Krimikolumne

Neues vom Altbuchstapel: Lansdales „Teufelskeiler“ Kampf an allen Fronten

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Texas zur Zeit der Großen Depression: die Dales kämpfen ums Überleben. Erst recht, als ein ungeheurer Eber die Farm der Familie heimsucht. Der erst 15-jährige Sohn Richard nimmt in Joe R. Lansdales „Teufelskeiler“ den Kampf mit dem Monster auf . . .

Kleine Augen, große Hauer:  So ein Keiler kann äußerst unangenehm werden. Foto: dpa
Kleine Augen, große Hauer: So ein Keiler kann äußerst unangenehm werden. Foto: dpa

Stuttgart - Eben waren wir für Killer & Co. aus aktuellem Anlass in Westtexas, diesmal führen uns die Zufälle des Altbuchstapel nach Osttexas. Und schon in den ersten Zeilen zeigt sich, was den Unterschied zwischen Jim Thompson und Joe R. Lansdale ausmacht: Ist Thompsons Stil nicht ganz unproblematisch, so zieht einen Lansdales klare, etwas rustikale Sprache sofort in die Erzählung hinein.

„Der Teufelskeiler“, das ist die Geschichte eines 15-Jährigen, der auf einer Wildschweinjagd zum Mann wird. Angesiedelt hat Lansdale seinen Kurzroman in der Zeit der Großen Depression, seine Hauptperson Richard Harold Dale ist der ältere von zwei Farmerssöhnen.

Zum Krüppel gebissen

Der Kampf ums Überleben bestimmt den Alltag der Dales gleich in mehrfacher Hinsicht. Da ist die wirtschaftliche Großwetterlage, da ist das Risiko der von Ungeziefer heimgesuchten Landwirtschaft, da ist der Vater, der für Geld, für viel Geld auf Jahrmärkten in den Ring steigt. Und da ist „Old Satan“, ein vier Zentner schwerer Keiler, der vor Jahren schon einmal einen erfahrenen Jäger zum Krüppel gebissen hat und jetzt wieder eine Spur der Verwüstung durch die Felder pflügt. Er tötet Hunde, und auch für Menschen ist eine Begegnung mit ihm lebensgefährlich.

Spätestens als Dales Mutter nach einer Attacke der Bestie eine Fehlgeburt droht, beschließen Richard und sein schwarzer Freund Abraham, den alten Satan zu erlegen. Ausgestattet mit guten Ratschlägen von Abrahams Großvater – dem Mann, den Old Satan seinerzeit angegriffen hat –, zwei einfachen Gewehren und einer Meute Hunde schlagen sich die Jungen in die Wälder, immer dem Gestank des Wildschweins nach. Wie vorausgesagt, lockt das schlaue Tier seine Verfolger in eine Falle.

Tom Sawyer und die Wildsau

Auch wenn die Hauptpersonen Jugendliche sind, ist „Der Teufelskeiler“ (der Originaltitel „The Boar“ verzichtet auf den Satan im Namen) ein sehr erwachsenes Buch, das vor allem von der spannenden Geschichte und der kräftigen, klaren Sprache lebt. Auf der anderen Seite ist es wegen seiner – im Text ausdrücklich erwähnten – Tom-Sawyer-Atmosphäre trotz der Wut der Wildsau auch für jüngere Leser empfehlenswert.

Wie auch immer: „Der Teufelskeiler“ ist ein vom Umfang her schmales, vom Inhalt her aber sehr gewichtiges und tief beeindruckendes Stück Literatur.

Joe R. Lansdale: „Der Teufelskeiler“. Roman. Aus dem Englischen von Richard Betzenbichler. Shayol-Verlag, Berlin 2008. 144 Seiten, 12,90 Euro.