Bestattet werden die Verstorbenen in Särgen auf einem Wiesengrundstück, das idealerweise bunte Blumen schmücken (Symbolfotos). Foto: Gottfried Stoppel/imago
Naturnahe Bestattungsformen mit wenig Pflegeaufwand liegen im Trend, setzen aber eine Einäscherung voraus. In Waiblingen gibt es bald eine Alternative auch für Erdbestattungen.
Annette Clauß
13.03.2026 - 09:30 Uhr
Wer sich für eine Feuerbestattung entscheidet, hat die Wahl zwischen mehreren Beisetzungsformen: Die Asche kann ganz klassisch auf einem Friedhof beerdigt werden, es gibt aber auch alternative Möglichkeiten wie beispielsweise Baumgräber, See- und Dünenbestattungen oder gar die Diamant- und Kristallbestattung. Bei Sargbestattungen gibt es hingegen keine große Auswahl. Die Stadt Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) will das nun ändern.
Der Wunsch nach einer naturnahen Erdbestattung im Sarg sei nicht neu, berichtet Thorge Semder, der Leiter der Abteilung Grünflächen und Friedhöfe bei der Stadt Waiblingen. Weil Angehörige oft weit entfernt wohnen, steigt die Nachfrage nach Gräbern, die wenig oder gar keine Pflege benötigen. Bei Sargbestattungen ist das problematisch, denn hier gelten strenge Regeln. Nach den Angaben der Stadtverwaltung dürfen diese Gräber maximal zur Hälfte mit einer Grabplatte bedeckt sein, damit der Verwesungsprozess nicht verzögert wird. Das heißt, mindestens die Hälfte der Fläche des Grabs muss bepflanzt und gepflegt werden – entweder von den Angehörigen oder von einer Gärtnerei.
Anders bei den Gräbern, welche die Stadt Waiblingen in Zukunft unter dem Begriff Wiesengräber anbieten will. Diese Art der Sargbestattung soll zunächst auf dem Friedhof in der Kernstadt, bei Bedarf auch in den Teilorten verfügbar sein. In der Kernstadt ist dafür eine Fläche in einem Randbereich des Friedhofs hin zur Alte Rommelshauser Straße vorgesehen. „Die Wiesen sollen biodivers bepflanzt werden, der Bewuchs kann da schon mal hüfthoch stehen“, erläuterte Oliver Strauß von der Stadtverwaltung. Auf der Fläche sind weder Grabplatten noch Grabeinfassungen erlaubt. Um die einzelnen Gräber gibt es auch keine Wege, lediglich am Fußende der Gräber wird ein Hauptweg angelegt.
Wiesengräber bieten naturnahe Ruhe und Insektenschutz
Die Wiesenfläche soll auch Insekten zugute kommen. Foto: Christian Charisius/dpa
Grabmale in Stelen-Form sind möglich, müssen aber bestimmte Maße einhalten. Sie dürfen bis zu 1,30 Meter hoch, maximal 35 Zentimeter breit und aus Materialien wie Stein, Cortenstahl oder Holz angefertigt sein. Grabschmuck wie Kränze oder eine individuelle Bepflanzung sind nicht erlaubt, denn sie müssten zur Pflege der Fläche abgeräumt werden. Denkbar sei aber, dass Grabschmuck auf den Stelen abgestellt werde, sagte Thorge Semder. Verfügbar sind Erdreihengräber mit einer Laufzeit von 20 Jahren und Erdwahlgräber, die sich als Familiengräber eignen und für 30 Jahre verfügbar sind.
Die neuen Wiesengräber, so heißt es vonseiten der Stadt, müssten „auch mal struppig aussehen dürfen“. Denn viele Pflanzen vermehrten sich über Samen, die Zeit brauchen, um auszureifen. Teile der Wiesenfläche sollen auch über den Winter stehen bleiben, um Insekten und Kleinlebewesen Schutz zu bieten.
Die Gebühren für ein Wiesengrab sind gleich hoch wie die für ein normales Reihengrab beziehungsweise ein Wahlgrab. Diese kosten in Waiblingen aktuell 2260 Euro beziehungsweise 5120 Euro. Die Stadt müsse die Wiesenflächen ja beispielsweise mähen und das Mähgut entsorgen, sagte dazu der Baubürgermeister Dieter Schienmann. Nach Setzungen des Bodens braucht es zudem eine neue Einsaat.