Krimikolumne

Neues vom Altbuchstapel – John Katzenbach: „Der Wolf“ Perverse Jagd auf Rothaarige

Und im Wald lauert der böse Wolf – das Märchen vom Rotkäppchen ist die Vorlage für John Katzenbachs Roman um die Machenschaften eines alternden Schriftstellers. Foto: Fotolia
Und im Wald lauert der böse Wolf – das Märchen vom Rotkäppchen ist die Vorlage für John Katzenbachs Roman um die Machenschaften eines alternden Schriftstellers. Foto: Fotolia

Rothaarig sind alle drei Frauen, die der „Böse Wolf“ in John Katzenbachs neuem Thriller zu töten beabsichtigt. Besonders pervers: Die Todesankündigungen erhalten die auserwählten Opfer mit der Post.

Stuttgart - Wenn ein Buch den Titel „Der Wolf“ trägt und als Psychothriller firmiert, dann ist von vornherein klar, dass der Wolf ein böser ist und die Leser sich auf allerlei Spielchen gefasst machen können. Zunächst deutet auch alles auf ein blutrünstiges Finale hin. Der böse Wolf ist hier ein erfolgloser Schriftsteller im Rentenalter. Der plant – nach bereits vier Morden und vier Büchern über eben jene Untaten – ein letztes geniales Verbrechen, das ihm zu unsterblichem Ruhm verhelfen soll.

Drei rothaarige Frauen sollen sterben. Er nennt sie rote Eins, rote Zwei und rote Drei, kündigt ihnen seine Absicht in einem Brief an – und genießt beim Schreiben den Kick, den ihm die monatelange Bespitzelung der drei „Rotkäppchen“ verschafft hat: „Der beste, befriedigendste Mord ist eine Verbindung von intensiver, gründlicher Recherche. Hingabe und schließlich auch Begierde. Die Droge der Wahl ist hier die Kontrolle über die Situation.“

Das Schaudern will sich nicht so recht einstellen

Also jagt der Wolf seine drei Opfer mit geheimnisvollen Zeichen und Videobotschaften. Bald wissen die Internistin Karen Jayson, die Lehrerin Sarah Locksley und die Schülerin Jordan Ellis vor Angst weder ein noch aus. Zwar beschreibt Katzenbach die Panik im Leben der drei „Roten“ äußerst detailreich, aber eben auch so routiniert, dass sich Mitgefühl oder auch nur ein Schaudern nicht so recht einstellen wollen. Währenddessen fantasiert der Bösewicht in der Maske des Biedermanns am heimischen Computer seinen künftigen Roman zurecht: „Niemand hat je getan, was ich vorhabe. Drei völlig unterschiedliche Opfer. An drei völlig unterschiedlichen Orten. Drei verschiedene Todesarten. Alle am selben Tag.“

Doch als dann die jüngste der drei Frauen, Jordan, zu den anderen beiden Opfern Kontakt findet, nimmt die Geschichte tatsächlich noch eine überraschende Wendung. Der Bestsellerautor John Katzenbach, der Gerichtsreporter in New Jersey und Miami war, kann dann Katz’ und Maus (oder besser Wolf ?) mit der Erwartungshaltung seiner Leser spielen.

John Katzenbach: Der Wolf. Roman. Aus dem Amerikanischen von Anke und Eberhard Kreutzer. Droemer Verlag, München. 509 Seiten, 19,99 Euro. Auch als E-Book, 17,99 Euro; als Audiobook, 16,99 Euro, und als Hörbuch-Download, 29,99 Euro.

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