Neues Trennsystem im Kreis Ludwigsburg Abfall-Chef: Es bleiben Komfort-Vorteile

Rund und Flach sind im Kreis Ludwigsburg bald Geschichte. Foto: factum/Bach

Gelbe, Blaue und Grüne Tonne statt Rund und Flach: Der Abschied vom Wertstoff-Trennsystem und der künftige Sammel-Modus werfen viele Fragen auf. Auf die am häufigsten gestellten gibt es hier Antworten.

Kreis Ludwigsburg - Von kommendem Jahr an werden Wertstoffe im Landkreis noch klarer voneinander getrennt. Der Grund für die Umstellung ist das neue Verpackungsgesetz. Er zwingt die Dualen Systeme – sie sind in Deutschland für das Sammeln, Sortieren und Verwerten von Verkaufsverpackungen zuständig –, höhere Verwertungsquoten zu erreichen. Die Dualen Systeme nutzen die kommunale Sammelstruktur der Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg (AVL) mit und bezahlen dafür. Zur Umstellung haben die Menschen viele Fragen. Auf die dringlichsten gibt es an dieser Stelle Antworten.

 

Viele Bürger sorgen sich, dass sie in Zukunft nicht genügend Platz für alle Tonnen haben werden. Hat das bei den Verhandlungen mit den Dualen Systemen keine Rolle gespielt?

„Das Platzproblem ist uns bewusst. Deshalb haben wir versucht, möglichst flexible Lösungen anzubieten“, sagt der AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle. „Zum Beispiel kann jeder, dem eine Glastonne zu groß ist, eine Glasbox bestellen. Wir empfehlen zudem, dass Wertstoff-Tonnen künftig von mehreren Haushalten zusammen genutzt werden.“ Für die AVL sei bei den Verhandlungen zentral gewesen, dass das Glas weiterhin abgeholt werde und dass es auch künftig Tonnen gebe und keine gelben Säcke. „Das haben wir erfreulicherweise erreicht.“

Gibt es eine Tonnenpflicht? Oder könnte man die Wertstoffe zuhause trennen und sie ausschließlich auf den Wertstoffhöfen entsorgen?

Die Abfallwirtschaftssatzung regelt, dass Papier, Pappe und Kartonagen, Leichtverpackungen und Glas in entsprechenden Tonnen bereitgestellt werden müssen. Jedes Grundstück muss über Sammelgefäße für diese Wertstoffe verfügen. Es gibt also eine Tonnenpflicht. Diese Regelung gilt auch für das neue System. Kombi-Lösungen seien insofern denkbar, als man Tonnen gemeinsam mit Nachbarn nutzen könne. „Wir gehen davon aus, dass die Qualität der Wertstofftrennung durch die klar unterscheidbaren Tonnenfarben deutlich besser wird. Derzeit werden die beiden grünen Behälter oft noch vertauscht oder falsch befüllt“, so die AVL.

Die Rund-Tonne gibt es bisher nur in der 240-Liter-Variante. Wie sieht das künftig mit der Gelben Tonne aus?

Es wird sie in zwei Größen geben: als 240-Liter- (Leerung: alle vier Wochen) und als 1100-Liter-Tonne (Leerung: 14-tägig).

Und die Blaue Glastonne?

Sie wird in den Größen 120 Liter, 240 Liter oder 770 Liter bereitgestellt.

Was ist, wenn man sich stattdessen für die 36-Liter-Glasbox entscheidet, sie für einen monatlichen Abhol-Turnus dann aber doch nicht ausreicht?

Im Rhein-Neckar-Kreis reiche die 36-Liter-Box in der Regel aus, informiert die AVL. „Sollte mehr Glas anfallen, kann problemlos eine weitere Box bestellt oder auf eine Tonne umgestiegen werden.“

Sind um die Leerungstage herum nicht Vandalismus an dem hinausgestellten Glas oder Splitter am Straßenrand zu erwarten?

