Neuhausen Nachbarn gegen Logistikfirma

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Das Vorhaben des Neuhausener Bürgermeisters Ingo Hacker, dem Logistikunternehmen DB Schenker eine Fläche anzubieten, wird in Ostfildern und Denkendorf kritisiert. Die Kommunen befürchten noch mehr Verkehr.

Die Gemeinde Neuhausen macht sich mit der geplanten Ansiedlung der Logistikfirma  DB Schenker keine Freunde in  den Nachbarkommunen. Foto: Pascal Thiel
Die Gemeinde Neuhausen macht sich mit der geplanten Ansiedlung der Logistikfirma DB Schenker keine Freunde in den Nachbarkommunen. Foto: Pascal Thiel

Neuhausen - Der Aufschrei ist groß gewesen, nachdem durchgesickert war, dass das Logistikunternehmen DB Schenker in Neuhausen bauen will. Eckart Fricke, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, hatte vor einigen Wochen in einem Interview das Vorhaben öffentlich gemacht und damit in der Bevölkerung und in den Nachbarkommunen Unruhe gestiftet. Denn die Befürchtungen sind groß, dass der Verkehr in dem ohnehin über die Maßen belasteten Filderraum durch die Ansiedlung weiter zunimmt.

Ingo Hacker, der Bürgermeister von Neuhausen, hat am Montag zu einem Pressegespräch ins Rathaus gebeten, „um über den Stand der Dinge zu informieren“, wie es in der Einladung heißt. Laut dem Rathauschef hat sich der Gemeinderat in der vergangenen Woche nichtöffentlich mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, auf der Neuhausener Markung in unmittelbarer Nähe zur Autobahn mögliche Standorte für DB Schenker zu prüfen.

Bewährte Vorgehensweise

Die Firma sei Ende des vergangenen Jahres erstmals mit ihrem Anliegen auf die Kommune zugekommen, sagt Hacker. Das allein sei für ihn noch kein Grund gewesen, die Öffentlichkeit zu informieren. Erst „wenn wir sehen, das könnte funktionieren, gehen wir damit in eine öffentliche Sitzung mit dem Gemeinderat“. Diese Vorgehensweise habe sich bewährt und nichts mit „geheimer Beraterei“ zu tun, wie ihm von Erich Bolich, dem Vorsitzenden der SPD-Gemeinderatsfraktion, vorgeworfen worden war. Bolich hätte sich zumindest eine „Information der Bürger“ gewünscht.

Auch in den Nachbarkommunen machen sich Neuhausen und ihr Bürgermeister keine Freunde mit dem Vorhaben. „Offiziell wissen wir darüber gar nichts“, moniert Christof Bolay, der Oberbürgermeister von Ostfildern. Er ist der Ansicht, es sei bisher nicht mit offenen Karten gespielt worden: „Ich kritisiere, dass wir im Vorfeld nicht offensiver informiert worden sind.“ Schließlich habe die Ansiedlung eines solchen Unternehmens Auswirkungen auf die Nachbarkommunen – insbesondere in puncto Verkehrszunahme. Deshalb müsse eine „Planung dieser Größenordnung im regionalen Umkreis betrachtet und besprochen werden“, fordert der Ostfilderner Rathauschef.

DB Schenker benötigt vier Hektar Fläche

Auch Peter Jahn, der Bürgermeister von Denkendorf, sieht eine Ansiedlung des Logistikers in Neuhausen äußerst kritisch. Damit werde das Verkehrsproblem auf den Fildern nicht einfacher. „In das vorhandene Spannungsfeld wird noch mehr Spannung hinein gebracht“, befürchtet er. Die „völlig überlastete Verkehrsinfrastruktur auf den Fildern“ lasse sich von den Kommunen nur im Schulterschluss verbessern, das sei eine „gemeinsame Aufgabe“.

Die von der Gemeinde Neuhausen anvisierte Fläche – DB Schenker benötigt rund vier Hektar – liegt laut Hacker außerhalb des Flächennutzungsplans, innerhalb sei eine Ansiedlung nicht möglich. Deshalb müssten im Vorfeld nicht nur planungsrechtliche und baurechtliche Voraussetzungen geschaffen, sondern auch Kaufverhandlungen mit Grundstückseigentümern geführt werden. Mehrere Möglichkeiten kämen in Betracht, genauer will er aus verhandlungstaktischen Gründen darauf nicht eingehen. „Wir sind nicht zwingend auf einen Standort fixiert“, sagt Hacker. Dennoch räumt er ein, dass die Verwaltung eine Fläche favorisiert, die „für Neuhausen am unschädlichsten ist, was die Störwirkungen betrifft“. Dem Vernehmen nach ist die Auswahl aber gar nicht mehr groß, denn der Gemeinderat soll bereits zwei von drei möglichen Standorten abgelehnt haben.

Arbeitsplätze für 250 Menschen

Ingo Hacker glaubt, dass der von dem Logistiker ausgehende zusätzliche Verkehr verträglich gestaltet werden kann. Die Fahrten der zu erwartenden 120 Lastwagenfahrten pro Tag würden vorwiegend über die Autobahn „abgewickelt“. Zudem sollen dort rund 250 Menschen beschäftigt werden, die zur Arbeit und wieder nach Hause fahren müssen. Deshalb gelte es, so Hacker, ein solches Unternehmen „so funktional einzubinden, dass es keine Mehrbelastungen gibt, sondern sogar eine Verbesserung“. Allerdings müssten die übergeordneten Behörden für eine bessere Infrastruktur auf den Fildern sorgen.