Neues Rad für Mühle in Alfdorf Bald darf sie wieder gautschen

Maßarbeit aus Eichenholz –  eine Gruppe Ehrenamtlicher verhilft der Sägemühle zu einem neuen Rad. Foto: Eppler
Maßarbeit aus Eichenholz – eine Gruppe Ehrenamtlicher verhilft der Sägemühle zu einem neuen Rad. Foto: Eppler

Eine eingespielte Rentnertruppe baut ein neues Wasserrad für die Vaihinghofer Sägmühle in Aldorf, besser bekannt als Hummelgautsche.

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Alfdorf - Noch liegt es regungslos darnieder, zu keiner Bewegung fähig. Das runde Etwas, das derzeit auf dem Boden einer dem Alfdorfer Bauhof gehörenden Garage ruht und aus solider schwäbischer Eiche gefertigt ist, muss noch eine Weile auf seinen Einsatz warten. Bei dem Objekt handelt es sich um das neue Wasserrad für die Vaihinghofer Sägmühle. Das alte Antriebsmodul dieses Technik-Oldies, der schon im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde, muss wegen Invalidität ausgemustert werden.

Die Vahinghofer Sägmühle, seit 1973 in Alfdorfer Gemeindebesitz, ist besser bekannt als Hummelgautsche. Der Name ist einerseits auf die gemeindeeigenen Bullen, auf Schwäbisch Hommel, zurückzuführen, die auf der angrenzenden Weide grasten, andrerseits auf das langsame Auf und Ab des Sägegatters in der Brettmühle nebenan, vom Volksmund Gautschen genannt.

Ein Promi unter den Mühlen

Die Hummelgautsche ist einer der Promis unter den Mühlen im schwäbischen Wald, sie liegt an einem häufig begangenen Abschnitt des Mühlenwanderwegs. Allerdings ist das betagte Sägewerk jedoch nur noch museales Objekt. Sobald das neue Mühlrad installiert ist, können Interessierte wieder nachvollziehen, wie die Altvorderen dereinst Baumstämme mit Wasserkraft zu Dielen und Brettern zersägten.

Wer könnte es anders sein als die Rentnercrew um ihren Kapo Willi Teply, die mit handwerklichem Geschick schon manches marode Mühlrad im Schwäbischen Wald durch ein neues ersetzte und auch jetzt wieder zur Stelle war, als es darum ging, der Hummelgautsche ein neues Schaufelrad zu verpassen; das bisherige war nach etwas mehr als zwei Jahrzehnten immer klappriger und instabiler geworden. Teply, gelernter Modellschreiner, ging die Sache ganz pragmatisch an. ,,Ich habe einfach Maß genommen am alten Rad und daraus die Werkpläne für das neue gefertigt“, erzählt der 72-Jährige. Fast 200 Arbeitsstunden hat er gemeinsam mit seinen Mannen aufgewendet, um aus dem Werkstoff Eiche, der ihnen von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde, ein neues Mühlrad, Durchmesser 4,50 Meter, zu fabrizieren. Radkränze und Speichen herzustellen verlangte von den Teply-Tüftlern millimetergenaues Arbeiten. Der Lohn für all die handwerklichen Mühen: ein zünftiges Vesper.

Vor der Montage wieder zerlegt

Auf das Quartett wartet noch eine Herausforderung. Weil die Bauhofleute das neue tonnenschwere Wasserrad nicht als Ganzes an seinen Bestimmungsort befördern können, ist es nötig, dass die Mühlradbauer ihr schönes Werkstück wieder in seine Einzelteile zerlegen und so transportabel machen. Damit der Wiederaufbau vor Ort nicht zum nervenden Puzzlespiel wird, wollen Teply und seine dienstbaren Mitstreiter zuvor alle Teilstücke fein säuberlich durchnummerieren. Auf diese Weise bleibt es den Radbauern bei der Schlussmontage erspart, die vielen Segmente erst mühsam zusammensuchen zu müssen.

Das Mühlengebäude selbst, das durch Überschwemmungen in den zurückliegenden Jahren erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist ebenso ein Sanierungsfall. Etliche tragende Balken müssen ausgetauscht werden, eine Arbeit, die dem Alfdorfer Bauhof obliegt. Am Mühlentag im kommenden Jahr soll dann die runderneuerte Brettmühle erstmals wieder demonstrieren, dass sie den Dreh wieder raus und ihre gautschende Tätigkeit nicht verlernt hat. Ob das Alfdorfer Rathaus Überlegungen anstellt, die Authentizität der Hummelgautsche dadurch zu verdeutlichen, dass sie ein paar Hommel organisiert und diese vor der Sägemühle grasen lässt, ist indes nicht bekannt.




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