„Probleme mit Vandalismus sind mir bisher nicht bekannt. Glassplitter auf der Straße sind sehr selten. Wenn, dann liegt es an überfüllten Boxen“, berichtet Martin Schmitz, der Geschäftsführer der Firma AVR Gewerbeservice in Sinsheim. Die Müllwerker hätten aber Besen und Schaufel dabei und beseitigten Glasbruch sofort. Tilman Hepperle und Jochen Mäule, der stellvertretende Abteilungsleiter bei der AVL, haben sich die Leerung an einem Abfuhrtag in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) angeschaut. Ihr Eindruck davon: „Die Glasboxen waren sauber aufgereiht“, berichtet Hepperle, „es lagen keine Glasscherben auf den Gehwegen, weder vor noch nach der Leerung.“

Gab es im Rhein-Neckar-Kreis Beschwerden bei der Umstellung der Glassammlung?

Die Glasboxen – in die nur Verpackungsglas, nicht etwa Glühbirnen, Porzellan, Glaskannen, Ceranfelder, Spiegel oder anderes Flachglas hinein dürfen – sind dort seit 25 Jahren etabliert. „Vorher wurde Glas gemeinsam mit anderen verwertbaren Materialien in einer Wertstofftonne gesammelt“, berichtet Schmitz. An Skepsis oder Ablehnung erinnere er sich nicht.

Gibt es im Rhein-Neckar-Kreis zusätzlich öffentliche Altglascontainer?

„Früher hatten wir in jeder Gemeinde noch zusätzliche Glasiglus stehen“, erzählt Schmitz. „Wegen des Einwurflärms und der üblichen Verschmutzung um die Behälter herum haben uns aber viele Gemeinden gebeten, sie abzuziehen.“

Bleiben die Altglascontainer im Kreis Ludwigsburg erhalten? Nicht jeder will, dass seine Nachbarn am Abholtag beim Blick in die Glasbox Rückschlüsse – etwa auf den Alkoholkonsum – ziehen können.

Ja, die AVL will weiterhin rund 100 Altglas-Sammelcontainer im Kreis anbieten; auch auf den Wertstoffhöfen kann weiter Glas abgegeben werden. Zu den Standorten soll es bis zum Systemwechsel eine Karten-Übersicht auf der AVL-Homepage geben. Die parallelen Abgabe-Optionen seien ein großer Komfort-Vorteil, findet der AVL-Chef Hepperle. „Man muss wissen, dass in den meisten anderen Kreisen die Entsorgung in Altglascontainern der Standard ist. Die Menschen müssen das Glas zuhause sammeln und wegbringen.“

Was wird aus den alten Rund- und Flach-Tonnen?

Die Bürger können ihre bisherige Flach-Tonne behalten: Darin werden dann nur noch Papier und Kartonagen gesammelt, für die Abholung und Verwertung ist die AVL zuständig. Die Rund-Tonnen werden von der Firma Suez abgeholt – ihr gehören sie. Die neuen Tonnen werden in der Verantwortung der Dualen Systemen, die für Leichtverpackungen, Folien, Styropor und das Glas zuständig sind, ausgeliefert.

Was kosten der Tonnenwechsel und die Leerungen im neuen System?

Der Tonnenwechsel kostet die Bürger nichts. Und Leerungsgebühren gibt es bei Rund und Flach und auch im neuen System weiterhin nicht, die Entsorgung und Verwertung der Wertstoffe ist schon beim Kauf bezahlt. Denn die Hersteller und Händler, die in Deutschland verpackte Ware auf den Markt bringen, müssen sich am Dualen System beteiligen und zahlen Entgelte für die Entsorgung und Verwertung ihrer Verpackungen. Das kalkulieren sie in den Produktpreis ein. Leerungsgebühren kosten im Kreis nur die Bio- und die Restmülltonne.

Die Firma Suez weihte 2019 in Ölbronn im Enzkreis eine Rundsortieranlage ein, die auf das Sondersammelsystem Rund und Flach des Kreises Ludwigsburg und des Enzkreises zugeschnitten ist. Was bedeutet die Systemumstellung für Suez?

„Wie sich eine etwaige künftige Zusammenarbeit der Dualen Systeme und Suez entwickelt, können wir nicht beurteilen“, erklärt die AVL. Die künftige Papier- und Kartonagentonne müsse jedenfalls nicht mehr vorsortiert werden, das Material gehe direkt in die Verwertung. Die Suez-Pressesprecherin Louisa Jansky sagt: „Aktuell prüfen wir die Möglichkeiten und Konzepte zur zukünftigen Nutzung unseres Standorts.“ Dort würden jährlich knapp 80 000 Tonnen Material aus den beiden Kreisen sortiert.

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