Neues Sozialkaufhaus in Welzheim Secondhand und Schätze für kleines Geld

Im Sozialkaufhaus Strandgut können Kunden Bekleidung und Hausrat günstig erwerben. Die Betreiber hoffen aber auch, dass die Besucher ins Gespräch kommen. Foto: / Gottfried Stoppel

Bummeln, einkaufen, miteinander ins Gespräch kommen – das und mehr soll im Sozialkaufhaus Strandgut in Welzheim möglich sein. Auch wenn der Laden erst jetzt feierlich eröffnet wurde – schon seit August geht dort jede Menge über die Ladentheke.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Kuscheltiere, Gesellschaftsspiele, Klamotten in allen Formen, Farben und Größen, jede Menge Geschirr und Küchenutensilien, kleinere Möbel oder doch lieber blaue Glitzerpumps: Auf den ersten Blick scheint es fast alles zu geben im Sozialkaufhaus Strandgut, das am Donnerstagnachmittag mit Musik, Reden und kleinem Imbiss feierlich eröffnet wurde. Doch so ganz stimmt das nicht: „Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf Hausrat, Bekleidung und Kleinmöbeln“, erklärt Abteilungsleiter Michael Belz von der Erlacher Höhe, der selbst schon etwas Schönes in den prall gefüllten Regalen gefunden und natürlich auch gleich zugeschlagen hat.

 

Die Auswahl an gespendeten Secondhand-Klamotten und Hausrat ist groß

Die Türen geöffnet hat das neue Sozialkaufhaus mit dem schönen Namen Strandgut bereits Anfang August in zentraler Lage von Welzheim. Und auch wenn das Projekt nach umfassenden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten noch immer im Aufbau ist, fanden Interessierte vom ersten Tag an eine große Auswahl an gut erhaltenen Secondhand-Waren und dem einen oder anderen Flohmarkt- und Sammlerschatz. „Das macht mir Spaß, die Sachen schön zu dekorieren und alles passend herzurichten“, sagt Maria Zdarcu. Die 64-Jährige ist bei der Erlacher Höhe angestellt und hat schon im Strandgut in Schorndorf Erfahrungen sammeln können. „Das ist super, dass wir hier jetzt zum Start eine erfahrene Kraft haben, die auch toll mit der Kasse umgehen kann“, sagte Belz und verwies auf den Leiter des Sozialkaufhauses Joachim Müller, der auch für die Außeneinsätze des Teams, beispielsweise für Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen, zuständig ist. „Wichtig ist, dass hier jeder einkaufen kann, ohne speziellen Ausweis, egal ob mit schmalem oder dickem Geldbeutel“, erklärte Michael Belz.

Wer nicht mit Einkaufstüte rausläuft, hat sich vielleicht gut unterhalten

Neben Haushaltsauflösungen sind es in erster Linie Spenden, die dafür sorgen, dass die Besucher im Strandgut zwischen vollen Regalen und noch volleren Kleiderständern schlendern können. Wer am Ende nicht mit einer Einkaufstüte den umfassend renovierten ehemaligen Kronenladen verlässt, hat sich vielleicht stattdessen Anregungen geholt und ein Gespräch geführt.

Genau das ist ein Hintergedanke der Verantwortlichen. Das Gemeinschaftsprojekt von Kirche und Diakonie, möglich gemacht durch die enge Kooperation der Evangelischen Kirche in Welzheim mit dem diakonischen Sozialunternehmen Erlacher Höhe, will in zentraler Lage einen Ort der Begegnung schaffen. „Das Sozialkaufhaus steht allen Menschen offen“, sagte Pfarrer Thomas Stürmer, Impulsgeber des Projekts, in seinem Grußwort. Dabei kam er nicht mit leeren Händen, sondern hatte Lego-Bausteine dabei und gleich mehrere Beispiele parat, was man mit diesen alles bauen könnte – Häuser, Brücken, Straßen, aber auch Mauern. „Ich habe das Gefühl, dass Mauern gerade hoch im Kurs stehen. Mein Wunsch ist, dass das Sozialkaufhaus Mauern abbaut, denn hier können Menschen aufeinander treffen, die sich sonst nicht treffen würden.“ Das Strandgut sei ein wichtiger Baustein der gemeinsamen Anstrengungen, den sozialen Zusammenhalt in Welzheim zu fördern.

Auch die übrigen Redner – Erlacher-Höhe-Vorstand Wolfgang Sartorius, Bürgermeister Thomas Bernlöhr, Fachbereichsleitung Team Sozialhilfe im Landratsamt Susanne Körner und Matthias Schuh vom Jobcenter – lobten die schnelle Umsetzung des Projekts, die Nachhaltigkeit und die soziale Bedeutung eines solchen Kaufhauses in den aktuellen Zeiten. „Das ist ein Angebot für einkommensschwache Menschen, die nur mit Mühe über den Monat kommen. Und es gibt Menschen die Chance auf einen Arbeitsplatz, die sich schwer tun“, sagte Sartorius und verwies auf den Widerspruch von Fachkräftemangel auf der einen und Langzeitarbeitslosen, die keine Chance erhielten, auf der anderen Seite. „In der Regel wollen Menschen arbeiten, weil es sinnstiftend ist, dazu gibt es hier die Möglichkeit, das ist toll.“

Bürgermeister Thomas Bernlöhr zeigt sich begeistert

Genauso begeistert war Bürgermeister Thomas Bernlöhr. „Das ist die richtige Entwicklung hier. Es befriedigt die Bedarfe von Menschen und kann dazu beitragen, dass das Miteinander besser funktioniert“, sagte er und erinnerte daran, wie rasant die Umsetzung des Projekts nach dem ersten Gespräch Anfang des Jahres vonstatten ging. „Nach dem Kraftakt kriegen Sie jetzt noch den offiziellen Teil hier gut über die Bühne, und dann können Sie sich in kleiner Runde unser Fläschchen Sekt gönnen.“

Das Sozialunternehmen Erlacher Höhe

Erlacher Höhe
Menschen in sozialen Notlagen zu helfen, ist seit 1891 die Aufgabe der Erlacher Höhe. In rund 70 Einrichtungen und Diensten werden Menschen in Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Armut, pflegebedürftige Menschen und Menschen, die in ihrer Teilhabe eingeschränkt sind unterstützt. Zudem ist die Erlacher Höhe auch in der Jugendhilfe aktiv. Werktäglich werden in sieben Landkreisen in Baden-Württemberg über 2000 Menschen erreicht, die Hilfeangebote benötigen.

Sozialkaufhaus
  Die Erlacher Höhe, die an insgesamt 19 Standorten in ganz Baden-Württemberg Menschen in sozialen Notlagen berät und unterstützt, sieht in dem neuen Projekt im Rems-Murr-Kreis eine bedeutende Bereicherung, denn mit dem Sozialkaufhaus soll in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen werden, das Menschen in der Region zugutekommt. 

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