Neues Projekt beim Stuttgarter Rathaus In der Nadlerstraße entsteht ein Boutiquehotel

Von Josef Schunder 

Von Mai 2018 an soll es auch direkt hinter dem Stuttgarter Rathaus ein Hotel geben. Der Initiator und Investor Michael Bräutigam hat sich jetzt schon eine Hotelchefin gesucht. Er wird das Haus nämlich nicht an eine Hotelkette verpachten – im Gegenteil.

Dieser Gebäudekomplex an der Nadlerstraße (Bildvordergrund) soll bis Mai 2018 in ein Hotel mit 91 Zimmern und Suiten verwandelt werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Dieser Gebäudekomplex an der Nadlerstraße (Bildvordergrund) soll bis Mai 2018 in ein Hotel mit 91 Zimmern und Suiten verwandelt werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Hotelname steht noch nicht fest, die Eröffnung des Hauses wird ja auch erst im Mai 2018 sein – doch die neue Hoteldirektorin hat die Arbeit schon aufgenommen: Andrea Jesumann (34) wird einmal das neue Hotel hinter dem Rathaus führen. Der Immobilienmakler Michael Bräutigam, der hier in eigener Sache als Projektentwickler und als Investor tätig ist, hat die junge Frau bereits unter Vertrag genommen. Zuvor hatte sich die gebürtige Kielerin und gelernte Hotelfachfrau sechseinhalb Jahre im Waldhotel in Degerloch um das operative Geschäft und die Vermarktung gekümmert. Jetzt freut sie sich auf die neue Aufgabe. Der Hotelmarkt in der „unterschätzten Stadt“ Stuttgart sei total spannend, sagt sie.

Der Bauantrag läuft noch

Spannend wird auch die Zeit bis zur Eröffnung werden. Im Januar ist es Bräutigam gelungen, auch den äußerlich nicht erkennbaren Gebäudeteil des Gebäudekomplexes zu übernehmen, der die Adresse Steinstraße 2 hat, der nicht wie der größere Teil mit dem Eingang Nadlerstraße 4 der Stadt Stuttgart gehörte, sondern einer Erbengemeinschaft abgehandelt werden musste. Für den Teil hatte die Stadt nur ein Erbbaurecht, das ihr von der Erbengemeinschaft gewährt worden war. Dank der neuen Entwicklung, sagt Bräutigam, könne der Gebäudekomplex nun doch in einem Zug entkernt und in ein Hotel mit 85 Zimmern und sechs Suiten auf der höchsten Ebene umgewandelt werden.

Der Bauantrag läuft, im April oder Mai hofft der Investor die Baugenehmigung zu erhalten. Die Entkernung, also das Ausräumen des Gebäudeinneren, könne aber auch schon Ende April oder Anfang Mai beginnen. Die letzten Nutzer sollen bald das Feld räumen. Die städtischen Bäderbetriebe ziehen Ende März in neue Räume in der Breitscheidstraße, das Sportamt und das Europazentrum der Stadt ziehen Ende April in die Lange Straße. Die Bauzeit ist mit zwölf Monaten veranschlagt. Es pressiert, denn die Eröffnung soll im Mai 2018 stattfinden. „Das ist wichtig, damit wir noch beim Messegeschäft dabei sind“, sagt Andrea Jesumann. Im Stuttgarter Markt wollen sie und Bräutigam das neue Hotel bei Zimmerpreisen ab 130 oder 140 Euro aufwärts pro Nacht als persönlich geführtes, individuelles Haus und als Wohlfühlhotel etablieren. Kurzum: als Boutiquehotel mit kleinem Sauna- und Fitnessbereich. Die Entscheidung, das Haus nicht fremdzuverpachten, ist auch vor diesem Hintergrund zu sehen. Für Hotelketten ist in der Nadlerstraße jedenfalls momentan nichts zu holen.

Das Umfeld wird auch aufgehübscht

Der Erdgeschossbereich mit einem Bistro oder einem Tagescafé zur Nadlerstraße hin soll komplett öffentlich zugänglich, auch der Frühstücksraum von außen einsehbar sein. Die Fassade wird nach Entwürfen des Stuttgarter Architekturbüros Blocher Partners und mit Beteiligung von Wolf Architekten/Ingenieure neu gestaltet. In den Plänen ist auch eine zusätzliche, etwas zurückgesetzte Dachetage vorgesehen.

Ob man das Haus klassifizieren lasse als Viersterne- oder Viersterne-plus-Hotel, sei noch nicht entschieden, sagen Bräutigam und Jesumann, aber einen entsprechenden Standard wolle man auf jeden Fall bieten. Das Umfeld soll sich hier und vor dem Ersatzgebäude für die frühere Rathausgarage in den nächsten anderthalb Jahren auch noch verbessern. Vor dem Hotel sollen die Fußgänger schöner flanieren, auf der Straße Zubringertaxis halten können.

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