Neues Wohnheim Flüchtlinge brauchen ein Netzwerk

Iris Lippmann gibt  vier frisch angekommenen Iranern erste Informationen. Foto: Häusser
Iris Lippmann gibt vier frisch angekommenen Iranern erste Informationen. Foto: Häusser

Im Wohnheim an der Seestraße in Sielmingen sind am Donnerstag 20 Asylbewerber angekommen. Sie brauchen jetzt ehrenamtliche Hilfe. Im Laufe des Januar sollen alle 170 Plätze in dem neuen Heim belegt werden.

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Sielmingen - Der Bus aus Karlsruhe mit Asylbewerbern aus Iran, Irak, Syrien und Algerien ist gegen 11 Uhr eingetroffen. Anschließend wurde den 20 Männern ihre Bleibe gezeigt. Die meisten von ihnen sind in Vier-Bett-Zimmern untergebracht. Es gibt eine Kochnische und ein kleines Bad mit Dusche und WC.

Die Wohnsituation sei relativ gut, sagen Julie Hoffmann und Iris Lippmann. Die beiden Mitarbeiterinnen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) haben Vergleichsmöglichkeiten. Sie betreuen im Auftrag des Landratsamtes 18 Wohnheime im ganzen Kreis Esslingen. In dem Sielminger Haus im Gewerbegebiet wohnen die Asylbewerber mit Arbeitern aus osteuropäischen Ländern. Bis Ende des Jahres sollen weitere 20 Flüchtlinge einziehen. Im Januar wird das Wohnheim dann komplett mit Flüchtlingen belegt. 170 sollen es am Schluss sein.

Julie Hoffmann findet es gut, dass nicht alle Asylbewerber auf einmal kommen: „Dann können die Ersten die anderen schon ein bisschen einweisen.“ Wichtig sei für die Männer zunächst einmal, dass sie wissen, wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt und wo sich die Ämter befinden, die sie aufsuchen müssen.

Ehrenamtliche gesucht

Als nächster Schritt müsse dann ein Netzwerk aufgebaut werden. Man suche Leute, die Sprachunterricht (Englisch-Deutsch) erteilen können oder die Flüchtlinge bei ihren Behördengängen begleiten. Ziel sei es, einen Arbeitskreis zu bilden, in dem Ehrenamtliche mit verschiedenen Fähigkeiten und Funktionen zusammenarbeiten. Sie sollen gemeinsam mit den Awo-Mitarbeiterinnen den Männern im Alltag helfen.

Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Flüchtlinge etwas zu tun bekommen. „Sie sollen nicht nur auf ihrer Bude rumsitzen“, sagt Julie Hoffmann. Einfachere Arbeiten könnten von ihnen erledigt werden. Sie dürften allerdings nicht mehr als 1,05 Euro pro Stunde verdienen, im ganzen Monat seien nicht mehr als 80 Euro erlaubt, sagt Sozialarbeiterin Iris Lippmann. Zum Leben bekommen die Asylbewerber jeden Monat 321 Euro vom Staat. Davon müssen Essen und Trinken, aber auch Kosmetika, Kleidung, Schuhe oder Zigaretten bezahlt werden.

Zusatzverdienst für Flüchtlinge

Deshalb sei der kleine Zusatzverdienst bei den Flüchtlingen willkommen, sagt Julie Hoffmann. Dann könnten sie sich auch ein Handy leisten und Kontakt mit ihrer Familie im Heimatland halten .

Hoffmann weist darauf hin, dass die Männer teilweise schreckliche Erlebnisse hinter sich haben. Inzwischen sei es leider so, dass viele von ihnen länger als ein Jahr auf den Ausgang ihres Verfahrens warten müssen. Lediglich bei Leuten aus Balkanstaaten gehe es schneller. „Die meisten der Menschen, die zu uns geschickt werden, haben noch nicht einmal ihre Anhörung gehabt“, sagt Iris Lippmann. Deshalb wünschen sich die beiden Frauen mehr Beschäftigte im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Um in Sielmingen besser Fuß fassen zu können, wären für die Asylbewerber Kontakte und auch Freizeitangebote von Vorteil. Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium hat angekündigt, dass einige der Flüchtlinge in die Schule eingeladen werden. Hoffmann und Lippmann würden es begrüßen, wenn die Männer auch Sportangebote oder aber Unterricht im Kochen bekommen würden. Außerdem freue man sich über Fahrräder, die gespendet werden. Vielleicht könne im Haus auch ein Raum für Fahrradreparaturen eingerichtet werden.




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