Neues von der Rampe Stuttgart Preisverleihung und sexy Revuetheater
Die Rampe hat gleich drei Ereignisse gefeiert: die neue Spielzeit, ein neues Stück und einen neuen Preis.
Die Rampe hat gleich drei Ereignisse gefeiert: die neue Spielzeit, ein neues Stück und einen neuen Preis.
Schon am Eingang wird man von einer lasziv anmutenden Frau im schwarzsamtenen Overall empfangen, die einem Seifenblasen entgegenhaucht und dazu sagt: „Willkommen im ‚Sex Stück‘“. Buntes Treiben im Foyer, Menschen in paillettenbesetzten Glitzerkostümen trinken Sekt, als hätte eine kleine Zeitreise ins Varieté der 1920er Jahre stattgefunden.
Am Freitagabend feierte das Theater Rampe die deutsche Bühnenpremiere des Schweizer Imports „Das Sex Stück“ von Fleischlin/Hellenkemper & Komplizen und Komplizinnen. Zudem war es die Eröffnung der neuen Spielzeit, und das Theater im Stuttgarter Süden erhielt auch noch den Martin-Linzer-Theaterpreis, den die Fachzeitschrift Theater der Zeit vergibt.
Wo normalerweise die Zacke ins Depot fährt, stehen an diesem Abend die Macherinnen und Macher der Rampe, um den undotierten Kritikerpreis für ihre Arbeit an der Erweiterung des Autorinnen- und Autorenbegriffs im Bereich der neuen Dramatik sowie für ihre Etablierung als freies Produktionshaus entgegenzunehmen. Es ist zudem die letzte Spielzeit für das Intendantinnenteam Martina Grohmann und Marie Bues. All das verleiht dem Abend besondere Emotionalität, was sich in den Reden der Beteiligten zeigt.
Gegen 20 Uhr folgt der Ruf in den Theatersaal, in dem ein roter Vorhang wie ein Zelt quer über die Bühne gespannt ist. In den nächsten 85 Minuten geht es um die schönste Nebensache der Welt. „Das Sex Stück“ ist ein Performance-Stück, das wie eine Nummernrevue aufgebaut ist, in der abwechselnd gesungen, getanzt und erzählt wird.
Mit viel Witz und Charme wird das Publikum gekonnt unterhalten, wenn multiple Orgasmen geschehen oder Künstliche Intelligenz den Partner ersetzt. Ungewollte Übergriffe werden ebenso thematisiert wie Homosexualität, die nicht gelebt werden darf. Das Stück funktioniert gut so, wie es ist, und macht Spaß, doch es hätte auch düsterer sein und die Schmerzgrenzen mehr ausloten dürfen. Somit bleibt es einfach eine unterhaltsame Show.