Über allem stehen die Olympischen Spiele in Los Angeles. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Flag Football in das Wettkampfprogramm für die Spiele 2028 im Mutterland des American Footballs aufzunehmen, brachte auch in Stuttgart einen Stein ins Rollen. Das Ergebnis: Die Stuttgart Scorpions werden ab der kommenden Saison erstmals mit einem Frauenteam in der erst 2024 gegründeten DFFLF, der ersten deutschen Damen-Bundesliga für Flag Football, antreten.
Der Impuls ging von Nationalspielerin Anne Streil und einer weiteren Mitspielerin aus. „Wir sind auf den Vorstand zugegangen und haben gesagt, es wäre ganz cool, wenn Stuttgart das auch hätte“, berichtet die Verteidigerin. Bislang spielte die 27-Jährige bei der SG Kelkheim Lizzards in der DFFL. Ursprünglich spielte sie schon aber bereits in der Tackle-Football-Mannschaft der Stuttgarter, den Scorpions Sisters, und im gemischten Flag-Team.
Nun möchte sie mit ihrem Heimteam in der reinen Frauen-Flag-Liga angreifen. Die Grundlagen dafür hat der Verein gelegt. Mit Maximilian Fischer wurde ein Headcoach mit nationaler und internationaler Erfahrung verpflichtet. Der 36-Jährige kam 2014 über ein Praktikum in San Diego zum American Football. Nach weiteren Stationen in Los Angeles, in Eugene für Nike, Böblingen, Schweden und Nürnberg landete Fischer in Stuttgart. Dort arbeitet er neben seinem Master-Studium der Trainingswissenschaften und Sporternährung als sportlicher Leiter der U 20. Zudem trainiert er die Passempfängerinnen der Tackle-Mannschaft und eben seit Januar die Flag Frauen der Stuttgart Scorpions.
Mit dem Team hat Fischer in der ersten Saison sportlich bereits ein großes Ziel vor Augen: das Final-Four-Turnier um die Meisterschaft. „Wenn ich meine Spielerinnen anschaue, dann ist es sehr realistisch, dass wir unter die besten vier Mannschaften kommen“, sagt Fischer. Denn zum Stuttgarter Kader zählt unter anderem Nationalspielerin Streil. Hinzu kommen mehrere Spielerinnen, die zum erweiterten National-Verbund zählen. Um diese bestmöglich zu fördern und perspektivisch auf die Olympischen Spiele vorzubereiten, wurde das reine Frauen-Flag-Football-Team gegründet.
„Der wichtige Punkt ist auch, dass wir für viele, die aus der Jugend kommen und weiter Flag Football spielen möchten, aber sich nicht sicher sind, ob sie in ein gemischtes Team möchten, das Angebot haben, in einem reinen Frauenteam zu spielen“, sagt Fischer. „Der Anreiz ist auch, dass sie in einem reinen Frauenteam mehr Spielzeit bekommen“, fügt der Trainer an.
Im Januar hat das aus 16 Spielerinnen bestehende Team den Trainingsbetrieb aufgenommen. Noch steht der genaue Spielplan nicht fest. Sicher ist jedoch, dass jede Mannschaft drei Spieltage hat. An einem Tag treffen sie dann auf mehrere Teams der aus zehn Mannschaften bestehenden bundesweiten Liga. Die besten vier Mannschaften qualifizieren sich für die Finalrunde.
Körperlose Variante des American Football
Beim Flag Football handelt es sich um eine körperlose Variante des American Football. Statt die Gegenspielerin mit einem Tackle zu Boden zu bringen, müssen die Verteidigerinnen eines der beiden am Körper befestigten Bänder herausziehen, um eine Angreiferin zu stoppen. Statt elf gegen elf stehen pro Spielzug nur fünf Spielerinnen pro Mannschaft auf dem Feld. Gespielt wird zudem nicht wie üblich in vier Vierteln à 15 Minuten, sondern in zwei 20-minütigen Hälften.
Das Spielfeld ist lediglich 50 Yards lang, die Teams haben vier Versuche, die Hälfte des Spielfeldes zu überbrücken. Gelingt dies, haben sie weitere vier Versuche, einen Touchdown zu erzielen.