Noch fließt der Löwenanteil des Stroms für die Region über das Umspannwerk Pulverdingen bei Markgröningen, doch künftig soll zusätzlich zum Umspannwerk Oberjettingen (im Bild) ein drittes Werk ans Netz gehen. Foto: /Stefanie Schlecht
Die Transnet BW rechnet mit dem doppelten Stromverbrauch in den nächsten 20 Jahren und will am Hochberg zwischen Ehningen, Aidlingen und Dagersheim ein neues Umspannwerk bauen.
Wie viel Strom werden wir künftig brauchen? Auf diese Frage, wusste die Transnet BW im Böblinger Kreistag eine eindeutige Antwort. Das Energie-Transport-Unternehmen rechnet mit einer Verdopplung des Stromverbrauchs im Kreis Böblingen bis ins Jahr 2045. Um diese Lasten in die Fabriken und Haushalte zu verteilen, hat sie auch schon einen Plan – das ist zum einen die Gleichstromtrasse, die im Jahr 2037 in Betrieb gehen soll und zum anderen ein nagelneues Umspannwerk am Hochberg im Dreieck zwischen Ehningen, Aidlingen und Böblingen-Dagersheim.
Einer der Transformatoren im Umspannwerk Oberjettingen. /Stefanie Schlecht
Von dort sollen die 380 Kilovolt Wechselstrom, die über Land von den Kraftwerken der Region im Kreis ankommen, auf 110 Kilovolt herunter transformiert werden und anschließend in die hiesigen Autoschmieden und Maschinenbaufabriken fließen.
Zur Zeit kommen etwa 74 Prozent des Stroms für die Region Böblingen aus dem Umspannwerk Pulverdingen bei Markgröningen und etwa 26 Prozent aus Oberjettingen. Sie liefern rund 250 Megawatt Leistung, die zu Spitzenzeiten in den Fabriken und Haushalten benötigt werden. Weil sich die Last in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird, braucht die Transnet BW einen neuen Einspeisepunkt aus dem 380 Kilovolt-Netz, und der sollte natürlich am besten neben einer bestehenden 380-Kilovolt-Leitung stehen, damit möglichst wenig Freileitungen neu gebaut werden müssen.
Hohe Dichte an Schutzgütern
Der genaue Standort für das neue Umspannwerk am Hochberg sei noch nicht gefunden, und es werde auch nicht leicht sein, das zu tun, sagte Markus Golde, Projektsprecher der Transnet BW am Dienstag bei der Sitzung des Umweltausschusses des Böblinger Kreistags. „Wir haben am Hochberg eine hohe Dichte an Schutzgütern, zersplittertes Eigentum und kleine Grundstücke, was ein langfristiges Genehmigungsverfahren bedeutet.“
Das Umspannwerk wird etwa 60 Hektar Fläche brauchen, eine Fläche, die anschließend etwa wieder zur Hälfte begrünt werden wird. Die Transnet BW geht davon aus, dass sie erst im kommenden Jahr in die Planung gehen wird, und es dann etwa noch einmal ein Jahr brauchen wird, bis alle Planungsschritte abgeschlossen sind.
Die Wirtschaft der Region stärken
Denn für das neue Umspannwerk am Hochberg ist viel zu tun. Die Gemeinden müssen kontaktiert werden, dann muss man mit den Eigentümern ins Gespräch kommen, schließlich Kauf- oder Pachtverträge abschließen, die Notartermine machen, die erforderlichen Genehmigungen einholen, und das alles in die Grundbücher eintragen lassen.
Der Böblinger Landrat Roland Bernhard ließ bei der Ausschusssitzung keinen Zweifel daran, dass er den Netzausbau für absolut notwendig hält, um die Wirtschaft der Region zu stärken. Er bat, vor allem im Hinblick auf die im Kreistag vertretenen Bürgermeister, alles zu tun, um das Verfahren zu beschleunigen.