Neues zu Windkraftprojekten im Rems-Murr-Kreis Wespenbussard macht Windkraft unrentabel

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Die EnBW legt ein Windkraftprojekt bei Urbach vorläufig aufs Eis. In direkter Nachbarschaft bei Welzheim kommt ein Projekt mit drei Windrädern aber einen wichtigen Schritt voran.

Zwischen Welzheim und Plüderhausen plant die EnBW drei Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils 166 Metern. Foto: Gottfried Stoppel
Zwischen Welzheim und Plüderhausen plant die EnBW drei Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils 166 Metern. Foto: Gottfried Stoppel

Urbach/Welzheim/Plüderhausen - Räumlich gesehen liegen die potenziellen Windvorranggebiete WN-28 und WN-29 im Welzheimer Wald nicht weit voneinander entfernt. Doch während sich an dem einen Standort in absehbarer Zeit kein Windrad drehen wird, ist der Energieversorger EnBW bei dem anderen Standort einen ersten wichtigen Schritt vorangekommen.

Hinter WN-28 verbirgt sich das ehemalige Bundeswehrdepot oberhalb von Urbach. „Das ist ein idealer Standort“, sagt Michael Soukup, der bei dem Energieunternehmen verantwortlich ist für den Windkraftausbau in Baden-Württemberg. Drei Anlagen mit einer Nabenhöhe von 166 Metern waren dort geplant, den Standort hatte die EnBW vor gut zwei Jahren von der Wind Energie Baden-Württemberg (WEBW) übernommen.

Abschaltung der Windräder müssten wegen Wespenbussard

Der Wind sei gut, die Zugänglichkeit ideal, alle möglichen Konflikte lösbar – bis auf einen: Neben dem Rotmilan ist auch der Wespenbussard in dem Gebiet beheimatet. Der werde vom Land Baden-Württemberg – anders als etwa von Rheinland-Pfalz – als windkraftempfindliche Art eingestuft, erklärt Michael Soukup. Nach den derzeit geltenden Regularien müssten die Anlagen zeitweise abgeschaltet werden, um ein Tötungsrisiko zu vermeiden.

„Die Windkraftanlagen dürften von März bis August tagsüber nicht laufen. Das würde bedeuten, dass mehr als 20 Prozent des möglichen Stroms nicht produziert werden könnte“, sagt Michael Soukup. Aus wirtschaftlichen Gründen ergebe es keinen Sinn, das Verfahren weiter zu treiben, es werde auf Eis gelegt.

Positiver läuft es für das Unternehmen in der Nachbarschaft: Auf den Gemarkungen von Welzheim und Plüderhausen, im Windvorranggebiet Hohbergkopf-Eichenzell, sollen drei Anlagen des Herstellers Vestas mit einer Nabenhöhe von 166 Metern entstehen, der Rotordurchmesser soll bei 150 bis 162 Metern liegen. „Das ist einiges mehr als bei den Anlagen in Winterbach“, sagt Michael Soukup. Entsprechend höher soll einmal die Leistung sein: statt 3,3 Megawatt wie in Winterbach wird mit 5,6 Megawatt pro Anlage gerechnet. Anfang August hat der Welzheimer Gemeinderat zugestimmt, dass die nötige Stadtwaldfläche als Bestandteil eines Flächenpools an die EnBW verpachtet wird.

Welzheim/Plüderhausen: EnBW möchte drei Windräder bauen

Noch sind nicht alle Gutachten abgeschlossen, aber das Energieunternehmen möchte ins Verfahren einsteigen und Ende dieses, Anfang kommenden Jahres den Antrag auf Genehmigung einreichen. „Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis es dort Windkraftanlagen stehen“, prognostiziert Michael Soukup, der sehr angetan von der Zusammenarbeit mit der Stadt Welzheim ist: „Dort gibt es eine energiepolitische Vision, in die Windkraft gut hineinpasst.“

Bereits im dritten Betriebsjahr befinden sich mittlerweile die drei Windkraftanlagen auf der anderen Seite des Remstals, am Goldboden bei Winterbach. „Der Januar und Februar waren super, jetzt ist das Wetter halt nicht so windkraftfreundlich“, sagt Michael Soukup zur aktuellen Lage. Der Klimawandel bringe mehr stabile Hochdrucklagen, das mache sich bei der Windausbeute bemerkbar. Auch wenn die Anlagen nun schon mehrere Jahre laufen, sei man immer noch in der Optimierungsphase. „Manchmal sind es Kleinigkeiten, wie ein minimaler Winkelfehler am Flügel, an denen gearbeitet wird.“ Mittlerweile hätten die Anlagen unter allen Wetterbedingungen produziert, auch das sei hilfreich für eine stete Verbesserung.

Winterbach: auch wirtschaftliche Gründe für stehenden Windräder

Dass die Anlagen öfter bei guten Windbedingungen nicht laufen, hat unterschiedliche Hintergründe: neben technisch oder artenschutzrechtlich bedingten Stillständen gebe es auch Abschaltungen, hinter denen wirtschaftliche Abwägungen stecken. „Es kommt immer wieder vor, dass es wegen der aktuellen Stromnachfrage Sinn macht, die Anlagen abzuschalten“, sagt Michael Soukup. Nämlich dann, wenn es negative Strompreise gebe – also, wenn die EnBW im Grunde für ihre eingespeiste Energie draufzahlen muss.




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