Die Busse fahren im Stundentakt
Die Busse, die im Stundentakt verkehren sollen, halbieren die Fahrzeit zwischen dem Mittelzentrum Kirchheim und der dort endenden S-Bahn-Linie 1 und der Göppinger Kreisgemeinde auf dann 21 Minuten. Neben diesem praktischen Nutzen hat Zühlkes grenzüberschreitende Fahrt ins VVS-Neuland allerdings auch noch einen hohen symbolischen Wert: Sie ist ein Vorgriff auf die Einbindung des Landkreises Göppingen in den Geltungsbereich des Stuttgarter Verkehrsbetriebs. Die soll, nach jahrelangen Geburtswehen, zum Jahreswechsel nun endlich vollzogen werden.
Um den künftigen Nutzern die neue Linie schmackhaft zu machen, sind die Fahrten am Montag, 14. September, durchweg kostenlos – vom ersten Bus um 5.48 Uhr bis zum Betriebsschluss um 20.16 Uhr. Das ist ganz im Sinne des Busfahrers Felix Zühlke, der bei der Premiere am Dienstag, nach dem Fahrpreis gefragt, erst noch mal ratlos mit den Schultern zuckte. Das einte ihn mit seinen prominenten Fahrgästen, unter ihnen auch der VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Der Blick in den VVS-Tarifzonenplan half dann jedoch weiter: Die rund zehn Kilometer lange Fahrt im internetfähigen Bus spielt sich innerhalb einer Tarifzone ab und kostet damit 2,60 Euro.
31 000 Euro für 31 000 Buskilometer
Wie viel Geld die vier Partner – neben den beiden Landkreisen sind das die beiden profitierenden Gemeinden Ohmden und Zell am Aichelberg – für das neue Angebot in die Hand nehmen müssen, wusste Stammler dagegen auf Anhieb. Der gemeinsam getragene Finanzierungsanteil beträgt 31 000 Euro. „Das ist für die 31 000 zusätzlichen Buskilometer im Jahr vergleichsweise günstig, weil wir keine neuen Fahrzeuge benötigen. Das haben wir erreicht, weil wir in Kirchheim durch eine geschickte Umlaufplanung ein paar Minuten rausgeschwitzt haben und die Wendezeit in Ohmden wegfällt“, sagt Klaus Neckarnuss, der im Landratsamt für die Nahverkehrsplanung im Kreis Esslingen zuständige Amtsleiter.
Von dem nun weit geöffneten Tor ins weiterführende VVS-Liniennetz, der kürzeren Fahrzeit ins Neckartal und den gut zu erreichenden Express-Bussen zum Stuttgarter Flughafen profitieren zwar vor allem die Einwohner von Ohmden, Zell und dem Göppinger Albvorland. Umgekehrt aber erschließt die neue Buslinie den Erholung suchenden Bewohnern des Ballungsraums ein an Attraktionen reiches Feld am Fuß der Schwäbischen Alb.
Neue Busdrehscheibe in Zell
Möglich macht das unter anderem die Bus-Drehscheibe in Zell, an der die Linien nach Bad Boll, Göppingen, Schlierbach auf der einen und nach Weilheim auf der anderen Seite zusammenlaufen. „Ich kenne nicht viele Gemeinden mit gerade mal 3000 Einwohnern, in denen sich fünf Buslinien kreuzen“, sagt der Zeller Bürgermeister Christopher Flik. Seinen Worten zufolge will die Gemeinde der erhofften Nachfrage Rechnung tragen und die bisher als Wendepunkt gestaltete Endstation zu einem kleinen Omnibusbahnhof ausbauen. „Das wird die neue Visitenkarte der Gemeinde“, verspricht er.
Seine Ohmdener Bürgermeister-Kollegin Barbara Born rückt die Verbesserung für ältere Menschen und Menschen ohne Auto in den Mittelpunkt. Für die sei der Weg nach Zell – sei es wegen eines Arztbesuchs oder der vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten – nun auch möglich, ohne die Hilfe von Nachbarn oder der Familie in Anspruch zu nehmen.
Die ÖPNV-Auslastung steigt wieder
Gerade in Corona-Zeiten hört der VVS-Geschäftsführer die Botschaften gerne. „Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr das Fahrgastniveau der Vor-Corona-Zeit wieder erreichen“, sagt Horst Stammler. Derzeit haben seinen Worten zufolge immerhin drei von vier Fahrgästen wieder zu den Busse und Bahnen zurückgefunden. Im April, auf dem Höhepunkt der Corona-Einschränkungen, hatte die Auslastung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region seinen Worten zufolge lediglich rund 20 Prozent betragen.