Neues Sturmgewehr für die Bundeswehr Heckler & Koch geht gegen Verteidigungsministerium vor

Von Christoph Reisinger, und  

Die Waffenschmiede Heckler & Koch legt Rüge gegen die Entscheidung ein, dass ihr Konkurrent Haenel das neue Sturmgewehr der Bundeswehr bauen soll. Vorstandschef Jens Bodo Koch: Wollen Entscheidung verstehen.

Waffenschmiede Heckler & Koch legt Rüge gegen die Entscheidung ein, dass  ihr Konkurrent Haenel das neue Sturmgewehr der Bundeswehr bauen soll. Am Eingang der Firmenzentrale des Waffenherstellers Heckler & Koch in Oberndorf steht der markante Schriftzug mit dem Firmennamen. Foto: dpa/Wolf von Dewitz
Waffenschmiede Heckler & Koch legt Rüge gegen die Entscheidung ein, dass ihr Konkurrent Haenel das neue Sturmgewehr der Bundeswehr bauen soll. Am Eingang der Firmenzentrale des Waffenherstellers Heckler & Koch in Oberndorf steht der markante Schriftzug mit dem Firmennamen. Foto: dpa/Wolf von Dewitz

Stuttgart - Der Oberndorfer Handwaffenhersteller Heckler & Koch (HK) hat angekündigt, gegebenenfalls weitere juristische Schritte gegen die Entscheidung der Bundeswehr zu gehen, dass der Suhler Konkurrent Haenel das neue Sturmgewehr für die Bundeswehr bauen soll. Der Vorstandsvorsitzende, Jens Bodo Koch, sagte unserer Zeitung: „Wir wollen verstehen, wie diese Entscheidung im Wettbewerb zustande gekommen ist. Deshalb haben wir nun zunächst Rüge eingereicht.“ Sie hat aufschiebende Wirkung. Die zuständigen Ausschüsse des Bundestags werden sich voraussichtlich nicht mit dem Auftrag über rund 120 000 Sturmgewehre befassen, solange die Rüge läuft.

Auftrag von 245 Millionen Euro soll an Haenel zu geben

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr hatte am 15. September angekündigt, den Auftrag im Maximalvolumen von 245 Millionen Euro an Haenel zu geben. Wirtschaftliche und technische Vorteile des Haenel-Modells MK 556 hätten den Ausschlag gegen die konkurrierenden Modelle HK 416 und HK 433 von Heckler & Koch gegeben, lautete die Begründung.

Koch verwies darauf, dass HK einen Preis deutlich unter dem Maximalvolumen aufgerufen habe, von Haenel aber um weitere 51 Millionen Euro unterboten worden sei. „Außerdem hat die Messmethodik, die den Prüfungen der Angebote zugrunde lag, zu nicht reproduzierbaren Ergebnissen geführt.“ Beides sei zu hinterfragen.

Wichtig ist, in welchem Land die Lizenzen angesiedelt sind

Wirtschaftlich sei eine Niederlage in dieser Ausschreibung zu verkraften, versicherte Koch. Der Auftrag über die Sturmgewehre, die das G 36 der Bundeswehr ersetzen sollen, würde rund acht Prozent des Jahresumsatzes – er liegt derzeit bei 260 Millionen Euro pro Jahr – ausmachen. „Was unser Ansehen angeht, wäre es allerdings sehr schade, wenn wir nach 60 Jahren nicht mehr Lieferant der Standardwaffe der Bundeswehr wären.“

Übernimmt Haenel diese Rolle, stellen sich neue Fragen: Zwar hat das Unternehmen kürzlich versichert, das MK 556 werde zu 90 Prozent in Deutschland hergestellt. Ebenso wichtig für Rüstungsgeschäfte – speziell wenn es um Exporte geht – ist allerdings, in welchem Land die Technologie und Lizenzen angesiedelt sind. Haenel gehört dem Rüstungskonzern Caracal aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

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