Neues Stadion für den SC Freiburg Kicken, wo einst der Papst gebetet hat

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Der SC Freiburg möchte ein neues Fußballstadion. Nun wird in der Stadt ein Standort gesucht. Natürlich ist die ausgesuchte Alternative umstritten. Die meisten der Gemeinderatsfraktionen plädieren für einen Bürgerentscheid.

Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (links) und SC-Präsident Fritz Keller müssen der Bevölkerung die Pläne für ein neues Stadion schmackhaft machen. Foto: dpa
Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (links) und SC-Präsident Fritz Keller müssen der Bevölkerung die Pläne für ein neues Stadion schmackhaft machen. Foto: dpa

Freiburg - Das Wahlvolk soll entscheiden, ob der Bundesligist SC Freiburg im Freiburger Westen ein neues Stadion bauen darf. Schon vor der Sondersitzung des Ältestenrats der Fraktionsvorstände am Mittwoch haben sich CDU, SPD, die Unabhängigen Listen, die Freien Wähler und die Grün-Alternative Liste für einen Bürgerentscheid ausgesprochen. Nur die FDP und die Grünen zögern noch. Die Frage ist freilich: Wie lautet die Frage? Sie muss mit Ja oder Nein beantwortet werden können und darf sich nicht auf Bauleitplanung und Bebauungsplan beziehen.

Abgestimmt werden könnte aber darüber, ob die Stadt Freiburg eine Bürgschaft gibt oder nicht. „Aber dazu müssen wir bei den Untersuchungen weiter sein als jetzt“, erklärt Walter Preker, Sprecher des Freiburger Oberbürgermeisters Dieter Salomon (Grüne). Und ein Finanzierungskonzept müsste vorliegen. Den Kritikern sind die Vorplanungen nach dem Aufstellungsbeschluss des Gemeinderates freilich schon zu weit gediehen. Sie sehen eine Vorfestlegung auf einen einzigen Standort: den sogenannten Wolfswinkel, ein Gewann, 500 Meter neben dem Wohnquartier Mooswald auf dem Gelände des kleinen Freiburger Flugplatzes. „Es gibt keinen besseren, es wird an jeden Standort Proteste geben“, seufzte der Oberbürgermeister auf einer Pressekonferenz. Einen „Plan B“ habe er nicht.

Der Präsident will ein größeres Stadion

Der erste Eindruck legt nahe, dass dort, wo im September 2011 Papst Benedikt XVI. einen Massengottesdienst abhielt, genug Platz ist. Auch dürften weitaus weniger Anwohner durch Jubelschreie, Dudelmusik und Verkehrsströme belästigt werden als im jetzigen Stadion an der Dreisam, das im Wohngebiet eingeklemmt ist und dessen neuer Ausbau teurer sei als ein Neubau. SC-Präsident Fritz Keller versäumt keine Gelegenheit zu betonen, dass ein größeres Stadion mit 34 000 statt jetzt 24 000 Plätzen und neuer Ausstattung notwendig sei, wenn der Verein langfristig wettbewerbsfähig bleiben solle. Über die Kosten kann nur spekuliert werden. Es kursieren Zahlen zwischen 60 und 120 Millionen Euro.

„Aber der Wolfswinkel ist kein geeigneter Standort“, sagt Kristian Raue von der Bürgerinitiative. „Wir sind keine Stadiongegner“, betont der Chef einer Freiburger Softwarefirma, „wir haben nichts gegen ein neues Fußballstadion.“ Aber der Proficlub soll es aus eigener Tasche zahlen und nicht die Allgemeinheit zum Mitfinanzier machen, solange noch Kitas fehlen und Schulen nicht saniert sind. Es könne auch nicht sein, dass die Stadt Freiburg – entweder durch günstige Grundstücke oder eine Bürgschaft – ein einzelnes Unternehmen privilegiere, und das sei der Proficlub ja wohl eindeutig.