Neues Verkehrskonzept für Ludwigsburger Stadtteil Aufruhr in Eglosheim

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Die Stadt holt alte Pläne aus der Schublade: Mit einer Verlegung der B 27 soll der Stadtteil vom Verkehr entlastet werden – doch die Anwohner befürchten das Schlimmste.

Zwischen der Autobahn  (im Waldstreifen im Vordergrund) und den Häusern im Gebiet Tammer Straße (rechts auf halber Höhe) soll die neue Bundesstraße entlangführen. Foto: factum/Weise
Zwischen der Autobahn (im Waldstreifen im Vordergrund) und den Häusern im Gebiet Tammer Straße (rechts auf halber Höhe) soll die neue Bundesstraße entlangführen. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: Die Stadt erwägt ein neues Verkehrskonzept in Eglosheim, Kern des Projekts ist die Verlegung der Bundesstraße 27. Doch was laut der Ludwigsburger Verwaltung zu einer Entlastung der Bürger in dem verkehrsgeplagten Stadtteil führen soll, bringt die Anwohner auf die Barrikaden. Ihrer Ansicht nach ist das Vorhaben eine Zumutung. Sie fürchten mehr Lärm, mehr Feinstaub, weniger Grün und einen Wertverlust ihrer Immobilien. Es formiert sich bereits breiter Widerstand.

Nach dem Prinzip Verkehr zu Verkehr sehen die Pläne vor, dass die B 27 künftig nicht mehr quer durch Eglosheim führt, sondern vierspurig entlang der Bahntrasse und der Autobahn verläuft. Um die neue Trasse attraktiver zu machen, soll gleichzeitig die Frankfurter Straße (aktuelle B 27) auf eine zweispurige Fahrbahn verengt und mit Querungsmöglichkeiten versehen werden, die Markgröninger Straße soll teils rückgebaut und teils ganz für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Statt einer meterhohen Lärmschutzwand favorisiert die Stadt einen Deckel über dem Abschnitt von Autobahn und Bundesstraße, der direkt an der Wohnbebauung entlang führt.

Beschlossen ist das Konzept noch nicht

Das Konzept ist nicht neu. Es wurde neben anderen Optionen in den Diskussionen zur Weiterentwicklung von Eglosheim bereits im Jahr 2008 vorgestellt – dann aber nicht weiter verfolgt. Im Zuge der Wiederbelebung des ebenfalls im Sande verlaufenen Interkommunalen Ausschusses für die rasche Umsetzung von Straßenplanungen (Ikarus) kamen die Pläne nun wieder aufs Tapet. Beschlossen ist aber noch nichts: Die Gemeinderäte von Ludwigsburg, Asperg und Tamm müssen noch informiert werden und dann entscheiden.

Der Baubürgermeister Michael Ilk sieht viele Vorteile in dem Verkehrskonzept, dessen Umsetzung 130 Millionen Euro kosten soll. Durch die Verlegung der Bundesstraße würde die Mitte Eglosheims entlastet. Zudem könnte das Quartier zusammenwachsen, wenn es nicht mehr von einer vierspurige Fahrbahn durchschnitten werde. Mit dem Deckel über der Autobahn sei für Lärmschutz gesorgt, außerdem könnte der Deckel genutzt werden, um Eglosheim wieder mit Asperg zu verbinden: Er könnte begrünt und als Fußgängerübergang genutzt werden. Auch eine Radwegverbindung über die alte B 27-Trasse sei denkbar, wenn die Frankfurter Straße rückgebaut werde. „Wir wollen eine Entlastung für alle Eglosheimer, es muss eine Win-win-Situation sein“, betont Ilk.

Asperg und Tamm, die ebenfalls bei der Ikarus-Sitzung dabei waren, begrüßen den Vorstoß offenbar. Man halte die Pläne für „sehr interessant“, heißt es aus Asperg. Es lohne sich, weiter darüber nachzudenken. Man erhoffe sich davon eine Reduzierung des Verkehrs durch Asperg, Nachteile für die Kommune sehe man derzeit nicht, heißt es aus dem Asperger Rathaus. Aus Tamm war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Breit angelegter Protest formiert sich bereits

Eine andere Möglichkeit, die bereits 2008 zur Entlastung von Eglosheim diskutiert wurde, hatten Asperg und Tamm stets abgelehnt: einen neuen Autobahn-Anschluss Ludwigsburg-Mitte. Sie hatten befürchtet, dadurch steige der Durchgangsverkehr in ihren Kommunen. Doch diese Option sei ohnehin vom Tisch, sagt Ilk. Der Bund habe seine Zustimmung verweigert: Der Abstand zu den Anschlussstellen Süd und Nord sei zu gering für die Einrichtung einer zusätzlichen Auffahrt dazwischen.

Die Bürger von Eglosheim favorisieren ohnehin schon seit Jahren eine ganz andere Lösung: einen Tunnel unter der Frankfurter Straße, der den Durchgangsverkehr aufnimmt. Von den jetzt vorgeschlagenen Plänen hingegen halten sie gar nichts (siehe unten: „Bürger wollen Tunnel“). Der Aufruhr ist groß: Ältere Menschen haben offenbar Panik, dass sie enteignet werden und wegziehen müssen, andere fürchten unerträgliche Lärm- und Feinstaubbelastungen, wieder andere sehen den Wert ihrer Immobilie bedroht. Es wird befürchtet, dass Eglosheim noch mehr von seinem wenigen Grün verliert und die Freiluftschneise zerstört wird. Derzeit gründet sich im Wohngebiet Tammer Straße eine Bürgerinitiative, die sich dem Protest von Bürger- und Naturschutzvereinen sowie des Stadtteilausschusses anschließen will.




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