Neues Restaurant in Stuttgart-Mitte Im Hygge sind die Portionen zwar klein, aber dennoch deftig

Im Hygge serviert Eren Altan neuerdings Häpple. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Café Le Théâtre hatte ein Update nötig, befand sein Betreiber Eren Altan. Nun serviert er schwäbische Tapas in der Gloria-Passage. Er nennt sie Häpple – und sein Restaurant jetzt Hygge. Die Kombination klingt wild, dafür schmeckt es.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Im neuen Namen fürs Café Le Théâtre steckt gleich mehrfaches Multikulti: Hygge – Swabian Kitchen & Bar nennt sich das Lokal seit einigen Wochen. Das dänische Wort für Gemütlichkeit bringt der Betreiber Eren Altan einfach mit Maultaschen, Kässpätzle und Fleischküchle zusammen. „Schwabenküche neu erfunden!“, verkündet er auf seiner Homepage, denn sie wird in „Häpple“ serviert. Zwar brachte das Gasthaus Bären die schwäbischen Tapas bereits Anfang 2018 nach Stuttgart, im Hygge kommt aber eine modernisierte Form davon auf den Tisch. Das passt zum in Schwarz gehaltenen Interieur mit den hellgrünen Samtstühlen. Cool sind auch die Sitzplätze in der Gloria-Passage, wäre die Fläche nicht von Plastikpflanzen überwuchert.

 

Schön schwäbisierter Vitello tonnato

Kürbiscarpaccio steht zum Beispiel auf der Speisekarte mit Rote-Bete-Hummus und Zitronenmarinade (8,80 Euro). Sehr schön schwäbisiert wurde der italienische Klassiker Vitello tonnato mit einer Creme von der Forelle zu den feinen Kalbsrückenscheiben (11,80 Euro). Der kräftige Räuchergeschmack erhält durch Cornichons und einen Kaperapfel knackig-säuerliche Gegenspieler. In kalte und warme Häpple sind die Tapas eingeteilt, Eren Altan empfiehlt zweieinhalb Portionen pro Person, um einen durchschnittlichen Hunger zu stillen. Mit rund 23 Euro bezahlt der Gast die größere Auswahl.

Dass zur Maultasche Süßkartoffelstampf und Portweinjus (9,80 Euro) kombiniert werden, ist nur leider zu viel Avantgarde: Gegen die überbordende Süße dringt das würzige Fleischaroma kaum durch. Die Spätzle sind mit zu wenig Linsen versehen und ebenso wie die Saitenwurst (8,80 Euro) vom Heißhalten angetrocknet. Darin besteht offenbar die Schwierigkeit, wenn viele kleine Portionen gekocht werden, denn auch die Rahmsoße und der Semmelknödel sind etwas verkrustet (9,20 Euro). Die festen, fleischigen Pilze und die perfekte Konsistenz des Knödels bereiten aber viel Freude, das Spinat-Walnuss-Pesto liefert einen trendigen Twist dazu, wen die Bitternoten nicht stören.

Lachs-Kartoffeln oder Quinoa-Erbsen-Frikadelle als Alternative

Wer auf Schwäbisches keinen Appetit hat, kann Thymian-Orangen-Hähnchen, Lachs-Kartoffeln (je 11,80 Euro) oder die vegane Quinoa-Erbsen-Frikadelle (9,80 Euro) bestellen. Apfelstrudel (9,80 Euro), Schokosoufflé und Cheesecake (9,20 Euro) sind die internationalen Desserts – und die Nonnenfürzle (9,80 Euro) wieder ein gelungenes Beispiel für aufgemöbelte Heimatküche mit ungekünstelter Vanillesoße und Früchten. Dass die Bedienung vor dem Nachtisch in ein Aufmerksamkeitsloch gefallen ist, gerät dabei in Vergessenheit. Mit dem großen Glas Hygge Spritz (9,80 Euro) aus Gin, Secco, Holundersirup und Minze bleibt die Laune gut und die Gefahr der Unterzuckerung gebannt.

Hygge, Bolzstraße 6 (Gloria-Passage), Stuttgart, 07 11 / 50 44 66 76. Geöffnet sonntags bis donnerstags von 13 bis 23 Uhr, freitags und samstags bis 1 Uhr, warme Küche ab 17 Uhr. www.hygge-restaurant.com

Bewertung

Essen 3 

Service 3

Atmosphäre 4

Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern

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