InterviewNeues Tanzsolo von Yahi Nestor Gahe „Herkunft spielt eine Rolle“

Der afrikanische Tänzer Yahi Nestor Gahe lebt seit 2009 in Stuttgart. Jetzt zeigt er im Theater tri-bühne das Tanzsolo „Soliloque dansé.“ Foto: Peter Pöschl /PP
Der afrikanische Tänzer Yahi Nestor Gahe lebt seit 2009 in Stuttgart. Jetzt zeigt er im Theater tri-bühne das Tanzsolo „Soliloque dansé.“ Foto: Peter Pöschl /PP

Yahi Nestor Gahe, an der Elfenbeinküste geboren und in Stuttgart zu Hause, zeigt an diesem Donnerstag im Theater tri-bühne das Solo „Soliloque dansé“. Darin geht es auch um Macht und Abhängigkeiten.

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Stuttgart - Yahi Nestor Gahe ist Tänzer und Choreograf; seine Ausbildung begann er in seiner Heimat an der Elfenbeinküste. In Straßburg studierte er Kunst- und Kulturprojekt-Gestaltung, in Düsseldorf ließ er sich zum Tanzpädagogen ausbilden. „Klar spielt meine Herkunft und Farbe eine Rolle, wenn ich auf der Bühne bin“, sagt er zu seinem Solo „Soliloque dansé“, das er erstmals an diesem Donnerstag im Theater Tri-Bühne zeigt. „Da bin ich, weil ich dazugehören will und etwas zu sagen ­habe.“

Herr Gahe, laut Titel ist Ihr Solo ein getanztes Selbstgespräch, die Stückbeschreibung lässt hinter „Soliloque dansé“ eher einen Streit der Körperteile vermuten . . .

Vielleicht lässt sich mein Solo am besten als Dialog verstehen. Ich will am Beispiel meines Körpers hinterfragen, in welchem Verhältnis Gesellschaft und Individuum stehen. Was ist der Bauch ohne die Hand, der Kopf ohne die Füße? Wer gibt die Befehle? Die Gesellschaft als Gruppe von Individuen hat eine vorgegebene Struktur. Aber alles, was Struktur ist, bedeutet Macht und beinhaltet Abhängigkeiten.

Der Kopf bestimmt. Sehen Sie Alternativen zu dieser Befehlsstruktur?

Das Spannende an diesem Solo ist, den Kopf zu überlisten. Der ist bei einem Monolog vor einem Publikum sehr präsent. Meine Bühnenarbeit verstehe ich auch als Experiment, wie man das Publikum da reinziehen kann, obwohl ich im übertragenen Sinn eine Mauer bauen muss, damit mein Kopf nicht mehr so im Fokus steht. Der Einsatz von Licht spielt eine wichtige Rolle.

Derzeit wird viel über koloniale Machtstrukturen diskutiert. Sie kommen von der Elfenbeinküste. Inwieweit hat Ihre Herkunft dieses Solo inspiriert?

Ich gehe meine Themen eher generell an. Die Geschichte, die ich am Beispiel meines Körpers erzähle, ist eine Geschichte der Emanzipation, und sie hat mehrere Ebenen. Ich will den Kopf nicht mehr relevant machen. Natürlich fließen meine Erfahrungen als dunkelhäutiger Afrikaner da ein, geht es um Diskriminierung und Rassismus. Warum sind wir so strukturiert, dass Macht immer weiterwächst und mit ihr das Loch zwischen uns, zwischen Weiß und Schwarz, Mann und Frau, Reich und Arm? Wenn wir voneinander abhängig sind, warum sind wir dann so weit voneinander entfernt?

Sie haben auch in Straßburg und Düsseldorf studiert. Was hat Sie nach Stuttgart gebracht?

Ich habe für „Afrika! Afrika“ als Tänzer und Choreograf mit André Heller gearbeitet und war weltweit mit ihm auf Tour. 2009 habe ich in Stuttgart meine Frau kennengelernt, seither lebe ich hier. Ich betreue als Choreograf Workshops und Produktionen für das inklusive Jugendtheaterensemble Freie Bühne Stuttgart. Mir ist es wichtig, mein Wissen in kulturelle Bildung und Integration einfließen zu lassen.

Info zur Premiere

Premiere an diesem Donnerstag in der Tri-bühne, außerdem am 24. und 25. Juni, jeweils 19 Uhr




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