Neues Restaurant in Stuttgart Bei Giulio ist der Fisch fein und die Pizza ziemlich besonders

Giulio De Vita und Miodrag Starcevic in ihrem neuen Lokal Giulio. Foto: Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Auch wenn Giulio De Vita das Label Edel-Italiener nicht mag, sein neues Restaurant ist eben doch einer. Dass der neapolitanische Koch Fisch und Meeresfrüchte liebt, schmeckt man.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Giulio De Vita ist nicht weit gekommen: 250 Meter sind es nur, um genau zu sein. Wer seine Küche im Capriccio liebte, der muss von der Dobelstraße in die Hohenheimer Straße gehen, um sie weiterhin genießen zu können. Während seine bisherige Wirkungsstätte geschlossen wurde, eröffnete er mit seinem neuen Geschäftspartner Miodrag Starcevic im ehemaligen Kern’s Pastetchen ein eigenes Restaurant. Allein vom Ambiente her betrachtet wirkt es wie ein würdiger Nachfolger des Edel-Österreichers. Auf weißen Tischdecken glänzen die Weingläser im gedimmten Licht, grüne, filigrane Vorhänge, Schwarz-Weiß-Fotografien, ein Fischgrätparkett und Jazzmusik machen das große Lokal auf eine elegante Weise heimelig. Hinzu kommt ein Service, der den Gast nie aus den Augen verliert.

 

Was könnte da zum Einstieg in den Abend besser passen als ein spritziger Spumante? Die Weinkarte hat mit einem Glas Ferrari Brut (8 Euro), der über ein wunderbar blumiges, apfeliger Bouquet mit leichten Hefenoten verfügt, genau das richtige zu bieten. Für den Oktopussalat (16,50 Euro) mit reichlich Petersilie, Knoblauch und Zitrone sowie Olivenöl zum Selbstanmachen ist er eine schöne Begleitung. Von dem Berg an klein geschnittenen, recht zarten Tintenfischstückchen könnte so mancher Hunger bereits gestillt werden. Die Burrata mit getrockneten Tomaten und einer Creme von Roter Bete (16,50 Euro) fällt trotz intensiver Farbe geschmacklich etwas blass aus.

Die Pasta ist bei Giulio De Vita natürlich frisch, Paccheri scheint seine Lieblingsform zu sein, die er unter anderem mit Rinderragout (20,50 Euro) oder Meeresfrüchten (21 Euro) serviert. Sehr bissfest sind diese Nudeln, bei der Variante mit Hummersoße, Stracciatella und Garnelen (22,50 Euro) spart er nicht an den Garnelen, der Sugo schmeckt mehr nach Tomate als dem Krebs, was gut zum sahnigen Herz der Burrata passt. Direkt an die Adria versetzt das Wolfsbarschfilet mit Babycalamari und Scampi (32,50 Euro). Zum zarten Fisch setzen die Tintenfischringe und Scampi einen fast knackigen Gegenpol, die Kombination mit sommerlichem Grillgemüse und einer leichten Tomatensoße ist harmonisch. Logisch, dass auch das Tiramisu perfekt gelungen ist – fluffig, cremig und mit viel Kaffeearoma.

Aus dem ehemaligen Kern’s Pastetchen wurde Giulio – nach umfangreicher Renovierung. Foto: Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Was auf der Speisekarte allerdings fehlt, sind Überraschungen. Die Zutaten und Geschmäcker wiederholen sich. Als Fleisch stehen – weniger kreativ – ein Entrecôte und ein Rinderfilet (36,50 Euro) vom Grill zur Auswahl. Mehr Ideen wie etwa das Vitello tonnato auf eine Pizza (20,50 Euro) zu packen, wären schön: Das feine Kalbfleisch und die säuerliche Fischsoße passen perfekt zum warmen Pizzaboden, das schmeckt gut und ist originell. Nach dem Spumante erfreut ein kräftiger Grauburgunder aus der Pfalz (8 Euro für 0,2 Liter) an dem Abend, wobei die ausführliche Weinkarte auch ansprechende Italiener zu bieten hätte.

Giulio, Hohenheimer Straße 64, Stuttgart, 0711/88781987. Geöffnet Dienstag bis Donnerstag von 17.30 bis 23 Uhr, freitags und samstags bis 1 Uhr. giulio-ristorante.de

Die Bewertung

Service: vier Sterne

Atmosphäre: vier Sterne

Essen: vier Sterne

Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern.

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