Der Küchenchef darf angepöbelt werden
Die Bedienungen werden die Mahlzeiten in Gewändern auftischen. Beim Geschirr soll kein Teil dem anderen gleichen, weil es anno dazumal auch keine Massenware gab. „Da ist kein perfekter runder Teller dabei, die werden wir selbst töpfern“, sagt Dennis Hofmann, der die Taverne mit seiner Frau Lisa führen wird. Bunt zusammengestückelt und gerade deshalb ausgesprochen charmant ist auch das Inventar. Stühle und Tische hat das Ehepaar auf Flohmärkten und Kleinanzeigen entdeckt oder über Antiquitätenhändler bezogen. Teilweise handelt es sich dabei sogar um Requisiten, die bei dem Filmklassiker „Der Name der Rose“ verwendet worden waren.
Zum Konzept gehört außerdem, dass alles, was in der Wirtsstube passiert, im Nu zu einem Schauspiel werden kann. Augenzwinkernd dürfen die Gäste zum Beispiel Küchenchef Dennis Hofmann anpöbeln. „Es kann auch sein, dass wir uns, wenn jemand etwas verkleckert hat und ein Becher auf dem Boden gelandet ist, einen Holzeimer schnappen und anfangen, fluchend aufzuwischen“, erklärt der Koch. „Wir wollen auch jeden dazu animieren mitzumachen“, sagt der 42-Jährige aus Remseck-Pattonville. Die Gäste können selbst kostümiert im Sorglosen Kobold aufkreuzen, müssen das aber nicht. Es bestehe zudem kein Zwang, sich an dem inszenierten Treiben zu beteiligen, betonen die Hofmanns.
„Wir sind auch nicht authentisch“, streicht Lisa Hofmann hervor und nimmt damit etwaigen Kritikern schon den Wind aus den Segeln. Es gehe nicht darum, wissenschaftlich korrekt das Mittelalter nachzubilden, sondern lediglich eine daran angelehnte Welt. Hofmann verweist etwa auf das Zauberdorf Hogsmeade aus der Harry-Potter-Reihe oder das Setting der Netflix-Fantasy-Serie „The Witcher“, wo das ähnlich gehandhabt werde. „Wir wollen nur eine schöne Verpackung bieten, werden aber zum Beispiel Sicherheitsschuhe tragen und auch nicht mit Kohle heizen“, erklärt die 41-jährige ITlerin, die sich aktuell zur Betriebswirtin weiterbildet. Wenn es pressiert, müssten die Gäste auch nicht zu einem Plumpsklo im Freien spazieren, sondern könnten Toiletten mit Spülungen nutzen, sagt sie schmunzelnd.
Manche Besucher werden aber vermutlich ganz in Gedanken versunken sein und solche menschlichen Bedürfnisse unterdrücken. Denn die Hofmanns und ihr Gesellschafter Florian Graf möchten, dass Rollenspielfans in dem Restaurant voll in ihrem Hobby aufgehen können. Zwei Tische werden dafür reserviert sein, den ganzen Abend lang bei Genreklassikern wie „Dungeons & Dragons“, „Das Schwarze Auge“ und Co. Monster niederzuringen und Missionen zu erfüllen. Dazu passe das Ambiente perfekt, erklärt Florian Graf. „Eine Taverne ist immer der Startpunkt für die Abenteuer. Das ist ikonisch“, sagt der 24-jährige Informatiker aus Ludwigsburg. Man kann freilich auch Brettspiele aus anderen Gattungen auspacken oder einen Skat klopfen.
Bezahlt wird mit einer eigenen Währung
Das gilt im Übrigen für alle Plätze. Bei den beiden Sondertischen ist es aber zusätzlich so, dass sie gegen einen Mindestverzehr bis zum Zapfenstreich geblockt werden können. Für dieses Privileg muss jeder Gast 25 Euro oder genauer: 25 Kobold-Taler investieren. Denn bezahlt wird in dem Restaurant in einer standesgemäßen Währung, die man wie Spielchips im Kasino am Eingang gegen echtes Geld erwerben kann.
Der Mittelalter-Bezug schlägt sich schließlich auch beim Essen und den Getränken nieder. „Wir wollen alles regional beziehen nach Möglichkeit, am besten sogar lokal, und auch saisonal und nachhaltig. Das hat man zur damaligen Zeit auch gemacht. Da gab es keine Abfälle. Es wurde alles verwertet“, erläutert Lisa Hofmann. Neben Klassikern wie Schnitzel und Rostbraten, Snacks sowie Eintöpfen wird man sich im Sorglosen Kobold auch auf experimentelle, kulinarische Gefilde einlassen können. „Wir machen uns Gedanken, was es damals gegeben haben könnte, haben aber auch mittelalterliche und Wikingerkochbücher, in denen wir herumstöbern werden“, sagt Dennis Hofmann. Ferner werde man Speisen zubereiten, die auf Rezepten aus den Rollenspieluniversen basieren.
Die Getränke stammen ebenfalls aus der Region. Eine Besonderheit ist dabei die Kooperation mit einem Honigwein-Hersteller. „Der wird uns mit mehreren Sorten beliefern. Wir werden voraussichtlich die einzige Gastronomie in Ludwigsburg sein, die Met anbietet“, sagt Dennis Hofmann.
Gastro mit Spezialevents
Geöffnet
Der Sorglose Kobold soll im September eröffnen. Das Restaurant befindet sich in einem Gewölbekeller in der Heilbronner Straße 40, in dem zuletzt ein Live-Musik-Club angesiedelt war. Ziel der Betreiber ist, Donnerstag bis Montag jeweils abends zu öffnen. Dienstag wird Ruhetag sei. Mittwochs kann man Getränke bestellen, aber die Küche bleibt kalt.
Konzept
In dem Restaurant wird es an jedem regulären Öffnungstag mittelalterlich zugehen. Darüber hinaus sind aber auch Spezial-Events zum Beispiel zu Harry Potter, Piraterie oder Wikingern mit entsprechendem Speiseangebot geplant. Die Idee zu dem Konzept hatte Lisa Hofmann, die wie ihr Mann Dennis und Geschäftspartner Florian Graf riesiger Rollenspiel-Fan ist.