Erwins – Bread, Butter & Bar – das neue, schlicht gehaltene Schild hängt über einer Glastür mit weiß gestrichenem Holzrahmen. Der Eingang ragt ein Stück aus der Wand hervor, wenige Meter daneben steht der Traumpalast. Langjährige Filmfans werden den Schorndorfer Glasbau erkennen: Es ist der ehemalige Eingang des Kinos.
Acht Traumpalast-Kinos – und jetzt „Das Erwins“
Inzwischen führt die Tür in ein modernes Lokal. Der Raum folgt einem Farbkonzept. Die neue Theke, an der Besucher früher Kinotickets kaufen konnten, passt zu den lachsfarben gestrichenen Wänden, zu den Samtstühlen, zur beleuchteten Bar. Die Lampen haben den gleichen Farbton wie die Pfeffermühlen, deren Farbe sich wiederum in der Aufschrift eines der Bilder findet, das an der Wand hängt: „How lucky are we“, steht darauf, was auf Deutsch übersetzt so viel wie „Wie viel Glück haben wir“ bedeutet.
„Wir wollten eine coole Location, bei der alle willkommen sind: Jung, Alt, Paare, Gruppen“, sagt der Besitzer Marius Lochmann. „Wir möchten, dass die Menschen eine schöne Zeit genießen können.“ Speisen als gemeinsames Erlebnis also. Dass Marius Lochmann eigentlich in der Filmbranche tätig ist, macht sich auch im neuen Lokal bemerkbar. Der 31-Jährige betreibt zusammen mit seinem Vater Heinz Lochmann die Traumpalast-Kinos an acht Standorten.
Bowlingcenter bringt den Kinobetreiber auf den Gastro-Geschmack
Marius Lochmann ist für den Leonberger Traumpalast hauptverantwortlich, der für seine überdimensionierte Leinwand bekannt ist. An das Kino ist ein Bowlingcenter angegliedert, das dem Rudersberger sozusagen den Eintritt in die Gastronomie verschafft hat, wie Lochmann sagt. Er lacht: „Jetzt sind wir ein bisschen auf den Geschmack gekommen.“ In gewisser Weise führt Lochmann damit das Erbe seines Großvaters weiter, nach dem der 31-Jährige das Lokal benannt hat. Erwin Lochmann besaß eine Bäckerei in Rudersberg, die es auch heute noch gibt – allerdings mit neuem Besitzer. Das Bäckereischild aus der Anfangszeit des Ladens, es muss aus den 1950ern oder 60ern sein, hängt heute im Erwins an der Wand. Aber auch die Ehefrau des Besitzers, Lea Lochmann, hat Erfahrung im Gastrobereich, sie kellnerte etwa in der Outletcity in Metzingen. Die 30-Jährige betreibt das Erwins hauptverantwortlich.
Brot, Butter und Bar – ein ungewöhnliches Gastro-Konzept
Die Speisekarte des Lokals lässt sich mit dem Slogan des Lokals zusammenfassen: „Bread, Butter and Bar“. Ja, man kann sich tatsächlich ein klassisches Butterbrot – ab 4,80 Euro – bestellen, dazu etwas aus der Bar, zum Beispiel den hauseigenen Wein. Den „Ervins“ gibt es ab dem Preis von 5,60 Euro in unterschiedlichen Varianten. Die Dips dazu haben die Lochmanns mit dem Stuttgarter Influencer und Kochbuchautor Ben Kauer kreiert. Geschmacksrichtungen: getrocknete Tomate-Feta, Dattel-Curry oder Walnuss-Paprika-Tomate.
Wer lieber nach italienischem Vorbild speisen möchte, für den stehen Pinse ab 9 Euro und Antipasti ab 14,80 Euro zur Wahl. Die Getränkekarte gleicht der einer klassischen Bar: vom Wein über Cocktails, Bier, Spritz bis hin zu Longdrinks – alles dabei.
Antipasti – klassische Gastro am Standort nicht möglich
Ein klassischer Gastronomiebetrieb ist das Erwins allerdings nicht. Das sagt auch Marius Lochmann. Das sei an dem Standort nicht möglich gewesen, daher hätten er und seine Frau sich für die Antipasti-Richtung entschieden. „So kann man sich einzelne Sachen rauspicken“, sagt der Rudersberger. „Das habe ich mir persönlich immer gewünscht, einfach einen guten Schinken oder einen Parmesan bestellen zu können.“
Das Ehepaar Lochmann bietet in seinem Laden mehr an. Freitags bis sonntags ist das Lokal auch zum Frühstücken geöffnet. Hier sind Stullen im Angebot, Bowls und Waffeln.
Und was mag der 31-Jährige selbst am liebsten? Kurz muss er überlegen. „Besonders geil finde ich das Pastrami-Sandwich“, sagt er dann und zählt noch mehr auf: die Stullen oder einfach einen Schinken-Käse-Toast. Insgesamt fasst er das Menü so zusammen: „Wir wollen Sachen anbieten, die wir selber feiern.“