Krimikolumne

Neues vom Altbuchstapel: Georg Kreislers „Doch gefunden hat man mich nicht“ Schofles Österreich

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Georg Kreisler ging es in den USA recht gut, er lernte Arnold Schönberg und Charles Chaplin kennen und kam im Showbusiness unter – was er dort aufbaute, setzte er in den fünfziger Jahren im deutschsprachigen Europa fort. Allerdings ließ man ihn nie so hochkommen, wie er es verdient hätte, argwöhnisch nahm man seinen messerscharfen Witz zur Kenntnis, nie gab man ihm ein festes Engagement, offener und versteckter Antisemitismus begleitete ihn ein Leben lang. Und sein Geburtsland Österreich gratulierte ihm zwar alle fünf Jahre offiziell zum Geburtstag, hätte eine Wiedereinbürgerung aber an bürokratische und juristische Hürden gekoppelt, weshalb er sich diesen scheinheiligen Brauch irgendwann verbat.

Unglückliches Österreich, das so schofel mit einem seiner bemerkenswertesten Köpfe umging. Aber vielleicht hätte er sich ja über die Würdigungen von Sven Hartberger, Ilja Richter und Daniel Kehlmann gefreut, die das Buch über den 2011 gestorbenen Charakterkopf beschließen.

Georg Kreisler: Doch gefunden hat man mich nicht. Eine Gesamtschau. 416 Seiten, Atrium Verlag, 24,99 Euro