Mit flotten Arrangements von Klaus-Peter Klapper überzeugt der moderne Chor Mix Dur. Foto: MGV Neuhausen
Mit engagiertem Nachwuchs und modernen Chören schreibt der Männergesangverein Neuhausen im Jubiläumsjahr eine Erfolgsgeschichte. Fasnet ist ein Herzstück der Arbeit.
In Erinnerungen schwelgen Mitglieder des Männergesangvereins im Jubiläumsjahr. Seit 175 Jahren belebt der Männergesangverein (MGV) die kulturbegeisterte Fildergemeinde. „Früher liefen die Singstunden ganz anders ab“, erinnert sich der 93-jährige Manfred Bayer. Der Senior ist seit 75 Jahren dabei, hat selten in den Proben gefehlt. Dass die junge Generation den Verein in die Zukunft trägt, freut ihn.
Beim Jubiläumskonzert am Samstag, 25. April, in der Egelseehalle zeigt der Verein sein breites Spektrum. Große und kleine Sänger begeben sich auf „Zeitreise“. Dass der MGV nicht nur mit den Erwachsenenchören und dem modernen Mix-Dur, sondern auch mit der Kinder- und Jugendarbeit und den Tanzgarden erfolgreich ist, machen Bayers Kinder und Enkel möglich. Seine Töchter Tanja und Elke prägen den Verein seit Jahrzehnten – beim Gesang ebenso wie beim Tanz. Schwiegersohn Klaus-Peter Klapper gibt die musikalische Richtung des MGV vor. Seine mitreißenden Arrangements haben viele Fans. Und auch die Enkel stehen schon auf der Bühne.
„Dass wir Männergesangverein heißen, klingt schon ein bisschen aus der Zeit gefallen“, findet Heinrich Hobelsberger. Das habe sich halt so eingebürgert, sagt der Sprecher des Vereins. Dass Frauen im Verein tragende Rollen spielen, sei aber selbstverständlich. Tanja Klapper hat die Nachwuchsarbeit geprägt. Sylvie Walker leitet die Tanzgarden.
Schwelgen in Erinnerungen: Heinrich Hobelsberger, Manfred Bayer, Steffen Eisele und Klaus Saile (von links). Foto: Markus Brändli
„Was die Veranstaltungen angeht, haben wir mit den Jahren viel gelernt. Da braucht es professionelle Strukturen.“
Steffen Eisele, Vorsitzender des MGV
Um die Musicals, Shows und Konzerte zu stemmen, braucht es professionelle Strukturen. „Da haben wir mit den Jahren viel gelernt, sind ein eingespieltes Team“, sagt Steffen Eisele. „Da braucht es professionelle Strukturen.“ Der Vorsitzende des MGV ist stolz darauf, dass viele engagierte Menschen bei den Konzerten und Festen mit anpacken. „Wichtig ist uns, dass schon die Kleinen mal die Chance haben, auf der Bühne zu stehen.“ Das gebe Sicherheit und mache den Kindern Spaß. Nachwuchssorgen kennt er nicht. „Da beneiden uns viele“, weiß der 51-jährige Vereinschef. Viele Chöre müssten heute aufgeben, weil Sängerinnen und vor allem Sänger fehlten. Beim MGV ist der Andrang dagegen groß. „Mehr Männer“ würde sich Eisele dennoch wünschen – der Stimmenvielfalt wegen. Zwei Drittel der Aktiven sind Frauen.
Mit dem Sängerbund begann die Vereinsgeschichte
In Neuhausen schaut der MGV nach 175 Jahren optimistisch in die Zukunft. Am 24. Oktober 1851 gründete der Kaufmann Andreas Rank zusammen mit dem Lehrer Theodor Weiß den Gesangverein Sängerbund, der dann auch beim schwäbischen Liederfest in Reutlingen seinen ersten Auftritt hatte. Am 4. Juli 1882 wurde mit der Eintracht ein zweiter Gesangverein in Neuhausen gegründet. Der Lehrer Johann Schmidt probte mit 25 Sängern. Bereits bei der Gründungsversammlung wurde vereinbart, dass die Eintracht auch die Aufgaben des Kirchenchors übernimmt. Unter Wilhelm Göppel, der die Chorleitung 1909 übernahm, machte die Eintracht große Fortschritte.
Der MGV Neuhausen entstand in seiner heutigen Form aus dem Zusammenschluss von Sängerbund und Eintracht 1933. Dazu zwangen die Nationalsozialisten die beiden Vereine. Viele Sänger zogen sich damals zurück, wollten dieses Diktat nicht akzeptieren. 1946 brachte Eduard Hermle die Sänger wieder zusammen; Ernst Gäckle wurde Chorleiter und erreichte mit dem Chor in 28 Jahren ein Niveau, von dem noch viele schwärmen. „Das war anspruchsvoll“, blickt Manfred Bayer zurück. Nach einem harten Arbeitstag die Stücke zu üben, das habe ihn gefordert, „und es machte Spaß“.
Der Sängerbund, einer der Vorläufer des MGV im Jahr 1907. Foto: MGV Neuhausen
Ein Meilenstein in der Geschichte des Vereins war die Gründung des jungen Chors Mix-Dur. Klaus-Peter Klapper, musikalische Leiter der neuen Chöre, rief anlässlich der Jubiläumsgala vor 25 Jahren einen Projektchor zusammen. Mit einem neuen, fordernden Repertoire aus Pop- und Musicalmelodien begeisterte der das Publikum. Die Auswahl reicht von Beethoven über Orff, Gospelsongs, Musicalsongs und Pop- und Rockliedern. Der Jurist und Chorleiter Klapper arrangiert die Songs frisch und neu. 100 Sängerinnen und Sänger sind dabei.
Wie kreativ und professionell die Mitglieder des MGV arbeiten, zeigen die drei Fasnet-Shows, die jedes Jahr über die Bühne gehen. Einer, der das Gesicht der Neuhausener Fasnet jahrzehntelang prägte, ist der 74-jährige Klaus Saile. Der „Macher mit der Gitarre“ war nicht nur einer der Köpfe der Gesangsgruppe Gänsbettlerchen – mit seinen Bütten hat er die Fasnet geprägt. Da trat der humorvolle Pädagoge unter anderem als Prinz Charles auf. Heute organisiert er mit seiner Frau Claudia den Kartenvorverkauf für die Veranstaltungen.
Die Chöre des MGV
Vielfalt Klassische Chöre sind der Männer- und der Frauenchor. Das Spektrum der modernen Chöre hat der Männergesangverein Neuhausen ausgebaut. Neben Mix Dur gibt es die Mix Teens, Mix Kids und Mix Minis. Sehr anspruchsvolle Lieder studiert das Feuchte Eck ein – der Chorleiter Klaus Breuninger arbeitet mit den Männern sehr intensiv. Außerdem gibt es das Format Sing and Fun für alle, die zwangslos gemeinsam singen möchten.
Festlich Am Samstag, 25. März, feiert der MGV mit allen Chören Jubiläum – der Abend ist bereits ausverkauft. „Da wollen wir auf der Bühne das breite Spektrum unserer Chorarbeit zeigen“, bringt Heinrich Hobelsberger das Konzept auf den Punkt.