Wie viel Bürgerbeteiligung verträgt Esslingen? Am Beispiel Marktplatz wird das Thema beim nächsten Altstadtviertele behandelt. Foto: Roberto Bulgrin
Einwohner machen Kommunalpolitik. Wirklich? Wie viel Meinung von Einheimischen steckt in wichtigen Esslinger Vorhaben? Um Sinn und Unsinn von Bürgerbeteiligung am Beispiel des Marktplatzes geht es beim nächsten Altstadtviertele.
Simone Weiß
18.03.2025 - 10:00 Uhr
Alle fünf Jahre machen sie brav ihre Kreuzchen bei der Wahl von Gemeinderat und Kreistag. Doch viele Bürger wollen auf kommunaler Ebene mehr – mehr Mitsprache, mehr Einfluss, mehr Beteiligung. Auch viele Esslinger Einwohner haben etwas zu sagen. Doch sollen und dürfen sie wirklich mitreden? Um „Bürgerdialog – was gewinnen wir damit“ geht es beim Esslinger Altstadtviertele am Donnerstag, 20. März, im Alten Rathaus. Zu dem Termin wurde auch Baubürgermeister Hans-Georg Sigel eingeladen.
Er ist eine Visitenkarte Esslingens. Doch diese Visitenkarte hat im Laufe der Stadtgeschichte Risse, Kratzer, Einkerbungen erhalten. Der Esslinger Marktplatz soll saniert werden. Wie viel Bürgermeinung soll in seine Neugestaltung einfließen? Die Organisatoren des Altstadtvierteles nehmen dieses Bauvorhaben als ein Beispiel für die Frage nach Sinn oder Unsinn von mehr Bürgerbeteiligung in der Neckarstadt.
Beim Altstadtviertele im Oktober 2024 waren der Esslinger Marktplatz und seine Neugestaltung zentrales Thema. Foto: Roberto /Bulgrin
Christine Keinath, Architektin und Stadtplanerin, wird an diesem Abend eigenen Angaben zu Folge die Planungsgeschichte des zentralen Esslinger Platzes aufrollen, sich zu einem früheren Wettbewerb äußern und zeigen, weshalb die Planungsgeschichte an dieser Stelle so kompliziert war. „Vor allem – das Thema des Abends ist ja Bürgerdialog – möchte ich aufzeigen, wie sich Bürgerinnen und Bürger damals einbringen konnten“, sagt Keinath. Es gehe darum, dem Marktplatz eine „historische Stimme“ zu geben.
Über Sinn und Unsinn von Bürgerdialogen
Doch wie viel Stimme sollen die Bürger bei diesem und anderen kommunalpolitischen Themen in Esslingen bekommen? Der Kommunikationswissenschaftler Theo Rombach, ein weiterer Dozent beim kommenden Altstadtviertele, erklärt in seinem Vortrag das Wesen eines Bürgerdialogs. In Esslingen habe die Beteiligung der Einwohner an der Planung und am Erhalt der Altstadt eine lange Tradition, ergänzt Mitorganisatorin Christel Köhle-Hezinger, die den Abend auch moderiert. Bürgerdialoge würden von vielen Stadtoberhäuptern immer wieder angeregt: „Sind das nur politische Schlagworte oder ernst gemeinte Entscheidungshilfen?“.
Beim letzten Altstadtviertele war der Marktplatz zentrales Thema gewesen und auch aus historischer Sicht beleuchtet worden. Den Platz in seiner heutigen Form gibt es, so führte Bauforscher Markus Numberger beim letzten Termin im Oktober letzten Jahres aus, erst seit knapp 200 Jahren: „Bis ins Hochmittelalter war hier noch der offene Bachlauf des Geiselbachs, der tief ins Gelände einschnitt.“ Erst im 13. Jahrhundert sei die stückweise Überwölbung des Baches erfolgt, wohl im Zusammenhang mit der Entstehung des Katharinenspitals: „Das Spital prägte gut 600 Jahre die Fläche des heutigen Marktplatzes. Erst nach seinem Abbruch im frühen 19. Jahrhundert entstand der heutige Platz.“
Das neunte Altstadtviertele geht am Donnerstag, 20. März, um 19 Uhr im Alten Rathaus in Esslingen über die Bühne. Der Eintritt ist frei. Der offene Bürgerdialog wird unter dem Dach des Geschichts- und Altertumsvereins Esslingen (GAV) drei- bis vier Mal im Jahr veranstaltet. Im lockeren Rahmen bei Brezeln und Getränken sollen nach dem Anspruch der Organisatoren strittige, aktuelle, kontroverse Themen aufgegriffen, in kurzen Referaten von Experten beleuchtet und dann im Plenum diskutiert werden. Begleitet werden die Veranstaltungen von wechselnden Moderatorenteams. Bei früheren Altstadtvierteles ging es um mehr Grün in der Stadt, die Energieversorgung der City, Photovoltaikanlagen in der Innenstadt oder die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes.