Neuheit im Rems-Murr-Kreis Weinstadt-Führungen per Smartphone
Als erste Kommune in der Region Stuttgart verfügt Weinstadt mit der Zeigmal-App über einen digitalen Gästeführer.
Als erste Kommune in der Region Stuttgart verfügt Weinstadt mit der Zeigmal-App über einen digitalen Gästeführer.
Ein Schwenk mit der Smartphone-Kamera runter auf das Betonpflaster vor dem Rathaus in Beutelsbach und dann wieder hinauf in Richtung Stiftskirche und schon ist man mitten in einer digitalen Zeitreise. Denn auf dem Display ist nun nicht mehr das Gotteshaus live und in Farbe zu sehen wie es real vor einem steht inmitten des heutigen, modernen Alltagtrubels mit Fahrzeugverkehr auf dem Marktplatz. Stattdessen sieht man es in schwarz-weiß auf einer Archivbild von anno 1930 mit Ochsengespann und Federvieh auf der Straße.
Möglich macht das die sogenannte Augmented Reality, kurz AR, in Weinstadts neuer Zeigmal-App. Dabei ist der Name Programm und die AR bei weitem nicht die einzige Funktion, welche die App bietet, um die Stadt, ihre Historie und Sehenswürdigkeiten näher kennenzulernen.
„Insgesamt sind rund 90 Sehenswürdigkeiten beziehungsweise Wegepunkte hinterlegt“, erklärt Oberbürgermeister Michael Scharmann nicht ohne Stolz. Dieser kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist Weinstadt die erste Kommune in der Region Stuttgart, die über solch einen digitalen Gästeführer verfügt, wie Scharmann bei der Vorstellung der App ebenfalls verkündet. „Der Ansatz ist, Geschichte nicht als schwere Kost mit vielen Zahlen zu präsentieren, sondern kleine Wissenshäppchen niederschwellig zu vermitteln, nach dem Motto: Heimat und Kultur erleben“, sagt der städtische Kulturamtsleiter Jochen Beglau.
Die Idee dazu entstand indes nicht im Weinstädter Rathaus, sondern am Bodensee. „Zeigmal“ wie die App heißt das Konstanzer Startup-Unternehmen, das die Anwendung entwickelt hat. Dahinter steht ein junges, sechsköpfiges Team aus Wirtschaftsingenieuren, Informatikern und einer Musikpädagogin. Eingeführt wurde die Zeigmal-App Mitte 2024 vom Tourismusnetzwerk Baden-Württemberg – zunächst lediglich für die Kleinstadtperlen, einem Zusammenschluss von 20 Städten in Baden-Württemberg, die sich durch besonders touristisch attraktive, historische Stadtbilder auszeichnen.
Auf das Angebot aufmerksam wurden Helena Moser und Elke Wild, die für Tourismus und Stadtmarketing in der Weinstädter Verwaltung zuständig sind. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren städtischen Mitarbeitern, insbesondere dem Stadtarchivar Bernd Breyvogel und dem Zeigmal-Team arbeiteten sie, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, von Jahresanfang an für alle fünf Teilorte digitale Stadtrundgänge aus.
Damit hat Weinstadt eines der umfangreichsten Angeboten unter den inzwischen 45 Zeigmal-Städten, die zwar über ganz Baden-Württemberg verteilt sind, sich bislang aber vor allem rund um den Bodensee ballen. Kompakt bekommt man unter „Weinstadt schnell entdecken“ in wenigen Sätzen zunächst einen Überblick über alle Teilorte, ihre historischen Besonderheiten und berühmte Persönlichkeiten. Danach kann man sich für eine der ein bis zwei Kilometer langen Runden entscheiden oder im Entdeckenmodus auf eigene Faust losspazieren, wobei man unterwegs per Push-Nachrichten über Sehenswertes in der Nähe in Kenntnis gesetzt wird.
Ein Fingertipp genügt und man kann sich Informationen dazu aufrufen, in Textform und teils auch als von Breyvogel persönlich aufgesprochene Audio-Aufnahmen. Dabei hält die App neben Daten und Fakten auch so manche Schmankerl bereit. So erfährt man, dass ein Vorfahr des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama aus Beutelsbach stammte und woher der Spitzname Hommelvergräber für die Einwohner des heutigen Weinstädter Teilorts kommt.
Wer will, kann die digitalen Rundgänge auch vom heimischen Sofa aus unternehmen – muss dann allerdings auf das Faszinosum der digitalen Zeitreisen per AR verzichten.
Installation
In den Rathäusern von Weinstadt gibt es Flyer mit einem QR-Code zum Download der Zeigmal-App. Oder man lädt sie sich direkt aus dem App-Store seines Smartphones kostenlos herunter.