„Surry Bulga“ aus Weissach im Tal Das Modelabel aus der KfZ-Werkstatt

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Die 31-jährige Denise Krack will mit ihrem Mode-Label Surry Bulga voll durchstarten. Ihr Büro hat die Jungunternehmerin in der Kfz-Werkstatt des Bruders in Weissach im Tal eingerichtet. Sie sagt augenzwinkernd: „Auch Steve Jobs hat in einer Garage angefangen.“

Denise Kracks  Taschen lassen sich  im Nu in ein Handtuch verwandeln. Foto: Gottfried Stoppel
Denise Kracks Taschen lassen sich im Nu in ein Handtuch verwandeln. Foto: Gottfried Stoppel

Weissach im Tal - Denise Krack ist jetzt für den German Design Award nominiert worden. Ein unerwarteter Erfolg für die Newcomerin. Die winzige Trophäe, die es dafür gibt, steht in ihrem kleinen Büro, einem Nebenraum der Kfz-Werkstatt, die ihr Bruder Kim in der Stuttgarter Straße in Weissach im Tal betreibt. Steve Jobs habe schließlich auch in einer Garage angefangen, sagt die 31-jährige Unternehmerin und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Und der verstorbene Gründer der Kultmarke Apple sei ihr großes Vorbilder. Okay, Jobs hat sich mit Computern und mit Technik beschäftigt. Denise Krack hingegen entwirft coole Taschen und lässt diese in der Türkei und in Stuttgart produzieren. Ihr Modelabel heißt Surry Bulga. Dieser Name ist eine Reminiszenz an jenen Ort, an dem alles angefangen hat.

Die Tasche wird in Nu zum großen Strandhandtuch

Surry Hills, so heißt ein bei Künstlern und jungen Leuten angesagter Stadtteil der australischen Millionenstadt Sydney. Hills (auf deutsch Hügel) bedeute in der Sprache der australischen Ureinwohner, der Aborigines, Bulga, erklärt die Existenzgründerin, die in Backnang geboren ist und in Aspach wohnt. Also Surry Bulga. Denise Krack hat in Sydney Kommunikationsdesign studiert. „Ich war damals oft am Strand, mal hab’ ich die Tasche vergessen, mal das Handtuch.“ Deshalb kam ihr die Idee für ihre Spezialtasche, die sich im Nu in ein großes Strandhandtuch und dann wieder zurück in die Tasche verwandeln lässt. Die Designerin hat für ihren Entwurf in Deutschland ein Patent angemeldet. Derzeit gibt es die Tasche in vier Ausführungen: aus Frotee, aus Baumwolle, aus Jeansstoff und aus Leder. Die Preiswerteste kostet knapp 40 Euro, die Teuerste 230 Euro. Die Ledervariante wird in Deutschland gefertigt, in Handarbeit und aus Resten der Automobil- sowie der Möbelhersteller, sagt Krack. „Alle Ledertaschen sind Unikate.“

Kürzlich habe sich der Stuttgarter Fußballbundesligist „die stylische Tasche mit VfB-Brustring für seinen Fanshop gesichert“. Die Jungunternehmerin sagt, sie sei bereits an anderen Vereinen dran. Bis dato werden die meisten ihrer Taschen allerdings im eigenen Onlineshop verkauft, außerdem in ein paar Sportgeschäften. Das Unternehmen entwickele sich sehr gut, bisher seien knapp 1000 dieser Hipstertaschen an den Mann beziehungsweise vermutlich eher an die Frau gebracht. Die Designerin aus dem Weissacher Tal will demnächst weitere Produkte vorstellen, welche genau, das sei ihr großes Betriebsgeheimnis. Sorry, kein Kommentar dazu.

„Ich war schon immer offen für neue Dinge“

Denise Krack sagt, sie habe schon immer ein Faible für die schönen Dinge gehabt und sich für Kunst interessiert. Bereits als Jugendliche habe sie Museen besucht, ungezählte Zeitschriften gelesen und viel fotografiert. Nach der Schule habe sie dann aber doch erst mal ein Praktikum bei einer Bank gemacht und ziemlich schnell festgestellt: „Das ist es nicht. Ich bin eher kreativ unterwegs.“ Sie hat Werbekauffrau gelernt und in einer Werbeagentur in Stuttgart gearbeitet. Dann der Entschluss, ganz weit weg zu ziehen, zum Studium Down Under. „Ich war schon immer offen für neue Dinge“, sagt sie. Und ihre Englischkenntnisse habe sie auch unbedingt aufpolieren wollen.

Nach dem Studium hat Denise Krack in Australien „ein geiles Angebot“ von einer Werbeagentur in Sydney bekommen und sofort zugesagt. Ihr Aufenthalt fern der Heimat verlängerte sich. Damals hat sie sich in erster Linie mit Onlinewerbung und Webdesign beschäftigt. Irgendwann kam ihr dann die Idee mit der lässigen Tasche in den Kopf. Als sie zurück war im Schwabenland hat Denise Krack den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – und diesen bis dato nicht bereut. Sie hat beim Gründerwettbewerb der Kreissparkasse Waiblingen den dritten Platz gemacht und mittlerweile einen Angestellten. In der Begründung der Jury der Sparkasse hieß es: „Beeinflusst von dem Lifestyle und der Surfer-Szene in Sydney ist es der Gründerin wichtig, ein gewisses Feeling durch diese Taschen nach außen zu tragen.“ Im nächsten Frühjahr weiß Denise Krack, ob sie auch beim German Design Award punkten konnte.




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