Neues Lehrjahr in Baden-Württemberg Wenige Flüchtlinge beginnen eine Ausbildung

Von Anne Guhlich 

Der ehemalige Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hat im November angekündigt, dass mehr als 1000 Flüchtlinge bis zu diesem Herbst fit für eine Ausbildung gemacht werden sollen. Tatsächlich beginnen am heutigen Donnerstag wesentlich weniger Neuankömmlinge eine Lehre.

Nur wenige Flüchtlinge gehen in die Lehre: Die Gewerkschaften fordern von den Unternehmen Zusagen über zusätzliche Ausbildungsangebote zu machen. Foto: dpa
Nur wenige Flüchtlinge gehen in die Lehre: Die Gewerkschaften fordern von den Unternehmen Zusagen über zusätzliche Ausbildungsangebote zu machen. Foto: dpa

Stuttgart - An diesem Donnerstag startet das neue Ausbildungsjahr. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, wie viele Flüchtlinge in den Ausbildungsmarkt integriert werden können. Schließlich hat der damalige Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) im November vergangenen Jahres angekündigt, dass in diesem Lehrjahr rund 1000 Neuankömmlinge eine Ausbildung in baden-württembergischen Betrieben beginnen sollen. Die Zahl der Flüchtlinge, die tatsächlich eine Lehre beginnen, ist allerdings wesentlich geringer. „Nach aktuellem Stand unserer Statistik beginnen rund 270 junge Flüchtlinge eine Ausbildung ab Herbst 2016“, sagte ein Sprecher der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, unserer Zeitung.

Der Hauptgrund, warum sie nicht mehr Flüchtlinge einstellen, ist laut den Unternehmen, dass die Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Nach Ansicht der Regionaldirektion sind allerdings 800 junge Flüchtlinge ausbildungsgeeignet und ausbildungswillig – nicht nur 270.

„Es ist nicht erkennbar, wie die Wirtschaft die gesellschaftspolitisch gebotene Integration von jungen Geflüchteten in Ausbildung leisten will“, kritisierte Gabriele Frenzer-Wolf, die stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Sie dringt darauf, dass die Arbeitgeber verbindliche Zusagen über zusätzliche Ausbildungsangebote machen. „Scheitern die Integrationsbemühungen, ist die Gefahr groß, dass die Menschen in die Schwarzarbeit abtauchen oder Billigjobs annehmen“, so Frenzer-Wolf. So entstehe sozialer Sprengstoff.

Die 270 Flüchtlinge mit Lehrvertrag kommen ursprünglich aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia. Aus der Statistik geht allerdings nicht hervor, bei wem es sich um einen geflüchteten Menschen handelt, der nach der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr nach Deutschland kam und wer schon länger im Land ist.

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