Neues Werbevideo Reue von Volkswagen gibt’s nur für Amerikaner

Von Yannik Buhl 

Verärgerte Kunden werfen dem Volkswagen-Konzern vor, die amerikanischen VW-Besitzer nach dem Dieselskandal gegenüber den europäischen zu bevorzugen. Ein neues Werbevideo von VW in den USA unterstreicht diesen Eindruck einmal mehr.

VW-Chef Herbert Diess stellte 2017 auf der North American International Auto Show in Detroit den VW „I.D. Buzz“ vor – einen  E-Bulli. Foto: dpa
VW-Chef Herbert Diess stellte 2017 auf der North American International Auto Show in Detroit den VW „I.D. Buzz“ vor – einen E-Bulli. Foto: dpa

Stuttgart - Der Volkswagen-Konzern ist nicht gerade dafür bekannt, Licht ins Dunkel bringen zu wollen – vor allem nicht, wenn es um den Dieselskandal geht. 2015 war öffentlich geworden, dass VW Dieselfahrzeuge manipuliert hatte. Seither wehrt man sich in Wolfsburg vehement dagegen, bei den verärgerten Kunden Wiedergutmachung zu leisten: Allein in Deutschland sind Tausende Schadenersatzklagen anhängig, VW sieht sich aber meist nicht in der Pflicht. Reue sieht anders aus.

Anders ist die Situation in den USA, einem der wichtigsten Automärkte. Hier bittet der Autobauer im Vergleich zum Heimatmarkt Deutschland Besitzer von VW-Fahrezeugen beinahe auf Knien um Verzeihung. VW hat dort nicht nur zügig Vergleichen mit Autobesitzern und Händlern zugestimmt, die bisher insgesamt einen zweistelligen Milliardenbetrag kosteten. Nun hat VW noch ein reuiges Werbevideo veröffentlicht. Es wirbt einerseits für den „I.D. Buzz“, einen neuen Bulli mit Elektroantrieb. Gleichzeitig ist es eine neuerliche Bitte um Vergebung.

Der Spot ist an Kitsch kaum zu überbieten: Ein Ingenieur läuft durch eine dunkle Fabrikhalle, dazu werden O-Töne der ersten Meldungen über den aufkommenden Abgasskandal eingespielt. Der Ingenieur, der wohl insgesamt für VW stehen soll, seufzt – und macht sich an die Arbeit. Aufbauend auf Archivbildern des alten VW-Bullis entwirft er den Nachfolger mit E-Motor.

Dazu dudelt pathetisch „The Sound of Silence“ des Duos Simon und Garfunkel, wo es heißt: „Hello darkness my old friend“ – der alte Freund, die Dunkelheit. Das kurze Video schließt mit den eingeblendeten Worten „In the darkness, we found the light“ – in der Dunkelheit haben wir das Licht gefunden.

Das soll wohl heißen: Wir haben verstanden. Wir haben uns gebessert. Wir lassen die Fehler der Vergangenheit hinter uns. Den deutschen Autobesitzern, deren VW-Diesel deutlich an Wert eingebüßt haben und die jahrelang vor Gericht um ihr Geld kämpfen müssen, muss das vorkommen wie Hohn. Dass VW irgendwann auch in Deutschland einen solchen Werbespot veröffentlichen wird, scheint auch eher unwahrscheinlich.

Hier sorgt VW dafür, dass die Dunkelheit bleibt.