur in der Politik und Verwaltung, sondern auch in der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Justiz und Medien müssten mehr Ostdeutsche in Führungspositionen kommen. „Das ist entscheidend für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilität unserer Demokratie“, meinte Schneider.

Bürger zweiter Klasse?

In seinem Bericht heißt es, viele Ostdeutsche fühlten sich als Bürger zweiter Klasse, weil sie in den Eliten zu wenig vertreten seien. Um das zu ändern, will Schneider nicht auf eine Quote zurückgreifen. Vielmehr soll einem Konzept zufolge an vielen kleineren Stellschrauben gedreht werden. So sollen zunächst die Daten zu den Geburtsorten systematischer erfasst werden. Bundesbehörden sollen mit Selbstverpflichtungen arbeiten. Auswahlgremien sollen vielfältiger besetzt, Führungskräfte gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet und Netzwerke gefördert werden.