Neues Kraftwerk Die Kohlehalden in Gaisburg sind bald passé

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Die EnBW baut ein neues Kraftwerk auf dem Gelände am Neckar und reißt anschließend das alte ab. Künftig soll dort nur noch Gas als Energieträger zum Einsatz kommen. Das bedeutet weniger Emissionen – und Chancen für den Städtebau.

Der größere Turm des Kraftwerks ist 160 Meter hoch. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der größere Turm des Kraftwerks ist 160 Meter hoch. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Noch gibt sich die Energie Baden-Württemberg (EnBW) etwas zugeknöpft, denn sie möchte ihre Planungen für das Kraftwerk Gaisburg zunächst am 19. Mai den Bürgern vorstellen – schon diese Herangehensweise zeigt, dass der Energiekonzern sich eine neue Philosophie auferlegt hat. Die grundlegenden Fakten aber sind bereits bekannt: In den nächsten Jahren will die EnBW ein neues Gas-Heizkraftwerk auf ihrem Gelände in Gaisburg bauen und dann das bisherige, das aus einem Steinkohleblock und einer Gasturbinenanlage besteht, stilllegen.

Konkret haben die Pläne also zur Folge, dass wegen des Wechsels von Kohle zu Gas künftig weniger Kohlendioxid in Gaisburg ausgestoßen wird. Und dass die Kohleberge, die jeder Autofahrer kennt, der regelmäßig auf der Bundesstraße 10 Richtung Esslingen unterwegs ist, irgendwann verschwinden werden. Je nach Kälte im Winter verbrennt das Kraftwerk bis zu 60 000 Tonnen Kohle im Jahr.

Stadt am Fluss: Stuttgart hat ein Auge auf das Areal

Dieses offene Gelände, das als Lagerplatz für die Kohle dient, ist mehrere Hundert Quadratmeter groß; es würde komplett frei werden. Das gesamte Kraftwerksgelände hat eine Länge von einem Kilometer. Daneben bräuchte auch das neue Bauwerk weniger Platz, obwohl die EnBW plant, eine gasbefeuerte Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung hinzuzubauen. Die EnBW spricht so von „mittelfristig interessanten Chancen für die angrenzenden Stadtteile und die Stadt als Ganzes“.

Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) muss die Pläne erst noch studieren – aber er betont: „Wir möchten die Chance für den Stadtteil nutzen.“ An das Kraftwerksgelände schließt sich das Gewerbegebiet um den ehemaligen Schlachthof an. Daneben hatte die Stadt den Ort aber immer im Visier, wenn sie über Projekte zur Aufwertung des Neckars nachdachte. Schon vor Jahren sind Skizzen angefertigt worden, die zeigen, wie dort rund um einen denkmalgeschützten Industriekran ein Fußweg, Sitzstufen und ein Bootsanleger geschaffen werden, vielleicht auch schwimmende Holzdecks im Neckar. Hahn kann sich vorstellen, die Ideen wiederzubeleben. Allerdings: der Lärm der nahen Bundesstraße bliebe natürlich bestehen.

Kraftwerk läuft meist nur im Winterhalbjahr

Wie groß die ökologische Bedeutung der Modernisierung des Kraftwerks wäre, kann EnBW-Sprecher Hans-Jörg Gros-curth noch nicht sagen, da die endgültigen Kapazitäten noch nicht feststünden. Im Grundsatz stößt ein Kohleblock etwa doppelt so viel Kohlendioxid aus wie ein Gaskraftwerk. Das 1950 gebaute Gaisburger Kraftwerk ist jedoch nicht das ganze Jahr über im Betrieb. Da es zusammen mit den Kraftwerken in Münster und Altbach vor allem Fernwärme produziert, ist der Winter die Hochzeit; im Sommer steht es still.

Übrigens bleiben, wenn Gaisburg neu gebaut sein wird, dennoch vier Kohleblöcke in der Region Stuttgart übrig – in den Kraftwerken in Altbach (Kreis Esslingen) und Walheim (Kreis Ludwigsburg).

Bürger werden am 19. Mai im Kraftwerk informiert

Ganz en passant ist die Modernisierung des Kraftwerks Gaisburg auch ein politisches Signal. Wer künftig die Konzessionen für die Fernwärme in Stuttgart erhält, ist ja nach wie vor ein ungelöster Streit zwischen der Stadt Stuttgart und der EnBW. Mit dem Neubau des Kraftwerks demonstriert die EnBW klar, dass sie dieses Geschäftsfeld auch langfristig nicht aufgeben will.

Am Dienstag, 19. Mai, um 18 Uhr können interessierte Bürger nun das Kraftwerk besichtigen und die Pläne der EnBW kennenlernen – die Veranstaltung findet direkt im Kraftwerk, Langwiesenweg 23, statt. Die EnBW sehe viele Vorteile, erklärte der Projektleiter Hans Bubeck: „Aber wir wollen, bevor es an die Details geht, auch bewusst zuhören, Fragen beantworten und Aspekte mitnehmen, an die wir vielleicht noch nicht gedacht haben.“