Restaurant im Stuttgarter Westen Pinsa Manufaktur zieht an neuen Standort

Zieht bald mit der Pinsa Manufaktur an den Bismarckplatz: Bessem Lamari. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Die Pinsa Manufaktur breitet sich weiter aus: Im Frühling übernimmt Bessem Lamari das leer stehende Lokal am Bismarckplatz. Für Gastronomen ist der Ort eine 1a-Lage, zumal er neu gestaltet wird.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Noch sind die großen Fenster verklebt, der Innenraum gleicht einem Rohbau. Aber Bessem Lamari schwärmt bereits von seiner neuen Pinsa Manufaktur am Bismarckplatz. Eine acht Meter lange Pflanzenwand wird das Restaurant zieren, grüne Samtsessel und eine schicke Einrichtung. Am meisten aber scheint er sich „über die Riesenterrasse zum Bismarckplatz“ zu freuen. Im Frühling eröffnet das Lokal an der Schwabstraße. Es stand mehr als zwei Jahre lang leer, nachdem der Vorgänger Achillion ausgezogen war. „Mehr Gastronomie bringt mehr Kundschaft“, freut sich auch sein Nachbar Vincenzo Napoli, der das italienische Restaurant Piloni betreibt. Am Bismarckplatz wird sich bald noch mehr tun: In zwei Jahren soll der Platz nach langer Planung umgestaltet werden. Ein gerade neu gegründeter Verein begleitet die Entwicklung „konstruktiv-kritisch“.

 

Vom Frühstück bis zum Cocktail ist geöffnet

An seinem Einzug am Bismarckplatz arbeitet Bessem Lamari seit geraumer Zeit. Die Hausbewohner wünschten sich „ein geruchsneutrales Konzept“, die Lüftungsanlage ist deshalb rundum erneuert worden. Dem Gastronom ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der Nachbarschaft einzugehen: Er zählt zu den Gründungsmitgliedern vom Bismarckplatz-Verein. Sein neues Restaurant soll zum Flagshipstore seines Unternehmens werden. Mit einem Lokal in der Bebelstraße legte er 2019 los und expandierte seither nach Ludwigsburg und Waiblingen. „Pizza wird immer gerne gegessenen“, lautet seine Erklärung für den Erfolg, „und Pinsa ist die Verfeinerung davon.“ Am Bismarckplatz rechnet er mit 400 bis 600 Gästen täglich, seine Manufaktur wird von 8 bis 23 Uhr geöffnet sein, der Service mit Kaffee und Frühstück an der Bar beginnen und mit Cocktails enden. „Im Zentrum vom Stuttgarter Westen muss man für die Menschen da sein“, sagt Bessem Lamari.

Über die Attraktivität des Bismarckplatzes kommt auch Vincenzo Napoli schnell ins Schwärmen. „Im Sommer ist er bereits zu einem lebendigen Treffpunkt geworden wie ein kleiner Marienplatz“, sagt der Trattoria-Betreiber. Eigentlich habe er nicht vorgehabt, sich selbstständig zu machen – bis er im Jahr 2015 auf das Restaurant an der spitzen Ecke zwischen Vogelsang- und Bismarkstraße stieß. Er hofft, dass endlich mit der Umgestaltung des Areals begonnen wird. Zwar treffe die Baustelle vermutlich sein Geschäft, „aber für die Stadt ist es besser, wenn es schöner wird“, findet er. Vincenzo Napoli wohnt am Marienplatz, und der ist für ihn das beste Beispiel: Dessen Sanierung habe viel mehr Aufenthaltsqualität gebracht.

Der Umbau des Bismarckplatzes beginnt frühestens 2026

Noch mindestens zwei Jahre muss sich der Inhaber vom Piloni gedulden bis zum Baubeginn. Aktuell laufen „die sehr komplexe Untersuchungen und Ausführungsdetails“ zum gewünschten Erhalt aller Bäume, teilt die Stadtverwaltung mit. Für jeden einzelnen müsse eine Konzept erarbeitet werden. Bis alle Planungen abgeschlossen sind, der Gemeinderat zugestimmt hat, die Bauarbeiten ausgerieben und vergeben werden können, dauert es nach Einschätzung der Ämter zwei Jahre. Ziel ist es, den Bismarckplatz „zu einem wahrnehmbaren Ganzen“ zu machen, die Aufenthaltsqualität und die Bespielbarkeit deutlich zu verbessern, „sodass der Platz seiner Bedeutung als Zentrum des Stuttgarter Westens gerecht wird“. Wo bislang das Toilettenhäuschen steht, soll es außerdem zusätzliche Gastronomie geben.

Auch wenn es dauert, für Gari Pavkovic vollzieht sich der Wandel in gewisser Weise rasant. Als „Urgestein“ des Bismarckplatzes bezeichnet er sich, seit 40 Jahren wohnt er über der In-Lokalität Metzgerei, die er bis vor rund acht Jahren noch als richtige Metzgerei kannte. Wo die Pinsa Manufaktur einzieht, war einmal eine Apotheke. Nur das Restaurant Piloni gab es schon immer, Lilie hieß es früher und bot indonesische Spezialitäten an. „Wir leben in einem urbanen Raum und nicht in Hintertupfingen“, sagt er, „aber für die Anwohner seien die Veränderungen eine Umstellung. Er hat den Vorsitz vom neuen Verein übernommen, weil er sich nicht nur beschweren, sondern auch engagieren will. Gemeinsam sollen die Interessen zwischen Nachbarn und Gewerbetreibende ausgeglichen werden, nach dem Umbau will der Verein die Verantwortung für die Nutzung des Platzes übernehmen. Für Gari Pavkovic soll er zum „urbanen Freiluft-Wohnzimmer“ und nicht zum Rummelplatz werden.

Angelo Carbone von La Fragola ist mit dem Istzustand zufrieden

Gegen Verschönerungen hat auch Angelo Carbone nichts einzuwenden. Er versorgt seit 1997 die Menschen am Bismarckplatz mit Espressi, Dolci und Eis. „Aber niemand weiß, wann es los geht und wie lange die Baustelle dauern wird“, sagt er. So richtig freuen will sich der Wirt deshalb nicht, ihm gefällt es am besten, wie es ist. Immer noch mehr Gaststätte? Da schaut er skeptisch und kommentiert die Entwicklung lieber nicht. Außerdem prägen auch die Kirchengemeinde und der Wochenmarkt den Bismarckplatz. Und der Verein wird zum Umgang mit Interessenskonflikten einen Schlichtungsausschuss einrichten. „Aus meiner Sicht braucht es keine lauten Events und Feste auf dem Platz für ein überregionales Besucherpublikum“, stellt Gari Pavkovic klar.

Seit der Eröffnung der Pinsa Manufaktur im Westen würden ihm die Gäste die Türe einrennen, sagt Bessem Lamari. Für den Bismarckplatz und das große Restaurant ist sein Konzept also reif. Als Unternehmer freut sich darauf, den Ort zu bespielen und zu beleben. „Aber ich sehe mich auch in einer sozialen Pflicht“, sagt er.

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