Neues Stuttgarter Slow-Fashion-Label Mareen setzt auf Stücke mit Charakter
Traditionelle Handwerkstechniken und natürliche Materialien: Sharmeen Attarwala setzt mit ihrem neuen Modelabel Mareen auf Respekt, Nachhaltigkeit und Slow Fashion.
Traditionelle Handwerkstechniken und natürliche Materialien: Sharmeen Attarwala setzt mit ihrem neuen Modelabel Mareen auf Respekt, Nachhaltigkeit und Slow Fashion.
Stuttgart - Den Unterschied zwischen Fast Food und Slow Food dürften inzwischen die meisten kennen. Ähnlich groß ist er bei Fast Fashion und Slow Fashion. Hier Großindustrie, günstige Materialien, fragwürdige Produktionsbedingungen, Wegwerfmentalität und viel Chemie, da Ursprünglichkeit, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.
Das neue Stuttgarter Fashion-Label Mareen hat sich mit Leib und Seele diesem Slow-Fashion-Ansatz verschrieben. Gründerin Sharmeen Attarwala definiert ihn so: „Bei Slow Fashion geht es nicht nur um Zeitpläne, sondern um Werte. Für mich bedeutet es, mit Sorgfalt zu entwerfen, mit Absicht zu produzieren und mich immer zu fragen: Wer hat das gemacht, wie und warum?“ Für die Stuttgarter Designerin mit Hintergrund in Innenarchitektur und Produktdesign bedeutet das, Menschen, Materialien und die Umwelt bei jedem Schritt zu respektieren. „Es geht auch darum, Kleidungsstücke herzustellen, die Menschen nicht nur eine Saison lang, sondern über Jahre hinweg behalten, tragen und schätzen.“
Den Mareen-Stil beschreibt sie als „zurückhaltend, taktil und ehrlich. Die Silhouetten sind weich und dennoch strukturiert, so dass sie mühelos, aber bewusst wirken. "Ich arbeite eng mit Handwerksgemeinschaften in Indien zusammen und konzentriere mich auf die Erhaltung traditioneller Handwerkstechniken und die Verwendung natürlicher Materialien wie Kala-Baumwolle. Jedes Stück erzählt eine Geschichte darüber, woher es kommt, wie es hergestellt wurde und wer es hergestellt hat", so die Designerin.
Für Sharmeen sollte Mode heilsam sein, und nicht ausbeuterisch. „Ich habe mit eigenen Augen gesehen, welchen Schaden die Fast-Fashion-Industrie sowohl ökologisch als auch sozial anrichten kann. Aber ich habe auch die unglaubliche Kraft erlebt, die darin liegt, Handwerk zu würdigen, Handwerker fair zu bezahlen und Materialien bewusst auszuwählen, um Leben wirklich verändern kann. Dabei geht es nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um Würde, Resilienz und Hoffnung.“
In ihren Entwürfen kommen ihr europäisches Leben und ihre indischen Wurzeln zusammen. „Diese Dualität ist meine größte Stärke“, nickt sie. Sie ist in Indien geboren und aufgewachsen, umgeben von Farben, Ritualen und dem tiefen Wissen um Handwerkskunst, das über Generationen weitergegeben wurde. „Jetzt, wo ich in Deutschland lebe, bringe ich dieses Erbe in einen Dialog mit einer minimalistischeren, bewussteren und designorientierten europäischen Sensibilität. Mareen ist meine Art, diese beiden Welten miteinander zu verweben und Schönheit im Kontrast, in der Übersetzung, im Dazwischen zu finden.“
Obwohl es eine Herausforderung sei, Stoffe aus Indien zu bekommen, die diesen Standards entsprechen, nimmt Sharmeen diese Mühe gern auf sich. „Es gibt eine außergewöhnliche Gemeinschaft von Handwerkern, denen der Prozess genauso wichtig ist wie mir“, sagt sie. Alle unsere Handwerker arbeiten von zu Hause aus, oft mit der ganzen Familie. Wir glauben an eine kleine, familiäre Produktion, die eine persönliche Verbindung und ein echtes Gefühl von Teamarbeit schafft.“
Wer ihre Philosophie kennenlernen möchte, kann Sharmeen am Freitag und Samstag im Peng Peng Studio am Rosenbergplatz gegenüber von I Love Sushi besuchen kommen. Sie präsentiert eine Capsule-Collection, gibt interaktive Einblicke in die Arbeit auf einer indischen Baumwollplantage, präsentiert handgetuftete Teppiche. Dazu gibt es ein Podiumsgespräch, authentisches indisches Streetfood und eine Aftershowparty mit immersiven „Amay and Light“-Performance von Mykola. Der Eintritt ist frei, zusätzlich separat buchbar ist ein Papiercollagen-Workshop von Martina Voigt-Schmid.
„Die Veranstaltung bei Peng Peng ist eine Feier der Slow Fashion und eine Einladung in Mareens Welt“, sagt Shaarmeen dazu. „Wir haben einen multisensorischen Raum geschaffen, in dem die Menschen fühlen, berühren und sich mit den Geschichten hinter jedem Kleidungsstück verbinden können. Meine Schwester Alisha hat einen VR-Film gedreht, der die Besucher in die Häuser unserer Weberinnen und die Landschaften Indiens entführt. Es geht um Gemeinschaft, Dialog und gemeinsame Werte. Die Philosophie von Peng Peng passt wunderbar zu unserer, und ich freue mich darauf, ein Stück Indien und meine Reise in diesen lebendigen lokalen Raum zu bringen.“
Nach Stuttgart kam Sharmeen vor einigen Jahren, als ihr Partner einen Job ab der Universität Stuttgart bekommen hat. Über ihre neue Heimat sagt sie: „Stuttgart erinnert mich sehr an Ahmedabad, unsere Heimatstadt – eine Stadt, die genau die richtige Größe hat, überschaubar ist und voller Neugier und Innovationskraft steckt.“