Neues Müllsystem im Kreis Göppingen Mit Chip, kleiner Tonne und Biobeutel in die Zukunft

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Die Abfallentsorgung im Kreis Göppingen wird neu geregelt. Die Eckpfeiler sind gesetzt. Der Kreistag entscheidet am 22. März.

Der  ungeliebte Biobeutel soll die letzte Chance bekommen. Foto: Horst Rudel
Der ungeliebte Biobeutel soll die letzte Chance bekommen. Foto: Horst Rudel

Kreis Göppingen - Die Bürger werden sich umstellen müssen, denn die Müllabfuhr wird umgestellt. Am Freitag, 22. März, soll der Göppinger Kreistag dafür ein neues Konzept beschließen. Die Zeit sei – nach einem halben Jahr der Vorbereitungen samt Einbeziehung der Bevölkerung – reif dafür, sagte der Landrat Edgar Wolff in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses. Die Mitglieder folgten seiner Einschätzung und zurrten zwölf Eckpunkte fest, wie das Abfuhr- und Gebührensystem künftig aussehen soll.

Wie funktioniert die Restmüllabfuhr?

Der Kunde legt nicht mehr, wie bisher, im Vorfeld den Abholrhythmus fest. Alle zwei Wochen kommen die Müllfahrzeuge und leeren die Tonnen, die bereit stehen. Wer den Service seltener benötigt, kann den Turnus je nach Bedarf verlängern. Bezahlt wird pro Leerung, die Häufigkeit erfasst ein Chipsystem. Der Vorschlag der Freien Wähler, dafür einen Aufkleber mit QR- oder Barcode zu verwenden, fand im Ausschuss keine Mehrheit. Abgelehnt hat er auch einen Antrag der CDU, die Mindestanzahl der jährlichen Leerungen auf 13 festzusetzen. Es bleibt bei zehn „Zwangsleerungen“ pro Jahr, wie es die Verwaltung vorgeschlagen hat.

Welche Tonnen können benutzt werden?

Der ursprüngliche Vorschlag, die alten Mülleimer samt und sonders durch neue zu ersetzen, ist vom Tisch. Die 120- und die 240-Liter-Tonnen sowie der 1100-Liter-Container können mit Chips ausgestattet werden. Außerdem wird eine 60-Liter-Tonne eingeführt. Das Behältermanagement übernimmt allerdings der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises (AWB), wenn Verbraucher es wünschen, werden die Mülleimer ausgetauscht oder bei einem Defekt kostenlos ersetzt.

Wie sieht das Gebührensystem aus?

Die bisher personenabhängig erhobene Grundgebühr, mit der die Infrastrukturkosten der Abfallwirtschaft beglichen werden, wird durch eine Jahresgebühr ersetzt, die auf die Haushalte und Arbeitsstätten einheitlich umgelegt wird. Hinzu kommen die Kosten pro Leerung, also aufkommensabhängig. Ob die Systemänderung dazu führt, dass die Müllgebühren sinken, vermag der Abfallbetrieb noch nicht zu sagen. Dies sei erst nach der Ausschreibung möglich. Andererseits hat der Landrat Wolff die Ziele der Umstellung klar definiert: „Mit kundenfreundlichen Angeboten sollen die Restmüllmenge gesenkt und die Gebühren reduziert werden.“

Wer bekommt die Rechnung?

Die Kreisverwaltung hatte vorgeschlagen, die Gebührenrechnung in Zukunft nicht mehr den einzelnen Haushalten, sondern den Immobilienbesitzern zukommen zu lassen. Dadurch hätten laut dem Abfallbetrieb rund 500 000 Euro pro Jahr eingespart werden können. Doch CDU, FDP und Freie Wähler wollen bei der bisherigen Regelung bleiben, um den Vermietern keine zusätzliche Belastung aufzuerlegen.

Was passiert mit dem Biomüll?

Die blaue Biobeutel, der genau genommen ein Beutel ausschließlich für Küchenabfälle und Essensreste ist, soll die letzte Chance bekommen. Wohlwissend, dass das Ziel von 25 Kilogramm pro Jahr und Einwohner zurzeit bei weitem verfehlt wird, lehnte der Ausschuss die Umstellung auf die Biotonne ab, in der dann auch Grüngut landen dürfte. Bei drei Gegenstimmen aus den Reihen der Grünen und der Freien Wähler beschloss er, dass es bis Ende 2022 beim offensichtlich ungeliebten Biobeutel bleibt. Gibt es bis dahin keine signifikante Erhöhung der Menge, wird die Biotonne eingeführt.

Wie oft wird das Grüngut abgeholt?

Der AWB hatte vorgeschlagen, die Grüngutsammlungen, ebenfalls um die Kosten zu senken, auf drei pro Jahr zu reduzieren. Dieses Ansinnen lehnte der Ausschuss ab, es gab eine Gegenstimme und drei Enthaltungen. Es dürfte damit bei den bisher üblichen fünf Abholungen bleiben.

Ändert sich etwas bei den anderen Wertstoffen, wie Papier oder Elektroschrott?

Das Altpapier soll öfter abgeholt werden, der Kreis arbeitet dabei weiter mit dem bisherigen privaten Betreiber zusammen. Bei der Elektroschrottabholung werden nur noch sperrige Großgeräte eingesammelt. Kleine Apparate muss man auf den Wertstoffhöfen abgeben. Dort können künftig auch alle, die nicht auf einen Abholtermin warten wollen, Sperrmüll anliefern – sie müssen aber ihre entsprechende Karte vorlegen. Und in die gelben Säcke kommen fortan auch Dosen. Mit dem Dualen System wird auch deshalb darüber verhandelt, die Säcke aus stabilerem Material zu fertigen.