Neues Modellprojekt Rat der Religionen Austausch auf Augenhöhe

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Das Land will das Miteinander der Religionen lokal fördern. Vier Modellorte richten dafür im kommenden Jahr Räte ein. Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes hat Tipps, wie diese Gremien nicht an globalen Fragen scheitern.

Das Münster in Freiburg: die Stadt gehört zu den vier Modellkommunen, die im neuen Jahr starten werden mit dem Rat der Religionen. Foto: dpa
Das Münster in Freiburg: die Stadt gehört zu den vier Modellkommunen, die im neuen Jahr starten werden mit dem Rat der Religionen. Foto: dpa

Stuttgart - Das baden-württembergische Sozial- und Integrationsministerium unterstützt zusammen mit der Tübinger Stiftung Weltethos die Einrichtung lokaler Räte der Religionen. Für das dreijährige Modellprojekt stehen 100 000 Euro zur Verfügung. In Ellwangen (Ostalbkreis), Freiburg, Ravensburg und Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) sollen sich schon zu Beginn des neuen Jahres entsprechende Räte bilden. Die ortsansässigen Religionen und Glaubensgemeinschaften sollen Vertreter entsenden. Das Ziel ist es, den Dialog zwischen den Kommunen und der Bürgergesellschaft zu verbessern.

Zuerst hatte das Ministerium ein landesweites Beratungsforum geschaffen. Im Frühjahr hatte sich der landesweite Runde Tisch der Religionen erstmals getroffen. Ein Ergebnis war das Ziel, bis Ende 2019 in mindestens zehn Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern Räte der Religionen zu installieren.

Vorbilder gibt es: in Heidelberg, Stuttgart und Ulm

In Ellwangen mit seinen 27 000 Einwohnern will die Stadt noch im Januar versuchen, mit der Stiftung Weltethos, der katholischen, der evangelischen, den freikirchlichen und muslimischen Gemeinden einen gemeinsamen Termin zu finden. „Uns ist es wichtig, die verschiedenen Gruppierungen miteinander in den Dialog zu bringen“, sagt der Bürgermeister Volker Grab. „Gemeinsam wollen wir Themen identifizieren, an denen wir arbeiten können.“

Dabei können sie nach Heidelberg, Ulm und Stuttgart schauen. Dort haben sich bereits aus eigenem Antrieb Räte der Religionen gebildet, in Heidelberg schon vor zehn Jahren unter Federführung der Stadt, in Ulm vor fünf Jahren. In der Landeshauptstadt fand der Rat nach dem Anschlag auf das französische Satireblatt „Charlie Hebdo“ 2015 zusammen.

Die große Weltpolitik bleibe außen vor

Die Heidelberger sind in fünf Arbeitsgruppen organisiert, die sich mehrmals monatlich treffen. Der Rat erstellt beispielsweise einen interreligiösen Kalender, in dem die Feiertage der unterschiedlichen Religionen aufgeführt sind. In Ulm, wo je ein Geistlicher und ein Laie dem Rat angehören, hat man sich auf eine Handlungsanleitung für multireligiöse Feiern verständigt, die etwa Schulen helfen soll, bei ihren Festen alle einzubeziehen.

Einen solchen Leitfaden hat man auch in Stuttgart entwickelt. Dabei ist dem katholischen Stadtdekan eines wichtig: „Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Stuttgarter Probleme“, sagt Christian Hermes. Die große Politik bleibe außen vor; Konflikte seien sonst programmiert. Nächstes Jahr wollen die Stuttgarter überlegen, wie man den Volkstrauertag religionsübergreifend beleben kann: Die Erfahrung von Krieg und Gewalt verbinde schließlich alle.

In Baden-Württemberg leben etwa elf Millionen Menschen. Davon gehörten mehr als 70 Prozent einer Religionsgemeinschaft an, die meisten davon, 3,7 Millionen, sind römisch-katholisch. 3,2 Millionen Menschen gehören den evangelischen Landeskirchen an. Wie viele Muslime im Land leben, ist nicht erfasst. Der Zensus 2011 kam zu dem Ergebnis, dass etwa 600 000 Baden-Württemberger Muslime seien. Die Zahl dürfte sich aber durch die Zuwanderung erhöht haben.