Das New Josch ist frisch fürs Fine Dining herausgeputzt worden. Wer für sich sein will, kann im holzvertäfelten Jägerzimmer dinieren. Im Gewölbekeller darf auf edlen Ledersofas geraucht werden. Nebenan befindet sich die Schatzkammer mit Flaschen, die der Etikettentrinker begehrt. Das Restaurant wirkt aber gar nicht so prätentiös, sondern wohnlich: An den Wänden hängt Kunst, wallende Vorhänge umrahmen die Fenster, das Licht ist gedimmt, die Holztische haben keine Decken, und die Sitzbank ist mit weichen Kissen ausstaffiert.
Die Fellbacher Firma Wohninvest hat die Immobilie gekauft. Neben dem New Josch betreibt sie noch die mit zwei Sternen dekorierte Speisemeisterei. Auch Chefkoch Viorel Reiß war schon in vom „Michelin“ ausgezeichneten Lokalen tätig, darunter Taku in Köln. Die Jungköche stammen von der Speisemeisterei und dem Zauberlehrling.
Der Einstieg im New Josch ist meistens Champagner
Mit Champagner steigen im New Josch die meisten Gäste in den Abend ein, erklärt der Restaurantleiter Michel Zumer. Er managte früher das El Cortijo und spricht in seiner neuen Position gerne ein bisschen Französisch. Ein Ruinart Blanc des Blancs für 23,50 Euro das Glas soll es also sein, weil er sofort gute Laune macht! Ihm zufolge ist unter den Vorspeisen die gebratene Wirsingrolle (25 Euro) bereits zum Signature-Dish aufgestiegen: Dabei handelt es sich um bitter-sweetes Comfort-Food der feinen Art. Sie wird mit Fregola Sarda und glasierten Karotten sowie Parmesanschaum serviert. Die als „Lieblingsgericht des Küchenchefs“ angekündigte Fischsuppe (31 Euro) bietet viel Einlage und kann mit den besten Bouillabaisen mithalten. Fast weich wie Butter ist der gegrillte Pulpo, der sich um eine leicht rauchige Soße aus Paprika kringelt. Die darüber gestreute Ghoakresse gibt dem Mittelmeergericht eine orientalische Note. Spannend ist wieder das Spiel mit den Gegensätzen zwischen Zander und Blutwurst, gelbem Curry und erneut Parmesanschaum. Beim rosa Rinderfilet bringt eine Nusskruste etwas Knusper, die Kombination mit dem dunklen Thymianjus und Sellerie Wohlgefühle im Winter, die nur der gekochte, herbe Treviso Tardivo durcheinanderbringt.
Die Preisgestaltung passt zum Killesberg
Zu den Gerichten präsentiert Michel Zumer exzellente Tropfen wie einen gehaltvollen Weißburgunder vom Prinzen Salm (11,50 Euro das Glas) oder den kleinen Bruder von Ornellaia zum Fleisch (12,50 Euro). Das mit Kokos ummantelte Mousse aus weißer Schokolade mit der süß-sauren Frucht Kalamansi ist ein schön leichter Abschluss (21 Euro). Sicherlich lässt sich darüber sinnieren, ob im New Josch nicht zu viel verlangt wird. Selbst gebackenes Brot mit Misobutter sowie einen hippen Gruß aus der Küche gibt es immerhin vorneweg, zum Abschluss ein Gin-Basilikum-Flädle. Mit dem Restaurant bekommt der Killesberg eben, was er verdient.
New Josch, Feuerbacher Weg 101, Stuttgart, Telefon 0711 / 360 83 50. Geöffnet: Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr. www.new-josch.de
Bewertung
Küche: 5
Service: 5
Ambiente: 5
5 Sterne: erstklassig, 4 Sterne: überdurchschnittlich, 3 Sterne: gut, 2 Sterne: passabel, 1 Stern: enttäuschend