Neues Zeitalter eingeläutet Porsche startet Taycan-Produktion

Beschäftigte arbeiten während einer Showproduktion zum Start der Taycan-Fertigung. Foto:dpa/Sebastian Gollnow Foto:  

Der erste reine Elektro-Sportwagen des Stuttgarter Autobauers Porsche wird komplett in Zuffenhausen gefertigt. Mit der Serienproduktion mitten in seinem Stammwerk will der Konzern in ein neues Zeitalter starten.

Stuttgart - In der abgedunkelten Montagehalle des Porsche-Stammwerks Zuffenhausen glühen sieben virtuelle Stromkreise an der Wand. Davor stehen ebenso viele Menschen in dunklen Anzügen. Auf ein kurzes Kommando hin legen sie die Hände in die Mitte der Kreise, die virtuellen Drähte fließen ineinander. Mit einem Knall rast daraufhin der neue Taycan um die Ecke, mitten ins Rampenlicht: Willkommen in der „Fabrik der Zukunft“.

 

700 Millionen Euro Baukosten

Es ist Eröffnungstag in Stuttgart-Zuffenhausen. Von nun an soll Porsches erster reiner E-Sportwagen hier, im neu gebauten Fabrikkomplex, serienmäßig vom Band gehen. Eine Lackiererei, einen Karosseriebau, ein Gebäude für den Bau des Achs- und E-Antriebs sowie eine mehrstöckige Montagehalle hat man dafür in den vergangenen vier Jahren während des laufenden Betriebs gebaut. 170 000 Quadratmeter, vier Gebäude, 700 Millionen Euro Baukosten: Die eigens für den Stromer entworfene Fertigungsanlage ist damit nicht nur logistisch ein Mammutprojekt.

„Die Fabrik ist auch ein Meilenstein auf unserem Weg zur Zero Impact Factory, also einem umweltneutralen Unternehmen“, sagte der Porsche-Vorstandsvorsitzende Oliver Blume zur Eröffnung. Ökologisch durchdacht soll das Werk also sein. Logistisch und technisch setzt man daher auf Nachhaltigkeit: Der Taycan wird hier zum Beispiel komplett CO2-neutral gefertigt. Das Gebäude ist nach Angaben Porsches auf dem höchsten energetischen Standard, von der Stadt Stuttgart will der Autohersteller zudem sobald wie möglich Biogas beziehen.

Porsche will Tesla Konkurrenz machen

Der Wunsch nach einem reinen grünen Gewissen dürfte bei Porsche allerdings nicht von ungefähr kommen: Mit dem Taycan will das Unternehmen in Sachen E-Mobilität einerseits dem Marktführer Tesla Konkurrenz machen. Wegen des Diesel-Skandals steht Porsche andererseits – wie andere Hersteller auch – noch immer unter den skeptischen Blicken der Öffentlichkeit. Man muss nun Farbe bekennen, um dem Wandel des Marktes gerecht zu werden.

Elektromobilität soll in Zukunft zur dritten Säule bei Porsche werden, betont Oliver Blume. Neben Verbrennungs- und Hybridmotoren setze man daher auf „Elektrofahrzeuge mit hoher Leistung und Effizienz“. Schließlich befindet sich das Unternehmen, das gerne einmal damit kokettiert, Dinge zu produzieren, die niemand braucht, aber jeder will, im Spagat zwischen seinem Markenkern und den Anforderungen des Klimawandels.

Elektromobilität soll auch Spaß machen

Zumindest nach Ansicht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist das gelungen: Zur Eröffnung lobte er die Botschaft, dass Elektromobilität nicht nur leistungsfähig sei, sondern auch Spaß machen könne. „Damit wird das den Markt hochgehen“, sagte er und fügte in Richtung Tesla-Chef Elon Musk hinzu: „Mit grüner Technologie will man schließlich schwarze Zahlen schreiben, nicht rote.“

Für einen positiven Beitrag soll in Zuffenhausen nun der Taycan sorgen. „Umziehen im Kleiderschrank haben wir das Bauprojekt lange genannt“, sagte Oliver Blume. Obwohl es betriebswirtschaftlich nicht ganz schlüssig gewesen sei, habe man sich bewusst entschieden, in Zuffenhausen zu bauen. Der Grund: „Hier liegt das Herz der Marke.“

Zusagen der Mitarbeiter

Als Favorit galt der Stuttgarter Ortsteil jedoch wohl nicht immer. „Die Belegschaft hat einen wichtigen Beitrag geleistet, die Produktion hierher zu holen“, betonte Werner Weresch, Chef des Konzernbetriebsrats: Sämtliche Mitarbeiter hätten sich dazu bekannt, dem Unternehmen bis 2025 0,25 Prozent jeder Tariferhöhung als „Zukunftsbeitrag“ zur Verfügung zu stellen – wenn der Taycan denn in Zuffenhausen vom Band rollen sollte.

Ihr Ziel haben sie erreicht: 1500 neue Jobs hat Porsche mit dem neuen Taycan-Werk vor Ort geschaffen, 980 davon sind bereits besetzt. Im Prüfstand zum Beispiel brettern die Modelle heute schon einwandfrei über virtuelle Schotterpisten und müssen sich im „Monsun“ auf ihre Wasserdichte prüfen lassen.

In der Montagehalle schweben die Elektroautos unterdessen mit einem fahrerlosen Transportsystem von Station zu Station. Das System navigiert sich selbst über optische und digitale Signale. „So sind wir maximal flexibel“, erklärt Albrecht Reimold, Mitglied des Vorstands für Produktion und Logistik. Das System sei zwar nicht neu, aber in dieser Komplexität bisher noch nie verwendet worden. „Außerdem hatten wir wenig Platz und kaum Geld: Und dafür braucht man wenig, vor allem einen geraden Boden.“

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