Neues Stück in Münster Vergnügen mit Millionenfund

Von Rolf Wenzel 

Die Kömödie „O’verhofft kommt selte alloi“ feiert gelungene Premiere im Boulevärle. Heute findet die nächste Aufführung statt.

Die Premiere im Boulevärle ist gelungen, heute geht es weiter.. Foto: Th. Kraut/Boulevärle
Die Premiere im Boulevärle ist gelungen, heute geht es weiter.. Foto: Th. Kraut/Boulevärle

Münster - Ein besonderes Vergnügen mit einem Millionenfund gab es am Wochenende im Boulevärle zu erleben: Das irrwitzige Stück, das am Samstag im Boulevärle Premiere hatte, stammt aus der Feder des bekannten englischen Dramatikers Ray Cooney (Außer Kontrolle, Lügen haben junge Beine, Und alles auf Krankenschein). Er nannte seine 1994 entstandene Komödie „Funny Money“. Aber das war Siggi Offenwanger, der den Text jetzt für sein Boulevärle (und sich selbst als Hans Pleiser und Regisseur) übersetzte und ortsnah bearbeitete, nicht Schwäbisch genug. Also steht bis Februar „O´verhofft kommt … selte alloi“ auf dem Programm des Stuttgarter Mundarttheaters am Viadukt.

In der abenteuerlich konstruierten Farce geht es um zwei gleich aussehende schwarze Aktenkoffer, die Hans Pleiser auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof verwechselt. Erst in der Linie 14 nach Münster merkt er, dass „sein“ Koffer plötzlich nicht mehr einen halben Leberkäswecken für die Katze enthält, sondern sehr viel Geld. In der Herrentoilette der TSVgg Münster zählt er es dreimal, kommt auf eine Million Euro – und beschließt, sofort ein neues Leben im Ausland zu beginnen. Damit überfällt er seine Frau Doris, mit der er unverzüglich nach Barcelona fliegen will, und bestellt Flugtickets und ein Taxi nach Echterdingen.

Turbulentes Versteckspiel

Daraufhin beginnt ein turbulentes Versteckspiel der Pleisers vor Polizei und Gangstersyndikat, denn der echte Geldbote wurde, samt Koffer, erschossen aus dem Neckar gefischt und – logischerweise – für Hans Pleiser gehalten. Das dadurch gezündete Feuerwerk von witzigen Konfrontationen, Ausflüchten und spontanen Erfindungen, gab dem Boulevärle-Ensemble herrliche Gelegenheiten, sein Können zu zeigen und das Publikum glänzend zu unterhalten. Unerschütterlich überstand Siggi Offenwanger die aussichtslosesten Situationen, wohingegen sich Marion Kühnle als Doris Pleiser lustvoll jedweder Extrememotion öffnete. Mit Pokerface betätigte sich Wolfgang Blank als krimineller Kriminaler, während Günter Fischer souverän als Kommissar nichts tat – und so den Fall gelöst bekam. Als rosa Schmetterling erotisierte Betty Sperling (Conny Rommel) die Szene, während ihr Gatte(Andreas Steiner) eher auf handfestem Konfrontationskurs segelte.

„Großer Arm wo leuchtet“ nannte der einen Kopf kleinere Petros Kalikos als Taxifahrer Costas den aggressiven Lulatsch. Kalikos, der vollintegrierte Vorsitzende vom Boulevärle, der auch Regie führte, beherrscht nämlich außer Schwäbisch auch das Idiom seiner Landsleute auf Stuttgarts Straßen. Schlussendlich vervollständigte der kopfgeschädigte Drogenkurier Oktokoff (Thomas Kühnle) das Oktett der tollen Akteure.

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