Um das umstrittene Großbauprojekt an der Markomannenstraße in Leinfelden ist es zuletzt auffällig ruhig geworden. Nach und nach holt sich die Natur das bereits gerodete Brachgelände wieder zurück. Geplant ist dort der Bau eines Seniorenheims, doch die Nachbarn befürchten, dass das Gebäude die umliegenden Wohnungen zu sehr beschattet. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, das Projekt erneut prüfen zu lassen, und, falls möglich, auf die Kritik der Nachbarn einzugehen. „Die formulierten Ängste und Befürchtungen der Anwohner werden von der Stadtverwaltung sehr ernst genommen“, sagt Bürgermeister Benjamin Dihm.
Die zuletzt öffentlich vorgestellten Pläne sahen auf der 2510 Quadratmeter großen Brachfläche ein fünfstöckiges Gebäude vor, wobei das oberste Stockwerk als Staffelgeschoss ein wenig zurückgesetzt vorgesehen war. Enthalten soll der Komplex 106 Pflege- und Wohneinheiten. Im Erdgeschoss sind vor allem Büros, Lager und Personalräume geplant. Zur Echterdinger Straße hin könnten auch Geschäfte oder ein Café einziehen.
Das Projekt muss wirtschaftlich bleiben
Wegen der Befürchtungen der Nachbarschaft werde nun geprüft, ob Änderungen an dem Projekt möglich sind, die für mehr Sonnenlicht in den umliegenden Wohnungen sorgen, teilt Dihm mit. „Wichtig ist dabei jedoch, dass die Wirtschaftlichkeit und der Betrieb des geplanten Vorhabens nach wie vor gewährleistet sind.“ Im Stadtgebiet gebe es seit Jahren einen akuten Bedarf an weiteren Pflegeheimplätzen. Die Untersuchungen seien am Laufen. Sofern eine veränderte Planung in Frage komme, könnten die Pläne erneut ausgelegt werden.
In der Nachbarschaft, die sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hat, ist man skeptisch, ob die erneute Prüfung des Projekts zu einer Verkleinerung des Gebäudes führt. „Die völlig unangemessene Größe des Gebäudes und die daraus resultierende Verschattung der Nachbarschaft war von Anfang an allen an der Planung und Genehmigung beteiligten Personen klar“, meint der Sprecher der Initiative, Jens Marschalt. Die Befürchtungen der Nachbarschaft seien bislang aber heruntergespielt oder gleich ganz ignoriert worden.
Ist die Markomannenstraße der falsche Standort?
Dass die Nachbarschaft nicht viel von einer erneuten Prüfung erwartet, hängt mit der bisherigen Kalkulation für das Bauprojekt zusammen. Wenn das Gebäude in seiner aktuellen Form gerade noch wirtschaftlich sei, könne es kaum verkleinert werden, meinen die Anwohner. Sollte sich jedoch ein Pflegeheim an der Markomannenstraße nur in der bisherigen Kubatur wirtschaftlich verwirklichen lassen, sei es vielleicht der falsche Standort dafür, so die Schlussfolgerung der Nachbarn. Hinzu kommen die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit, die die Chancen auf eine Verkleinerung aus Sicht der Nachbarschaft weiter senken. „Eine Verkleinerung oder Veränderung des Gebäudes ist allein aufgrund der immensen Preis- und Zinssteigerungen der letzten 1,5 Jahre komplett abwegig“, heißt es schriftlich.
Die sich verändernden wirtschaftlichen Bedingungen für den Bau könnten derzeit vielmehr dazu führen, dass das Projekt weiter verzögert oder gar ganz aufgegeben werde. Ein möglicher neuer Entwurf werde nur dann Akzeptanz bei den Nachbarn finden, wenn nicht „zahlreiche Wohnungen von einer nahezu vollständigen Verschattung betroffen wären“. Dafür sei man auch bereit, vor Gericht zu ziehen.
Grundsätzlich stünden die Anwohner einer Bebauung des Grundstücks aber offen gegenüber, auch mit einem Pflegeheim, betont Marschalt. Der Bau hätte schon längst begonnen werden können, hätten die Planer von Anfang an Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeiten in der Nachbarschaft genommen, so seine Meinung.