Der Konrad Theiss Verlag hat einen neuen Führer zum Heidengraben bei Bad Urach herausgebracht.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Erkenbrechtsweiler - Dass er so bedeutend ist, kann man sich kaum vorstellen. Archäologen haben entdeckt, dass der Heidengraben, ein Erdwall, der heute die Dörfer Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben umschließt, zu seiner Zeit die weltweit größte keltische Siedlung beherbergte. Doch das ist nur eine der erstaunlichen Informationen, die der neue Führer „Der Heidengraben – Ein keltisches Oppidum“ präsentiert. Das Hochplateau an der Grenze zwischen den Kreisen Esslingen und Reutlingen auf der Schwäbischen Alb beherbergt damit die eigentliche Hauptstadt des Landes – zumindest in der Zeit um 1000 vor Christus.

Bei der Präsentation des 150 Seiten starken reich bebilderten Führers hatte das Autorenteam um Dorothee Ade und Gerd Stegmaier viel zu tun, um die neuesten Forschungsergebnisse aufzubereiten, die seit dem Erscheinen des letzten Führers im dem Jahr 1982 bekannt geworden sind.

Die Theorie, der Heidengraben sei älter als die Kelten, ist inzwischen widerlegt. Das noch immer rätselhafte Volk, dass keine eigenen Schriftzeugnisse und kaum Bauwerke hinterlassen hat, siedelte dort bis in das erste Jahrhundert nach Christus. Hatte man früher kaum Vorstellungen vom Leben auf der Alb, weiß man jetzt mehr über den Aufstieg und den Fall einer Stadt, die möglicherweise als das Riusiava in die Karten des Griechen Ptolemaios aus Alexandrien eingegangen ist.

Ging man früher von einer eher ärmlichen Siedlung aus, weiß man jetzt, dass die Kelten hinter dem Heidengraben zu Beginn ihrer Geschichte gutes Geld mit der Weberei verdienten. Auf dem Hochplateau ist es durchweg wärmer als in der Umgebung. Deswegen wurde dort auch Getreide angebaut, zumeist Gerste, aber die Belege für das Bierbrauen fehlen. Man hat beim Burrenhof auch Reste eines Tempels gefunden. Die Archäologen gruben auch einen eisenbeschlagenen Wagen aus, der auf regen Handel schließen lässt. Später war das Gebiet hinter dem Heidengraben voll von sehenswertem Glasschmuck, so dass die Archäologen heute glauben, dass die Kelten Rohglas importierten und kunstvollen Glasschmuck weiter verkauften. In der Spätzeit hielt der mediterrane Lebensstil Einzug: Etliche zerbrochene Amphoren zeugen vom Weinkonsum der Kelten, die wohl zum Stamm der Helveter gehört haben müssen.

Wer ihnen den Garaus gemacht hat, weiß man nicht: Waren es die durchziehenden Kimbern und Teutonen, oder die langsam ins Land strömenden Germanen, die später unter dem Namen Alamannen bekannt wurden? Auch die heutigen Bewohner des Plateaus sind im Führer liebevoll beschrieben. Man findet Wissenswertes über die Albdörfer, eine Karte mit einem Wanderweg zu den Festungswällen, sowie etliche Infoboxen mit wissenswerten Nebenaspekten. Tatsache ist, und da ist sich auch der Hülbener Bürgermeister Siegmund Ganser sicher, dass Einheimische und Touristen mit dem Reiseführer ein gutes Dokument in der Hand haben, um die Geschichte der alten Hauptstadt Mitteleuropas nacherleben zu können.