Einmal im Jahr wird Neuffen (Kreis Esslingen) zum Mekka der Rennsportfans. Am Sonntag feierten sie 120 historische Boliden, die die einst legendäre Bergstrecke wiederbelebten.
Für die Rennsportlegende Helmut Henzler ist es „Nostalgie pur“. Denn zu Neuffen hat der 75-jährige Nürtinger eine ganz besondere Beziehung: Mit dem Sieg beim Bergpreis 1970 startete seine Rennfahrerkarriere. Damals ließ er mit seinem Porsche 911 T in der Klasse über 2000 Kubikzentimeter alle Konkurrenten hinter sich: „So fing es an – 55 Jahre ist das jetzt her.“
Es folgten zahlreiche Siege, ein Deutscher Titel und ein Europameistertitel. 1977 gewann er ein weiteres Mal in Neuffen, diesmal mit einem der legendären Jägermeister-Scirocco-Boliden. Zu gewinnen gibt es beim Bergrennen zwar nichts mehr, weil es inzwischen eine reine Schaufahrt ist. Dennoch ließ es sich Lokalmatador Henzler nicht nehmen, an diesem Sonntag erneut beim Bergpreis dabei zu sein.
Dass er mit seinem 400 PS starken Porsche Turbo RSR, Modell Martini LeMans, noch einmal die Originalstrecke von damals fahren kann, sei für ihn wie ein wahr gewordener Traum: „Es ist wirklich unglaublich, was hier auf die Beine gestellt wird“, lobt Henzler.
Einmal durchs Städtchen – so fing es an
Dabei fing alles ganz klein an: „2014 standen wir zum ersten Mal mit zehn Oldtimern vor dem Rathaus, später haben wir eine kleine Runde um den Block drehen dürfen, dann einmal um das Städtchen“, erinnert sich Organisator Stephan Allgöwer von der Interessengemeinschaft Bergpreis Schwäbische Alb. Allerdings gab es von Anfang an den Traum, die Neuffener Steige wieder befahren zu dürfen, fügt er hinzu.
Ausgetragen wurden die legendären Bergrennen von 1964 bis 1983 – nach einem tragischen Unfall wurde der Bergpreis eingestellt. Viel Überzeugungsarbeit war nötig, bis 2023 erstmals wieder Rennfahrzeuge die 4,2 Kilometer lange, kurvige Strecke von Neuffen nach Hülben befahren durften.
Das große Pfund, sagt Allgöwer, sei „die komplett motorsportverrückte Kommune inklusive Bürgermeister“, die alle voll hinter dem Event stünden. „Wir legen hier ja für einen Tag den kompletten Ort lahm.“ Rund 250 Helfer waren im Einsatz, alle im Ehrenamt: „Vom Streckenposten bis zum Kommentator – hier will keiner was verdienen“, betont Allgöwer.
Bei der diesjährigen Auflage gingen insgesamt 120 Fahrzeuge am Start – und es hätten einige mehr sein können. Bewerbungen um eine Starterlaubnis für die Präsentationsfahrten gab es an die 250. „Wir suchen ganz gezielt Autos mit einer interessanten Geschichte aus“, erklärt Allgöwer. Originale Bergpreisteilnehmer von einst hätten die besten Karten, aber auch andere Modelle bekämen die begehrte Starterlaubnis. „Mittlerweile reicht die Bandbreite von Vorkriegsmodellen bis zu neuzeitlichen Supercar“, sagt Allgöwer stolz.
Der älteste Bolide war an diesem Sonntag ein englisches Alvis-Modell von 1934, das jüngste Fahrzeug ein zwei Jahre altes Mercedes-Sondermodell, für das schlappe drei Millionen Euro zu berappen sind. Und wer nicht beim Bergrennen starten durfte, konnte sein automobiles „Schätzchen“ wenigstens auf dem eigens angelegten Oldtimer-Parkplatz an der Rennstrecke zur Schau stellen.
Veranstalter zieht eine positive Bilanz
Einmal mehr erwies sich der Bergpreis als absoluter Publikumsmagnet: In den Fahrerlagern, die auf den gesamten Ort verteilt und kostenfrei zugänglich für jedermann waren, sowie entlang der Rennstrecke fanden sich bei schönstem Spätsommerwetter rund 20 000 Zuschauer ein. „Den Leuten gefällt das Konzept“, zieht Allgöwer zufrieden Bilanz. „Es geht eine große optische Faszination von den Oldtimern aus – bei vielen werden hier Kindheitserinnerungen wach.“