Neues Restaurant in Mitte Die Nudel ist der Star im uigurischen Restaurant Yipek Yoli

Chefin Ipara Kasim serviert im Yipek Yoli die uigurischen Spezialitäten. Foto: Christian Hass/Lichtgut

Eintauchen in eine neue Welt: Im uigurischen Restaurant Yipek Yoli gibt’s sensationelle, sehr dicke und selbst gemachte Nudeln. Muss man probieren, findet Testesser Michael Weier.

Die älteren Menschen unter uns werden sich erinnern: Als die ersten China-Lokale in Stuttgart geöffnet haben, war Schweinefleisch süß-sauer der Inbegriff von Exotik. Mittlerweile isst sich der Stuttgarter durch die ganze Welt. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und doch lernt er immer wieder etwas Neues kennen. Jetzt bietet sich in der Sophienstraße die Chance dazu: Dort hat das Yipek Yoli Seidenstraße eröffnet, wobei der Begriff Seidenstraße zu Verwirrungen führen kann. Eine Seidenstraße gibt es nicht nur in China, sondern auch in Stuttgart, das uigurische Lokal ist aber in der Marienstraße. Der Besuch lohnt sich.

 

Ein uigurisches Restaurant als klares Bekenntnis

Uiguren kennt man hierzulande weniger für ihre Esskultur, sondern vielmehr aus den Nachrichten – als von der chinesischen Staatsmacht unterdrücktes Volk. Chinesische Lokale wurden in der Vergangenheit auch von anderen asiatischen Menschen betrieben, später übernahmen Chinesen die thailändische Küche. Bei den Uiguren ist die Sache aber klar: Der Betrieb ist auch ein klares Bekenntnis zum Volk selbst.

Die Nudeln sind der Hit! Foto: Weier

Eine Kanne Tee statt Alkohol zum uigurischen Essen

Volkstümlich kommt Yipek Yoli allerdings nicht daher, rein optisch erinnert es eher an einen mit hübschen Stühlen etwas gemütlich gemachteren Wartesaal in einem Bahnhof, Sehr groß ist der Raum im ersten Stock neben Sophies Brauhaus, dennoch irgendwie einladend. Beim Blick auf die Karte fällt ebenfalls auf, dass man sich in einem anderen Kulturkreis bewegt: Die Uiguren gehören großteils dem Islam an, wenngleich die Religion dort weniger missionarisch, aber dennoch im Alltag gelebt wird. In der Praxis heißt das: Es gibt keinen Alkohol, zum Essen bestellt man sich eine Kanne Tee mit der hauseigenen Mischung (9,90 Euro 0,7 l).

Der Uyghur Salat (9,90 Euro) bringt zur Vorspeise einen bunten Mix von Tomaten, Zwiebeln und viel Paprika, ist schön gewürzt mit ganz leichter Schärfe, Sojasoße begleitet den Gast übrigens durch den ganzen Abend. Auch beim Glasnudelsalat (9,90 Euro), der zu dieser Würze eine leicht rauchige Note hat. Zu den gebratenen Dumplings (sechs Stück 17,90 Euro) mit einer extrem fein abgeschmeckten Lammfleischfüllung liefert die Soße ordentlich Schärfe, nur das Röstaroma fehlte wegen allzu kurzen Anbratens.

Kein Dessert, aber sensationelle Nudeln im uigurischen Menü

Die Hauptspeisen variieren von der Würzung her nur leicht, bei allen wird nicht mit Öl gespart. Das Tohu Kordak (17,90 Euro), Hühnchen am Knochen, sollten die Betreiber überdenken: Die Knochen wurden zerhackt und machen dem Europäer mit ihrem spitzen Ergebnis fast schon Angst. Die Nudeln sind dafür der absolute Hit! Qorulgan Läghmen (16,90 Euro) mit Rindfleisch, asiatischem Bärlauch und Paprika ist eine perfekte Grundlage für den weiteren Abend in der Stadt. Das ist auch das Stichwort: Der Service ist sehr nett und schnell, aber erwartet auch keine lange Aufenthaltszeit, nach weiteren Getränkewünschen wird nicht gefragt, zum Bezahlen geht man an die Theke. Desserts gibt es nicht. Nach dem Essen kann man also beruhigt ins Kino oder auf ein Glas Wein in die Nachbarschaft weiterziehen.

Das Yipek Yoli Seidenstraße liegt nicht dort, sondern in der Marienstraße 28 Foto: Y/ann Lange

Yipek Yoli, Marienstraße 28, Stuttgart,Telefon 07 11 / 70 71 59 99. Geöffnet von Montag bis Sonntag von 11.30 bis 22 Uhr. www.yipekyoliseidenstrasse.de

Die Bewertung

Essen: ***

Service ***

Atmosphäre: ***

(Fünf Sterne: erstklassig, Vier Sterne: überdurchschnittlich, Drei Sterne: gut, Zwei Sterne: passabel, ein Stern: enttäuschend)

 

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